Bürgermeister-Kandidatencheck in Kolbermoor – Jugendliche tragen Wünsche vor„Ein Platz, wo wir hinkönnen“

Jugendbeauftragter Christian Spazier (links) moderierte den Abend mit (von links) Michael Hörl, Stefan Reischl, Peter Kloo, Leonhard Sedlbauer und Herbert Schmid. weinzierl

„Haben Sie etwas gegen Ausländer?“ Diese Frage war die erste einer jungen Kolbermoorerin, die beim Bürgermeister-Kandidatencheck am Mittwochabend in der Pauline-Thoma-Schule gestellt wurde. Sie richtete sich an den AfD-Bürgermeisterkandidaten Herbert Schmid:

Von Ines Weinzierl

Kolbermoor – „Haben Sie etwas gegen Ausländer?“ Diese Frage war die erste einer jungen Kolbermoorerin, die beim Bürgermeister-Kandidatencheck am Mittwochabend in der Pauline-Thoma-Schule gestellt wurde. Sie richtete sich an den AfD-Bürgermeisterkandidaten Herbert Schmid: „Nein, ich habe viel mit Flüchtlingen zusammengearbeitet und Küchen für Asylheime gebaut.“ Zuvor hatten sich die Kandidaten vorgestellt: Michael Hörl (Grüne), Stefan Reischl (Parteifreie), Bürgermeister Peter Kloo (SPD), Leonhard Sedlbauer (CSU) und Herbert Schmid (AfD). Eingeladen hatte der Jugendtreff, moderiert wurde der Abend vom Jugendbeauftragten Christian Spazier. Er animierte die Jugendlichen, Wünsche zu formulieren: „Ihr könnt euch alles wünschen, gerade vor Wahlen ist das immer gut“, sagte er augenzwinkernd. Bürgermeister Kloo sagte deutlich: „Das wäre zu billig. Ich mache hier nicht den Versprech-August.“

Bauwagen

Eine Jugendliche wollte wissen, ob der Bauwagen nahe des Jugendtreffs wieder aufgestellt werden könnte. Kloo erklärte, dass der Wagen entfernt wurde, weil Jugendliche geglaubt hätten, dass es sich bei dem Wagen um einen „rechtsfreien Raum“ gehandelt habe. „Regeln wie Lärmschutz müssen eingehalten werden.“ Sedlbauer forderte die Jugendlichen auf, „es selbst auf den Weg zu bringen, schließt euch zusammen und überlegt, was möglich ist“. Schmid schlug vor, den Wagen an einem anderen Ort aufzustellen. Mehr wusste er nicht zu sagen, nur: „Es ist alles gesagt worden.“ Hörl war als Letzter an der Reihe und „findet einen Lieblingsplatz cool. Aber: Ihr müsst Verantwortung übernehmen“. Einen „Platz, wo wir hinkönnen“ wünschte sich auch eine junge Frau. Reischl sagte, dass es viele Plätze in der Stadt gebe, wie den Karl-Daniels-Platz. Sedlbauer forderte, „wenn der Wagen wieder hergerichtet wird, können wir im Gegenzug erwarten, dass sich der Lärm in Grenzen hält“. Schmid: „Ich finde die Idee gut, ihr seid nicht rabiat. Wir probieren das.“ Kloo sagte: „Ihr seht euch als Störung, und das finde ich sehr schade.“ Und: „Ihr Jugendlichen sollt die Plätze nutzen, aber ihr müsst Rücksicht nehmen.“+++

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Fußballhalle

Eine Soccerhalle oder einen überdachten Fußballplatz wünschte sich ein Jugendlicher. „Darüber reden wir schon lange, aber das ist nicht leicht zu handhaben“, sagte Kloo im Hinblick auf die Kosten, den Betrieb und Co. Obendrein verwies er auf Überlegungen, eine Halle südlich der Staatsstraße zu realisieren. Aber: Da scheitere es am Grunderwerb. „Wir wollen ja etwas Gescheites machen“, so Sedlbauer, deshalb erachte er ein Dach über einem Kunstrasen als schwierig. Er verwies auf die Soccerhalle in Bruckmühl. Schmid sagte: „Wir haben im Regen gespielt.“ Und: „Es wurde ja schon alles gesagt.“ Hörl erklärte, dass man den ÖPNV ausbauen könne, so könnte man einfacher nach Bruckmühl gelangen. Reischl schlug vor, sich einem Sportverein anzuschließen.

Mülleimer

Über zu wenig Mülleimer am Skaterplatz beklagte sich ein Jugendlicher. Er schlug vor, Behälter aufzustellen, an denen Müll getrennt werden könne. „Super“, fand Sedlbauer. Da müsse die Stadt tätog werden. An stark frequentierten Plätzen könne man auch in Erwägung ziehen, Mülleimer aufzustellen, bei denen getrennt werden könne. Von zu wenigen Mülleimern bekommt Schmid „gar nichts mit“. Aber: „Die soll man aufstellen.“ Hörl kritisierte das Müll-Management. „Damals bei uns in der Oberpfalz wurde alles getrennt und in die verschiedenen Tonnen geworfen.“ Reischl sagte, dass trennen wichtig sei und er oft beobachte, dass die städtischen Mitarbeiter bei der Leerung der Mülleimer, schon eine Trennung vornehmen. Kloo erklärte, dass im Landkreis Rosenheim pro Bürger weniger Müll entstehe, als in anderen Landkreisen. „Wenn Tonnen fehlen, kann man das korrigieren.“

Skaterplatz

Ein Jugendlicher wünschte sich die Erweiterung des Skaterplatzes, zum Beispiel mit einer Halfpipe. Kostenpunkt laut Spazier: 20 0000 Euro. Hörl sagte, dass soetwas machbar wäre, aber „das Geld nicht locker sitze“. Kloo erklärte, dass es schon in der Vergangenheit viele Diskussion um eine Halfpipe gegeben habe. Aber: „Damals gab es keine wegen der Lärmentwicklung“. Und: „Das Rathaus steht für euch immer offen. Solche Anschaffungen sind nicht immer eine Frage des Geldes, sondern oft auch des Miteinanders.“ Sedlbauer meinte, dass man den Lärm in den Griff bekommen könne.

Licht an Radwegen

Im Dunkeln sei es auf den Radwegen Richtung Rosenheim dunkel, kritisierte ein Jugendlicher. Sedlbauer erklärte, dass angedacht sei, den Weg zu beleuchten. Schmid „kennt das Problem gar nicht“ und Hörl sagte, dass hinsichtlich des Radverkehrskonzeptes die Beleuchtung eh beschlossen sei, dem schloss sich auch Reischl an. Kloo sagte, dass das „Radkonzept aufgezeigt habe, dass es viele dunkle Ecken gebe. Er erklärte, dass auch wegen der Beleuchtung Grundstücke benötigt werden und man das Einverständnis des Eigentümers brauche. Aber: Er habe sich über tolle Solarlampen – ohne aufwenigen Kabelbau – informiert. 

Wohnungsnot

Über die Mieten machte sich eine Jugendliche Sorgen. Schmids Statement: „Wir müssen viel, viel mehr für Einheimische machen.“ Hörl erklärte, dass man nachverdichten und höher bauen müsse, schließlich sei die Fläche begrenzt.

Das bestätigte auch Kloo und verwies auf „immens viel Wohnraum, der leersteht“: Viele ältere Menschen leben alleine in großen Häusern, da die Kinder ausgezogen sind. „Ein Einfamilienhaus –  eine Familie, soviel Fläche haben wir künftig nicht.“ Kloo verwies aber auch auf rund 300 Wohnungen, die jetzt auf dem Conradtygelände entstehen – darunter 40 bis 50 Sozialwohnungen. Sedlbauer schlug ein „Einheimischen-Modell“ vor.

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