Bürger sollen an „Bad Aibling der Zukunft“ aktiv mitbauen

Projektstart in Bad Aibling: Bei einem Rundgang – hier am Kurpark – machten sich Mitglieder der ARGE „Baukultur konkret“ zusammen mit Vertretern der Stadt ein Bild von den Örtlichkeiten. Gemeinsam mit Experten und Bürgern will man die dynamische Entwicklung der Stadt auch beim Thema Bauen eingehend unter die Lupe nehmen.
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Projektstart in Bad Aibling: Bei einem Rundgang – hier am Kurpark – machten sich Mitglieder der ARGE „Baukultur konkret“ zusammen mit Vertretern der Stadt ein Bild von den Örtlichkeiten. Gemeinsam mit Experten und Bürgern will man die dynamische Entwicklung der Stadt auch beim Thema Bauen eingehend unter die Lupe nehmen.

Wie soll sich Bad Aibling baulich entwickeln? In dieser Frage will die Stadt die Bürger künftig noch stärker miteinbinden. Was sich hinter dem dazu gestarteten Projekt „Baukulturregion Alpenvorland“ verbirgt, erläutern Bürgermeister, Stadtbaumeister und der Baukulturberater.

Von Eva Lagler

Bad Aibling– Wie kann und will sich Bad Aibling baulich in der Zukunft entwickeln? Wie gelingt es, dabei aufgeschlossen für Modernes zu sein, ohne sein typisches Flair zu verlieren? Und vor allem: Wie kann man die Bürger bestmöglich mit ins Boot holen und an dieser Entwicklung beteiligen? Dazu hat sich die Stadt durch ihre Teilnahme am Projekt „Baukulturregion Alpenvorland“ jetzt fachliche Beratung ins Boot geholt.

„Der starke Zuzug nach Bad Aibling und die damit verbundenen Herausforderungen, beispielsweise die Verkehrsprobleme, machen es notwendig, die Entwicklungsziele der Stadt zu überprüfen. Das Projekt Baukulturregion Alpenvorland ist dafür ein willkommener Türöffner“, sagt Bürgermeister Stephan Schlier.

Bauen unterliegt ständigem Wandel

„Das Bauen und die Gestaltung von Bauwerken unterliegen einem ständigen Wandel. Neues zulassen und dabei die Bautradition nicht über Bord zu werfen, ist die Herausforderung“, bekräftigt Stadtbaumeister Andreas Krämer. Er erklärte zum Projektstart die aktuellen und kommenden Bauaufgaben bei einem Ortsrundgang, bei dem sich drei Teammitglieder der betreuenden deutsch-österreichischen ARGE „Baukultur konkret“ persönlich ein Bild von Bad Aibling machten.

Eine andere Welt in den Dörfern

Bürgermeister Schlier war es dabei wichtig, den Fokus auf die verschiedenen Gesichter der Stadt zu legen. „Die Innenstadt mit ihren markanten Stellen wie Kirchzeile, Bahnhof, Ludwigsbad-Areal oder Kellerberg ist eine ganz andere Welt, als die in unseren Dörfern mit ihrem ländlichen Charakter. Das muss man sehr differenziert betrachten bei den Überlegungen, wo man in Sachen Baukultur noch mehr Identität entwickeln kann und will, beziehungsweise, wo man die Identität stärken möchte.“

Ihm ist klar: Die Probleme, die man an neuralgischen Stellen wie dem Kellerberg hat (zähe Entwicklung, der Investor für den denkmalgeschützten Bereich ist für die Stadt nicht greifbar), lassen sich auch durch dieses Projekt nicht lösen. „Was ich mir aber vor allem erhoffe, sind Anregungen und kreative Ideen, wie wir unsere Bürger mitnehmen können.“ Denn hier will man aus der Vergangenheit lernen.

Schlier denkt dabei an das Lichtspielhaus-Projekt in der Stadtmitte: „Das ist hierfür ein Paradebeispiel. In meinen Augen wurde alles mustergültig angegangen und trotzdem ist es nicht gelungen, den Bürger mitzunehmen.“

Auch Josef Mathis vom Verein „Landluft“ – er ist Gebietsbetreuer für Bad Aibling – betont: „Die Einbindung der Bürger ist das Gebot der Stunde und wir haben bei anderen Projekten sehr gute Erfahrungen damit gemacht.“ Gedacht sei unter anderen an gemeinsame Workshops oder Ideenwerkstätten mit Bürgern sowie Klausuren für Stadträte.

Die Stadt aus einem anderen Blickwinkel betrachten

„Gutes Bauen entsteht in einem Prozess“, betont Mathis. Dabei gehe es darum, Formate auszuprobieren, zu erkennen, an welchen Schrauben man drehen kann oder gute Beispiele aus der Region zu suchen. Auch eine Zusammenarbeit mit Universitäten könne viel Aufschluss geben, etwa wenn man Professoren und Studenten einlädt, die sich mit dem Thema Ortskerngestaltung befassen, mit Anwohnern reden und die Stadt aus einem anderen Blickwinkel betrachten. „Da kommen Dinge zutage, an die man gar nicht gedacht hat“, weiß er aus Erfahrung.

Vier weitere Landkreiskommunen mit an Bord

Das Projekt wolle das baukulturelle Verständnis in den teilnehmenden Kommunen (im Landkreis Rosenheim sind dies noch Bad Feilnbach, Neubeuern, Samerberg und Kiefersfelden) unterstützen. Dazu gehörten verschiedene Komponenten – von Verkehr und Mobilität über Wirtschaft und Umwelt bis hin zu sozialen Fragen: „Man muss das alles im Gesamten betrachten.“

Erste Projektbausteine werden erarbeitet

Gwendolin Dettweiler, Ansprechpartnerin in der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mangfalltal/Inntal, hat wesentlichen Anteil daran, dass das Projekt aus europäischen LEADER-Mitteln gefördert wird. „Ich bin überzeugt, dass Gemeinden und Landkreise gleichermaßen von der Projektarbeit profitieren werden“, sagte Dettweiler.

Im Herbst sollen die ersten Projektbausteine umgesetzt werden. Welche das genau sind, wird derzeit erarbeitet. Interessierte Bad Aiblinger Bürger sind eingeladen, ihre Ideen zum Thema Bauen einzubringen oder sich an dem bis Ende 2022 dauernden Projekt zu beteiligen.

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