Selbstgebackenes für Senioren

Großes Herz: Corona kann Biker-Weihnachtsmänner aus Feldkirchen-Westerham nicht stoppen

Biker-Präsident „Chicken-Joe“ alias Sepp Ecker und Vize-Präsident „Franky“ Gschwendtner mit den Weihnachts-Lebkuchen-Bikes vor einem gläsernen Bike.
+
Biker-Präsident „Chicken-Joe“ alias Sepp Ecker und Vize-Präsident „Franky“ Gschwendtner mit den Weihnachts-Lebkuchen-Bikes vor einem gläsernen Bike.
  • vonThorsten Neuwirth
    schließen

Bereits zum 18. Mal „cruisten“ die Bavarian American Brotherhood (BAB) Biker in roten Gewändern auf ihren Maschinen zu verschiedenen Senioren-Einrichtungen und Altersheimen im Landkreis, um den älteren Mitmenschen eine Freude zu bereiten. Im Vorfeld haben sie ordentlich gebacken und Packerl gepackt

Feldkirchen-Westerham – „Wir sind Biker durch und durch, leben unsere Motorrad-Leidenschaft das ganze Jahr über, egal wie das Wetter ist und lassen uns sicherlich auch nicht durch ein Virus in die Knie zwingen. Wir ziehen unsere Aktion ,Biker-Nikoläuse on Tour‘ für unsere älteren Mitbürger durch, wenn auch in einer deutlich abgespeckten Form unter gebührender Beachtung von Sicherheitsaspekten“, brachte Josef Ecker Ende November die Situation seiner Motorrad-Crew auf den Punkt.

Biker-Lebkuchen seit 2005

Das „Highlight“ der Weihnachtsaktion der Bavarian American Brotherhood Biker (BAB) sind vor allem die „Packerl“ mit den seit 2005 selbst zubereiteten Biker-Lebkuchen. In der Irschenberger Backstube von Vize-Präsident „Franky“ Gschwendtner, verarbeiteten heuer vier BAB-Motorradfreunde unter Anleitung des Bäcker-Chefs in 20 Arbeitsstunden 50 Kilogramm Mehl, zehn Kilogramm Honig, 150 Eier und zehn Kilogramm Puderzucker zu 600 Lebkuchen.

Lesen Sie auch:

Der 92-jährige Sepp Holzmeier ist der Vater der Tuntenhausener Alphörner und ihrer Bläser

Alle haben die Form eines circa 20 Zentimeter großen Motorrades und sind mit Zuckerguss verziert. Doch damit nicht genug: Im Biker-Vereinsheim, am Stadlberg 1 in Feldkirchen-Westerham, wurden über 600 Weihnachtspackerl von zehn Motorradfreunden einen ganzen Abend lang mit Nüssen, roten Äpfeln, kleinen Schoko-Nikoläusen und den „berühmten“ BAB-Biker-Lebkuchen gefüllt. Als i-Tüpfelchen wurden die kleinen roten Weihnachtstüten noch mit dem goldfarbenen Emblem der BAB-Biker versehen.

Bei Wind und Wetter sind „Chicken Joe“ und seine Jungs unterwegs

Die „harten Jungs“ mit den „großen Herzen“ haben seit 2003 mit ihrer jährlichen Benefizaktion in der Adventszeit mittlerweile Kultstatus erreicht. Seither wird die Finanzierung dieser Benefizaktion traditionell aus eigenen Spenden und Veranstaltungen der BAB-Motorradfreunde bestritten.

Über 600 Biker-Lebkuchen wurden von Biker-Präsident Josef Ecker, Bäckermeister und Vize-Präsident „Franky“ Gschwendtner sowie Wilhelm Bellinger und Bene Singer in den Backofen geschoben.

Zu normalen Weihnachtszeiten fahren die „BAB-Motorradfreunde“ um ihren Präsidenten „Chicken-Joe“, so der Spitzname von Josef Ecker, an zwei Wochenenden über 20 verschiedene Senioren-Einrichtungen an. Dabei verteilen sie bis zu 1000 Nikolaus-Packerl. „Wir sind auch schon bei Minusgraden und dichtem Schneetreiben gefahren, oder besser gesagt, mit über dem Asphalt hängenden Füßen geschlichen, aber das gehört einfach dazu, da müssen Motorrad-Nikoläuse einfach durch“, erzählt Biker Bene.

„Der Job ist richtig und wichtig“

Doch nehmen die „BAB-Mitglieder“ die Strapazen gerne auf sich. „Wenn wir an den Einrichtungen vorfahren und dann das Leuchten in den Augen der älteren Herrschaften sehen, die dick angezogen in der Kälte auf uns warten, dann wird es dir spürbar warm ums Herz“, beschreibt Präsident Ecker mit ruhiger Stimme die bewegenden und emotionalen Momente.

Lesen Sie auch:

Jettenbacher Autorin Annemarie Köllerer: Ein Weihnachtsbuch zum Abschied

Auch gehört zu der dann anschließenden Weihnachts-Packerlverteilung, bei denen die selbst aufwendig zubereiteten BAB-Biker Lebkuchen „der Renner sind“, eine herzliche und innige Umarmung mit den „Männern in Rot“. „Wenn du dabei in ältere Gesichter schaust, bei denen ab und an auch eine Träne über die Wange läuft, bekommst du eine Gänsehaut und weißt, der Job ist richtig und wichtig“, sagt Vize-Präsident „Franky“ Gschwendtner.

Persönliche Übergabe im Corona-Jahr nicht möglich

Nicht selten nehmen die „BAB-Biker“ auch eine Einladung zum wärmenden Getränk mit Stollengebäck an und unterbrechen ihre weihnachtliche Packerl-Rundfahrt für ein paar Minuten. Dabei kommt es „ruckzuck“ zum geselligen Ratsch mit den Seniorinnen und Senioren, von Berührungsängsten keine Spur. „Wenn wir dann wieder auf unsere Maschinen steigen, werden wir oft von winkenden Händen verabschiedet“, berichtet Ecker. 

Lesen Sie auch:

Das erste Fest nach dem Zweiten Weltkrieg war voller Sorgen und Hoffnung

In diesem Jahr war aber alles anders. Anstatt der 1000 „BAB-Biker Lebkuchen“ wurden nur gut 600 in aufwendiger Handarbeit in der Backstube von Biker Vize-Präsident „Franky“ zubereitet und gebacken. Von 20 Anfahr-Stationen blieben letztlich aus Sicherheitsaspekten nur noch neun übrig. In den Planungen standen nur zwei anstatt vier Nikolaus-Fahr-Tage. Normalerweise gehen knapp 15 Biker-Nikoläuse samt Krampus auf Tour, heuer waren es nur sechs in Begleitung eines „Kramperl“. Auch konnten die Weihnachtspackerl nicht persönlich überreicht werden, sondern mussten an zuvor festgelegten Plätzen abgestellt werden.

Hoffen auf Normalität bei der nächsten Weihnachtsaktion

Was die „BAB-Motorradfreunde“ aber am meisten schmerzte, war der fehlenden Kontakt zu ihren Senioren. „Das geht einem echt an die Nieren, wenn du vor ein Alten- oder Seniorenheim fährst, deine Packerl dann an einer Art ‚toten Briefkasten‘ deponierst und dabei die alten Menschen hinter ihren Fensterscheiben stehen“, so „BAB-Präsident“ Ecker. Um die „unwirkliche Situation“ wenigstens etwas abzumildern, haben die Motorradfreunde, dort wo es ging, noch eine Runde um das Haus gedreht und dabei den älteren Menschen zugewunken.

Auf die Frage, ob „Chicken-Joe“ einen Wunsch für das neue Jahr habe, kommt die Antwort des „BAB-Präsidenten“ wie aus der Pistole geschossen, „dass wir alle gesund bleiben und dass wir unsere Biker-Nikolaus-Aktion wieder wie gewohnt fahren können“.

In dem Zusammenhang lud Ecker auch interessierte Motorradfreunde zu einem unverbindlichen Besuch im Vereinsheim am Stadlberg 1 in Feldkirchen-Westerham ein. Unter dem Motto, „Schau vorbei, dann bist dabei“, kann sich jeder Interessierte einen Einblick in das facettenreiche BAB-Biker-Vereinsleben verschaffen. Infos gibt es auch unter: www.BAB-Motorradfreunde.de

Kommentare