Corona bringt Leben in Bad Aibling fast zum Erliegen – Tag eins mit Ausgangsbeschränkungen

Leer auch die samstäglichen Hotspots. Sie dürfen nicht mehr öffnen. Und kaum ein Mensch ist in der Stadt.

Das Leben in Bad Aibling ist fast zum Erliegen gekommen. Die meisten Bad Aiblinger halten sich an die Ausgangsbeschränkungen. Vor Einkaufszentren regulieren Sicherheitsfirmen den Ein- und Ausgang. Restaurants und Einzelhändler bieten Lieferservices an. Doch die Kunden nehmen sie kaum an.

Von Kathrin Gerlach

Bad Aibling – Samstag, Tag eins mit Ausgangsbeschränkungen. Das Wetter spielt mit. Es ist grau, regnet in Strömen. Da will kein Mensch auf die Straße. Trotzdem fühlt sich die Stille in Bad Aibling seltsam an.

Das Zentrum ist wie ausgestorben. Kaum ein Auto fährt durch die Stadt. Kaum ein Spaziergänger ist auf den Straßen. Gähnende Leere in und vor den Cafés, in denen sich sonst samstags kaum ein freier Platz finden lässt.

Neue Form der Kommunikation

Liebe Grüße an die Kunden – auf Tafeln verfasst. Kommuniziert wird jetzt über Aushänge. Wer hat geschlossen und wer nicht? Wo gibt es noch eine warme Mahlzeit und wo nicht.

Gastronomie zum „Mitnehmen“

„Da unsere Waren zu Lebensmitteln zählen, haben wir weiterhin geöffnet.“ „Ab sofort zum Mitnehmen.“ „Wir bieten einen Abholservice.“ „Wir haben einen seuchenunabhängigen, Tag und Nacht arbeitenden Notdienst.“ Jeder Gastronom, jeder Händler ringt ums Überleben. Die Mieten müssen bezahlt werden. Die Mitarbeiter. Der Lebensunterhalt der eigenen Familie.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Doch nur wenige Menschen nehmen den neuen, auf die Ausgangsbeschränkungen abgestimmten Service an. Sehr wenige. „Einen, vielleicht auch zwei Monate können wir durchhalten“, sagt einer der Wirte. „Dann sind wir pleite, wenn uns nicht geholfen oder die Miete erlassen wird.“

Soforthilfe reicht nicht lange

Die Soforthilfe des Freistaates deckt nicht einmal die Hälfte der monatlichen Kosten. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Bleibt die Hoffnung auf die Solidarität der Bad Aiblinger und noch einmal der Hinweis: „Ab 17.30 Uhr Straßenverkauf.“

Zeichen des Zusammenhalts

Es sind Angebote, Zeichen des Zusammenhalts. Betriebswirtschaftlich vermutlich nicht sinnvoll. Doch es sind Hilferufe, die da durch die Schaufenster und von den Aufstellern klingen. Die sagen: Wir sind für Euch da. Nicht mehr im Geschäft. Nicht mehr so gemütlich wie einst. Aber wir sind da. Und wir kämpfen ums Überleben.

Bedrückende Atmosphäre

Der Spaziergang durch die verwaiste Innenstadt ist bedrückend. Die Polizei fährt Streife, kontrolliert, ob sich die Menschen an die Beschränkungen halten. An diesem Tag tun sie es.

Auch Einkäufe werden entzurrt

Ein paar Straßen weiter wird für das Wochenende eingekauft. Auch hier ist die Angst vor dem Virus sichtbar. So leer sind die Parkplätze vor den Einkaufszentren sonst nur kurz vor Ladenschluss.

Hinweise und neue Glaswände

An den Eingängen der Märkte Hinweisschilder. Die Kunden sollen auf Hygiene achten. Manche nutzen Glaswände an den Kassen als Alternative zur nicht möglichen Distanz von 1,50 Metern zwischen Kunden und Kassierer.

Security kontrolliert am Eingang

Die größeren Märkte werden jetzt von Sicherheitsfirmen bewacht. Vor dem Edeka weist ein Schild auf die neuen Zugangsregeln hin. Eine Trennwand wurde aufgestellt. Links geht es hinein, rechts wieder hinaus. Einkauf in Gruppen ist untersagt. Pro Einkaufswagen wird nur eine Person eingelassen.

Fairness ist wichtig

„Das wollen viele nicht einsehen und diskutieren“, ist der Kollege der Security-Firma sichtlich genervt. Wie alle anderen ist auch er gefährdet. „Es wäre schön, wenn sich die Menschen einfach an die Regeln halten und fair bleiben würden.“

Weniger Züge als sonst

Am Bahnhof fährt ein Meridian ein. Der Fahrplan wurde auf die Krise abgestimmt. Es sind kaum Menschen im Zug, noch weniger auf dem Bahnsteig. „Fahrplanänderung. Bitte informieren Sie sich im Internet. Bitte fahren sie nur mit der Bahn, wenn es unumgänglich ist.“ warnt die Anzeige.

Kommt jetzt auch noch ein Müllproblem?

Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Gebot der Stunde. An den Wertstoffinseln scheint das keinen zu interessieren. An den Altpapiercontainern in der Ellmosener Straße häufen sich Abfälle, die hier nicht hingehören. Müll – einfach abgestellt. Ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass es Menschen sind, die sie entsorgen müssen.

Tag eins mit Ausgangsbeschränkungen. Er hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Das könnte Sie auch interessieren:

Coronavirus: Zahlen steigen weiter – Ein Mann aus dem Landkreis Rosenheim ist tot, 3 Menschen gelten als geheilt

Corona: Der Kampf der Wirtshäuer ums Überleben beginnt

Kommentare