Bürgermeister Stephan Schlier: „A neis Kapitel“ für Bad Aibling

Bürgermeister Stephan Schlier:„Ich will Bad Aibling sicher und stabil in dieser bewegten Zeit führen.“ CSU Bad Aibling
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Bürgermeister Stephan Schlier:„Ich will Bad Aibling sicher und stabil in dieser bewegten Zeit führen.“ CSU Bad Aibling

Bad Aibling – Seit gestern ist Bad Aiblings neuer Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) offiziell im Amt. Wir sprachen mit ihm über die Amtsübernahme in Krisenzeiten, wichtige Projekte sowie Neuerungen und Änderungen.

Herr Schlier, vier Wochen liegt Ihre Wahl erst zurück. Nicht viel Zeit, um sich einzuarbeiten. Wie sahen diese Tage für Sie aus?

Stephan Schlier: Die Wochen seit der Stichwahl vergingen unheimlich schnell. Tatsächlich stand der April für mich ganz im Zeichen der Einarbeitung und der bestmöglichen Vorbereitung auf eine glattverlaufende Amtsübernahme. Es gab eine Reihe von Übergabegesprächen mit Felix Schwaller, ergänzt um viele Telefonate, Nachträge seiner- und Rückfragen meinerseits.

Wie verlief die Übergabe?

Schlier: Besser kann man sich eine Übergabe nicht wünschen. Mir war es sehr wichtig, aktiv auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung zuzugehen und den Dialog zu suchen. Natürlich standen auch Abstimmungen mit den ersten Fachbereichs- und Sachgebietsleitern sowie die Festlegung der nächsten Schritte im Fokus. Darüber hinaus habe ich mich in alle großen Vorgänge eingeklinkt, etwa den Projektbesprechungen zum Schulneubau oder die Runde der Hoteliers und des Einzelhandels, die über weitere Maßnahmen während der Corona-Krise beratschlagen, aber auch in alle Angelegenheiten, die Felix Schwaller im April nicht mehr abschließend regeln konnte.

Was sind nun die ersten Schritte?

Schlier:Ein großes Augenmerk galt der Vorbereitung der konstituierenden Stadtratssitzung. Dazu zählt insbesondere die Abstimmung mit den Fraktionen und der Ausschussgemeinschaft über die neue Geschäftsordnung, die Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters oder die Bestellung der Referenten. Auch CSU-intern galt es meine Nachfolge zu regeln. Mit Markus Stigloher und Dr. Thomas Geppert sowie Thomas Höllmüller als Stellvertretern ist das Amt des Fraktionsvorsitzenden in den besten Händen.

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Welches werden Ihre ersten Amtshandlungen sein?

Schlier: Am eigentlichen ersten Arbeitstag am Montag, den 4. Mai, habe ich in der Früh alle Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung mit Stadtwerken und Aib-Kur zu einer gemeinsamen Besprechung in großer Runde eingeladen. Es geht darum, in enger Abstimmung nochmal die Schwerpunkte zu benennen, aktuelle Problemstellungen abzufragen und zügig die nächsten Schritte zu koordinieren.

Können Sie schon Schwerpunkte benennen?

Schlier:Die aktuelle Corona-Krise und die vielen Problem- und Fragestellungen, die sich jetzt für Bad Aibling stellen, fordern uns. Ich werde vom ersten Tag an Vollgas geben, damit wir bestmöglich in dieser Situation handeln und stark aus der Krise herausgehen. Im Wahlkampf wurde eine Vielzahl von Anliegen und Ideen an mich als Kandidat herangetragen. Nicht alles konnte vorab geklärt werden. Diese Liste mit Anliegen der Bad Aiblinger Bürger werde ich abarbeiten und ernst nehmen.

Gemäß Ihrem Wahlkampf-Slogan „A neis Kapitel“: Was wird als erstes „neu“ werden? Wo sehen Sie Änderungsbedarf?

Schlier:Es ist mir wichtig, die Menschen mit ins Boot zu nehmen, miteinander Ziele zu entwickeln und umzusetzen – mit Mut, Überzeugung und Selbstbewusstsein. Ich möchte als neuer Bürgermeister für Bad Aibling den Menschen eine Stimme geben! Dafür brauchen wir Strukturen, die eine Beteiligung und ein Aufgreifen von Ideen erleichtern.

Wie sieht das im Einzelnen aus?

Schlier: Das beginnt bei den Bürgerversammlungen: Ich will ergänzend zur großen Versammlung im Kurhaus auch in unsere Dörfer hinaus mit Stadtteilversammlungen, an anderen Wochentagen und Uhrzeiten, um die Teilnahme familienfreundlicher zumachen. Dazu werde ich auch die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation stärker nutzen, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Wir wollen die Stadtverwaltung zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen für die Bürger weiterentwickeln. Die Einschränkungen durch Corona werden dies bremsen, aber nicht aufhalten. „Näher am Menschen“ muss weiter die Devise sein.

Wie sieht es mit der Arbeit in den kommunalpolitischen Gremien aus?

Schlier: Zwei Ausschüsse sollen aufgewertet werden, der Werk- und der Sozialausschuss. Einmal durch mehr Sitzungen und einmal durch einige neue Kompetenzen. Beide Bereiche verdienen noch mehr Augenmerk des Stadtrates. Nicht nur der Bürgermeister ist neu, sondern auch ein Drittel des Stadtrates. Das garantiert neue Blickweisen und viel Schwung für Bad Aibling.

Übernahme in schwierigen Zeiten Sie übernehmen das Amt des Stadtoberhauptes in ungewöhnlichen Zeiten. Was geht da in Ihnen vor, welche Gedanken treiben Sie am meisten um?

Schlier:Wir haben uns 2020 alle anders vorgestellt, erst recht, weil wir unser doppeltes Jubiläum feiern wollten. Das schmerzt, aber solche Feiern lassen sich nachholen. Mit einem Ausmaß wie der Corona-Pandemie konnte allerdings niemand rechnen. Von dieser Situation sind wir ausnahmslos alle betroffen. Einige „nur“, weil sie in der privaten Lebensführung eingeschränkt sind, andere weil sie gesundheitlich oder massiv wirtschaftlich betroffen sind. Mich treiben die Sorgen und Ängste dieser direkt Betroffenen um. Wenn jemand in Kurzarbeit gehen muss oder um sein bis vor Kurzem geschlossenes Geschäft, seine Gastwirtschaft oder sein Hotel bangt, dann ist das auch die Sorge des Bürgermeisters.

Was, denken Sie, ist am wichtigsten für Bad Aibling, um diese Krise so gut wie möglich zu überstehen? Welchen Beitrag kann die Stadt leisten?

Schlier: Die Schutzmaßnahmen der Bayerischen Staatsregierung haben funktioniert. Trotzdem wird es noch ein weiter Weg zu dem Leben, welches wir gekannt haben, welches wir gewohnt waren. Mut macht: Wir haben zusammen diese erste schwierige Phase in den Griff bekommen. Möglich war das alles durch entschiedenes, ruhiges und konsequentes Handeln. Möglich aber vor allem auch, weil wir zusammengehalten haben, das Wichtige und das Richtige getan haben und aufeinander achtgegeben haben. Kirchliche und bürgerschaftliche Initiativen gingen mit ersten Maßnahmen der Kommune Hand in Hand. Diesen gemeinsamen Weg müssen Stadtverwaltung und Stadtrat weitergehen. Denn zum einen ist die Gefahr durch den Virus noch nicht ausgestanden. Zum anderen kämpfen wir bereits jetzt mit den Folgen: Wir müssen alles tun, was in unseren Möglichkeiten steht, um zu unterstützen, zu überbrücken und zu helfen, wenn es wieder losgehen kann. Die Ansätze aus dem Sofortprogramm gelten weiter als Richtschnur. Wir werden uns viel intensiver um unsere Wirtschaft kümmern müssen. Die finanziellen Spielräume der Stadt werden auf die Probe gestellt werden. Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Wo sehen Sie – abseits der Krise – den wichtigsten Handlungsbedarf?

Schlier: Priorität haben immer unsere Pflichtaufgaben. Mit dem Neubau der Grund- und Mittelschule St. Georg, neben der Therme das größte Bauprojekt der Stadt, und der Sanierung und Erweiterung der Feuerwehr Bad Aibling haben wir zwei große Projekte vor uns, die es auch in Krisen-Zeiten konsequent umzusetzen gilt.

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Welche Aufgaben stellen die größte Herausforderung dar?

Schlier: Erste und wichtigste aller Aufgaben ist die Bewältigung der Corona-Krise. Bürgermeister und Stadtrat müssen alles tun, um die Folgen abzumildern. Wir müssen zusammenhalten und ich will Bad Aibling sicher und stabil in dieser bewegten Zeit führen. Mit der Umsetzung der beiden genannten Pflichtaufgaben – Schulneubau und Feuerwehr – steht der Dreiklang der größten Herausforderungen.

Weichen für den Wohnungsbau stellen Mit der Ellmosener Wies und Harthausen Ost wurden jetzt zwei große Baugebiete ausgewiesen, an der Karl-Wagner-Straße sozialer Wohnungsbau. Sehen Sie die Stadt damit gut aufgestellt oder müssen auch jetzt schon weitere Weichen gestellt werden?

Schlier: In Bad Aibling herrscht seit Jahren eine rege Bautätigkeit. Die komplette Neuausweisung der genannten Baugebiete – beide sind erstmals dem „Aiblinger Modell“, welches für Einheimische vergünstigten Wohnraum schafft, unterworfen – gab es allerdings in der Form schon lange nicht mehr. Bautätigkeit beschränkte sich in der Regel auf Nachverdichtung. Insofern ist dies ein großer Schritt in die richtige Richtung, ergänzt um den sozialen Wohnungsbau an der Karl-Wagner-Straße, der nicht zu vernachlässigen ist. Das allein reicht aber nicht: Niemand der Hiesigen soll Bad Aibling verlassen müssen, weil kein Angebot an Wohnraum besteht. Wir wollen den Einheimischen das Bauen im Rahmen des rechtlich Möglichen insgesamt erleichtern und nicht unnötig erschweren.

Gibt es ein Thema, das Sie persönlich besonders bewegt?

Schlier: Davon gibt es viele, auf zwei Grundfrage lege ich jedoch besonderen Wert: Wie können wir Bad Aibling als modernen Gesundheits- und Wirtschaftsstandort voranbringen, ohne dass unsere Stadt ihren einmaligen und unverwechselbaren Charme verliert? Wie können wir das Bad Aibling bleiben, das uns ausmacht, und gleichzeitig beim Fortschritt an der Spitze mitmarschieren? Smart Health City und Trachtenjahrtag schließen sich Gott sei Dank nicht aus! Wie schaffen wir es, ökonomische und ökologische Fragen zusammen zu lösen. Wir brauchen beides. Dabei müssen wir offen sein, für neue Möglichkeiten.

Wie würden Sie das Bad Aibling, so wie es heute ist, in wenigen Sätzen beschreiben?

Schlier:Bad Aibling ist unsere liebens- und lebenswerte Heimat mit großer Tradition, die sich von der Kurstadt zum modernen Gesundheits- und Wirtschaftsstandort erfolgreich weiterentwickelt hat. Als ehemalige Kreisstadt und größte Gemeinde – zwischen München und Salzburg – im Landkreis Rosenheim kommt ihr auch heute eine besondere Bedeutung zu, die weit über die Stadtgrenzen reicht. Das Besondere in Bad Aibling sind dieMenschen, die diese Stadt prägen. Bad Aibling muss man einfach mögen. Interview Eva Lagler

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