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Medical-Park-Kliniken Bad Feilnbach

Chefs über Herausforderungen nach Corona: „Die Patienten wieder an ihre Leistungsgrenzen heranführen“

Der Geschäftsführer der Medial-Park-Kliniken in Bad Feilnbach, Stephan Merz (links), und deren Ärztlicher Leiter Peter Young.
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Der Geschäftsführer der Medial-Park-Kliniken in Bad Feilnbach, Stephan Merz (links), und deren Ärztlicher Leiter Peter Young.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bekamen auch die Rehaklinken zu spüren. Das Klinikpersonal beiden Häuser der Medical-Park-Gruppe in Bad Feilnbach mussten lernen, mit dem neuen Infektion umzugehen. Mit einem Normalzustand rechnet deren Geschäftsführer jedoch alsbald nicht.

Bad Feilnbach – Die Kliniken der Medical-Park-Gruppe stellte die Corona-Pandemie vor medizinische und logistische Herausforderungen. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der beiden Häuser in Bad Feilnbach, Stephan März, und deren Ärztlichem Leiter Professor Peter Young, über die Besonderheiten einer Therapie nach einer Covid-Erkrankung und den Umgang mit Besuchern.

Wie gestaltet sich derzeit die Lage in Ihren Häusern?

Stephan Merz: Die Lage ist stabil, aber wir sind natürlich, was die Anzahl der Patienten betrifft, noch nicht dort, wo wir in der Zeit vor der Corona-Pandemie waren. Wir freuen uns aber, dass wir unsere Leistungen für die anwesenden Patienten komplett erbringen können. Aus meiner Sicht haben wir eine stabile, wenn auch veränderte Lage im Vergleich zur Zeit vor Corona.

Professor Peter Young: Aus medizinischer Sicht kann man sagen, dass wir eine gewisse Zurückhaltung bei den Patienten sehen, die zur Rehabilitation kommen. Weil sie möglicherweise Sorge haben, dass sie in einer Klinik gefährdet sind. Durch Corona sind wir zudem plötzlich mit anderen Krankheitsbildern konfrontiert. Zum Beispiel mit dem Post-Covid-Syndrom bei Patienten, die nach einer Intensivbehandlung bei uns landen. Hinzu kommen Patienten mit Long-Covid.

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Gibt es bei besagten neuen Krankheitsbildern besondere Herausforderungen?

Young: Der wirklich neue Aspekt für uns liegt bei den Long-Covid-Patienten. Das sind jene, die anfänglich eine eher leichte oder mittelschwere Erkrankung hatten, aber merken, dass sie aus dieser Erschöpfungsphase, den Schlafstörungen und den Angstsituationen nicht herauskommen. Zudem verspüren sie eine Herabsetzung ihrer Leistungsfähigkeit. Darin liegt tatsächlich eine neue Herausforderung: die Patienten im Rehabilitationsprogramm wieder an ihre Leistungsgrenze heranzuführen und so weit zu bringen, dass sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

Muss man diese Phänomene anders behandeln oder reichen die bisherigen Therapieformen?

Young: Das Neue liegt im Herangehen an die Therapie selbst. Das Ausloten der eigenen Therapiegrenzen erfordert sehr viel individuelles Ansprechen der entsprechenden Störungen. Zum Beispiel die ehemalige Triathletin, die zu uns kommt und sagt: „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich bin nach 100 Metern so erschöpft wie früher nach einem halben Triathlon.“ Das ist eine Herausforderung für Therapeuten und Ärzte, diesen Weg mit den Patienten zu gehen.

Wie sieht das konkret aus?

Young: Wir beschäftigen uns während der ersten drei Tage mit dem Patienten, um herauszufinden: Auf welchem Niveau können wir starten und bis zu welchen Leistungsgrenzen gehen? Dabei kommt es durchaus vor, dass wir einen Schritt zu weit gegangen sind und dem Patienten einen Ruhetag verordnen.

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Ist die Diagnose Long-Covid für Ärzte besonders schwierig im Blick darauf, dass es sich um ein neues Krankheitsbild handelt?

Young: Wenn man sich die Literatur hierzu ansieht, treten diese Symptome bei fast 50 Prozent der Patienten nach leichten und mittelschweren Covid-Erkrankungen auf. Das ist eine enorm hohe Zahl. Ein einzelnes diagnostisches Kriterium gibt es nicht. Es ist eine Konstellation aus absoluter Erschöpfung und sehr schneller frühzeitiger Erschöpfbarkeit verbunden mit Schlafstörungen und zum Teil ängstlich-depressiver Verstimmung.

Rechnen Sie in absehbarer Zeit damit, dass man wieder zum Zustand vor Corona zurückkehren kann?

Merz: Ich denke, dass uns diese Pandemie – auch mit den verschiedenen Varianten – noch eine ganze Zeit begleiten wird. Wir haben keine Langzeitstudien, keine Langzeitergebnisse – außer, dass diese Pandemie aufflackert und sich die Situation in den Sommermonaten wieder beruhigt. Dass wir in einen eingeschwungenen Normalstatus zurückkehren, damit rechne ich in diesem Jahr tatsächlich nicht.

Wie steht es für das kommende Jahr aus?

Merz: Dort treibt uns das Gleiche wie im Sommer und Herbst 2020. Wir haben uns im Grund vom Prinzip Hoffnung ernährt und gedacht, 2021 wird es schon besser. Kaum hatten wir dies ausgesprochen, kam die neue Welle im Winter 2020/21. Natürlich hoffen wir, dass es 2022 besser wird. Ginge es in Sachen Corona um eine hoch dotierte Wette, wäre ich sehr zurückhaltend, da das Geschehen doch sehr volatil ist. Bis zum Normalbetrieb in der Klinik liegt, glaube ich, noch ein gewisser Weg.

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Young: Ich würde das so unterschreiben. Ich glaube, dass wir uns einfach an eine neue Normalität gewöhnen müssen. Diese wird von zwei Faktoren abhängen: Das ist zum einen die Impfung, und wie stark wir erreichen können, dass die Gesamtbevölkerung diese neue Normalität auch akzeptiert. Wir brauchen ein breites Verständnis, dass es in einer Klinik anders zugehen muss als in der Gastronomie. Ein Mensch, der ins Krankenhaus kommt, wird sich daran gewöhnen müssen, dass dort eigene Regeln gelten, die nicht unbedingt mit denen außerhalb der Klinik übereinstimmen.

Der Reithofpark in Bad Feilnbach: eines der beiden Häuser der Medical-Park-Gruppe.

Will heißen, als Besucher darf ich keine Klinik mehr ohne entsprechenden Schutz betreten.

Young: Genau. Oder dass Besucher zuvor einen Antigen-Test machen, damit wir wissen, dass zumindest für zwei, drei Stunden eine 95-prozentige Sicherheit besteht, dass tatsächlich keine Infektion vorliegt. Zur Sicherheit wird es sicherlich bei den Besucherkonzepten noch mal zu Änderungen kommen. Aber wir werden immer eine Form von Regeln für jene Menschen haben, die als Besucher in die Kliniken kommen.

Wie blicken Sie auf den Aufwand, der damit auf Sie zukommt?

Merz: Die vergangenen 16 Monate waren zwar mit viel Mühe verbunden, aber da mussten wir durch. Wir tragen als Unternehmen, welches Reha-Kliniken betreibt, auch eine gesellschaftliche Verantwortung, bei der Pandemiebekämpfung mitzuwirken. Wir haben durchaus unsere Schwierigkeiten, weil die höheren Kosten aus unserer Sicht nicht vollständig erstattet werden. Wir sind den Sozialversicherungträgern zwar sehr dankbar, dass sie einen Hygienezuschlag bezahlen. Aus meiner Sicht reicht dieser aber nicht, um den kompletten Aufwand finanziell auszugleichen, der durch den Mehraufwand entsteht.

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Young: Aus medizinischer Sicht kann ich sagen, dass wir in diesem Bereich zunächst das Dekret der Sicherheit haben. Ich habe bei keiner Situation im Haus einen Konflikt gesehen, wenn etwas beispielsweise medizinisch sinnvoll, aber mit höheren Kosten verbunden war. Wir haben es geschafft, unsere Notwendigkeiten ganz klar zu vermitteln, damit wir diese auch umsetzen konnten. Zum Beispiel, indem wir die Doppelzimmerbelegung runterfuhren. Auch in schwierigen Zeiten konnten wir uns auf medizinbasierte Vorgehensweise einigen.

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