Café Friends: Wo sich die Welten treffen

Patin Rosl Düselmit Aref Mohebbi (links) und Mohammad Moradin.

Kaffee trinken, miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen, beim Spielen die deutsche Sprache üben, Behördenbriefe besprechen, Freundschaften pflegen – all das bedeutet seit drei Jahren das „Café Friends“ für seine Besucher.

Bad Aibling – Es ist Sonntag, kurz nach 16 Uhr. In der Küche des evangelischen Gemeindehauses treffen Alexandra Woköck und zwei Helferinnen noch die letzten Vorbereitungen. Im Foyer ist bereits alles hergerichtet: Auf Tischen am Rand stehen Kaffee, Kuchen und kalte Getränke bereit. An einigen der Stehtische unterhalten sich bereits die ersten Gäste, andere sitzen noch auf der Mauer vor der Tür und genießen die Frühlingssonne.

„Hallo Aref“, begrüßt Woköck einen der Helfer aus ihrem Team. Der afghanische Flüchtling besucht das Café von Anfang an. Irgendwie mitgeholfen hat er immer, aber inzwischen ist er auch offiziell im Helferteam. Heute hat Aref keinen Dienst, aber er bringt einen Kuchen, den seine Patin gebacken hat. „Rosl kommt später noch“, verkündet er.

Feste Institution seit 2016

Seit Mai 2016 öffnet das evangelische Gemeindehaus in der Kolbermoorer Straße sonntags von 16 bis 18 Uhr seine Türen für die Besucher des „Café Friends“: Flüchtlinge, die allein oder mit ihren Familien kommen, engagierte Helfer vom Kreis Migration und interessierte Aiblinger. Genauso lange sorgt Woköck mit ihrem ehrenamtlichen Team für das Wohl der Gäste und einen reibungslosen Ablauf. 17 Freiwillige kümmern sich derzeit im Wechsel darum, dass das Café mit wenigen Ausnahmen jeden Sonntag im Jahr öffnen kann. Acht Helfer sind Flüchtlinge – wie Aref. Gegründet hat das Café aber nicht Woköck, sondern Silvie Metzendorf vom Kreis Migration. Nachdem seit Oktober 2015 die Container in Bad Aibling bezogen wurden und zeitweise Flüchtlinge in der Turnhalle des Gymnasiums untergebracht waren, wollte sie einen Ort der Begegnung schaffen, an dem Flüchtlinge und Einheimische in ungezwungener Atmosphäre Zeit miteinander verbringen können. Das „Café Friends“ wurde als Projekt des Kreis Migration Bad Aibling im alten katholischen Pfarrhaus von St. Georg eingerichtet und etablierte sich über den Winter als feste Einrichtung.

Als das Pfarrhaus zu Wohnzwecken renoviert werden sollte, fand das Café eine neue Heimat im evangelischen Gemeindehaus. Mit dem Ortswechsel war auch der Wechsel des Wochentages von Samstag auf Sonntag verbunden, weswegen Metzendorf die Leitung an Woköck abgeben musste.

Das Prinzip blieb gleich: „Bei Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen sowie gemeinsamen Aktionen und Spielen, zum Beispiel am hauseigenen Kicker, wird Gemeinschaft gelebt und erlebt“, beschreibt Petra Mareis vom Vorstand des Kreis Migration die Grundidee des Cafés. So wie viele der Aktiven aus dem Helferkreis ist auch sie oft zu Gast im Café. Man trifft sich und tauscht sich aus. „Vor allem für viele Bewohner der Container, die keine Paten haben, ist das Café sehr wichtig, denn hier finden sie ein offenes Ohr für ihre Probleme“, berichtet Mareis.

40 bis 60 Gäste besuchen durchschnittlich das Café, bei schlechtem Wetter auch mal weniger. Es ist ein Kommen und Gehen, die Stehtische laden zum Austausch ein. Ab und zu verschwinden zwei oder mehr Leute in den Keller, wo der Kicker steht. Im Saal stehen Tische und Stühle, wo man spielen, mit Kindern basteln oder in Ruhe amtliche Schreiben und ähnliches besprechen kann.

Das Café ist auch für die Begegnung mit interessierten Bürgern gedacht. Doch nur selten kommen neue Leute vorbei. „Ohne Anlass trauen sie sich nicht“, ist Woköcks Beobachtung. Deshalb ist es den Verantwortlichen vom Kreis Migration ein wichtiges Anliegen, solche Anlässe zu schaffen, zum Beispiel im Rahmen der Reihe „Die Welt auf unseren Tellern“, die gemeinsam mit dem Nachbarschaftsring durchgeführt wird.

Viermal waren im vergangenen Jahr alle Interessierten eingeladen, ein Land über typische Gerichte und einen bebilderten Vortrag von Geflüchteten kennenzulernen: Afghanistan, Syrien, Nigeria und Pakistan waren schon an der Reihe, weitere Termine sind geplant. „120 Leute kamen letztes Mal“, berichtet Mareis. Einige der Besucher kommen anschließend wieder, freut sich Woköck und findet: „Es ist ein kleiner Schritt, Ängste abzubauen.“

Der evangelische Pfarrer Markus Merz unterstützt das Café und schafft Verbindungen. Auf seine Initiative hin fand etwa die Abschlussveranstaltung der letzten Literaturtage, ein Vortrag zu „Stolpersteinen“ für Opfer der Nationalsozialisten im Landkreis Rosenheim, im „Café Friends“ statt – eine Gelegenheit das Angebot weiter bekannt zu machen.

Gegen halb sechs kommt Patin Rosemarie „Rosl“ Düsel. Ihre beiden „Patenkinder“ Aref und Mohammad aus Afghanistan begrüßen sie herzlich. „Rosl ist für alle Flüchtlinge hier die Großmutter“, sagt Aref. Das Bild passt, denn irgendwie ist es eine große Familie. Eine Familie, die offen ist für neue Familienmitglieder.

Stimmen aus dem Café Friends

Rosemarie Düsel arbeitet seit Anfang 2016 im Team des Café Friends mit. Die Idee der Begegnung von Flüchtlingen und Aiblinger Bürgern hat sie gleich begeistert. Was die Flüchtlinge erlebt haben, erinnert sie an ihre eigene Kindheit: „Wir mussten 1945 auch aus Schlesien fliehen und ich war froh, wenn ich irgendwo etwas bekam.“ Heute kümmert sich unter anderem als Patin um Aref und Mohammad.

Aref Mohebbiaus Afghanistan ist seit 2015 in Deutschland. Von Anfang an kam er ins Café Friends. „Ich hatte Heimweh und brauchte Hilfe. Hier sind viele Deutsche, die uns helfen. Ich helfe mit und helfe anderen Flüchtlingen. Wir spielen und sprechen dabei deutsch.“ Inzwischen ist Aref als Flüchtling anerkannt und konnte im Dezember 2018 seine Frau und die zwei Kinder zu sich holen. Er bedauert es, dass nicht mehr Bürger die Begegnung suchen: „Wenn Deutsche keinen Kontakt mit Flüchtlingen haben, haben die immer Angst“, ist seine Erfahrung.

Mohammad Moradin aus Afghanistan ist ebenfalls 2015 nach Deutschland gekommen. Er besucht das Café regelmäßig, weil es dort Informationen und Unterhaltung gibt, zum Beispiel Spiele mit Deutschen. Und er weiß: „Da werden Probleme gelöst.“ Im Rahmen eines Einstiegsqualifizierungsjahres ist er in einem Dachdeckerbetrieb in Ausbildung. Bei der Kundschaft kommt er gut an und man kann hören, dass er neben der deutschen Sprache im Betrieb auch gleich bayerisch lernt.

Housen Ali aus Syrien ist seit dreieinhalb Jahren in Bad Aibling und sehr dankbar. „Am Anfang gab es für uns nur den Kreis Migration und das Café: Viele Leute haben uns geholfen, die Sprache korrigiert, Informationen ausgetauscht, uns geholfen – egal ob Pate oder nicht – mit Briefen, mit der Schule. Wie muss man sich verhalten, wie kann man sich integrieren, wie eine Wohnung suchen“, erzählt er. Inzwischen hat er die Sprachkurse erfolgreich absolviert und macht eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Ins Café kommt er immer, wenn er Zeit hat, um Deutsche und andere Flüchtlinge zu treffen, sich zu unterhalten oder etwas zu spielen, zum Beispiel „Uno“.

Annerose Schwarz gehört seit etwa zwei Jahren dem Team an. Sie hatte zuvor 15 Jahre in Spanien gelebt und gearbeitet und kam damals neu nach Bad Aibling. „Wir wissen, was es heißt, fremd zu sein“, sagt sie. „Da ist eine Anlaufstelle, wo man gerne gesehen ist, eine Riesenhilfe.“ Am Café Friends schätzt sie die verschiedenen Mentalitäten der Besucher. „Es ist schön, Gleichgesinnte zu treffen und im Kleinen was zu machen – angesichts der politischen Lage“, findet sie.

Jean-Claude Michallet kommt gelegentlich zu Besuch ins Café. Er gehört zwar nicht dem Helferteam an, setzt als Franzose aber manchmal seine Sprachkenntnisse ein, um für Flüchtlinge beim Arztbesuch oder anderen Terminen zu übersetzen.

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