Bürger können Tempo 30 fordern

Arbeitskreis Verkehr-Sprecher Theobald Schneider.
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Arbeitskreis Verkehr-Sprecher Theobald Schneider.

Feldkirchen-Westerham – In einer groß angelegten Unterschriftenaktion stimmten die Vagener im Dezember mehrheitlich für Tempo 30 – allerdings konnte keine Einigung gefunden werden.

So musste jetzt der Gemeinderat ran. In einer Sondersitzung wurde jetzt mit 22:1 Stimmen entschieden, dass alle Haupt- und Ortsverbindungsstraßen in einem innerörtlichen Tempo-50-Bedarfsnetz erfasst werden sollen. Heißt: Dass dort Tempo 50 gefahren wird. Alle übrigen Straßen in Wohngebieten sollen künftig als Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden: „Dann können die Bewohner vor Ort entscheiden, ob sie Tempo 30 in den Wohnbereichen möchten“, sagt Bürgermeister Hans Schaberl. Obendrein sollen „schützenswerte Bereiche, wie Kindergärten und Schule“ mit Tempo 30 mit Vorfahrtsberechtigung ausgelegt werden. Wie Theobald Schneider, Sprecher vom AK Verkehr – Agenda 21 Feldkirchen-Westerham, den Ausgang beurteilt, verrät er im Mangfall-Boten.

Herr Schneider, wie beurteilen Sie als AK-Sprecher den Beschluss des Gemeinderates?

Grundsätzlich positiv. Der Gemeinderat hat sich für die von der Agenda 21 vorgeschlagene Logik der Verkehrsberuhigung in Sachen Geschwindigkeitsregelung entschieden. Jenseits eines als dringlich eingestuften Tempo-50-Netzes kann bei Wunsch der Ortsteilbevölkerung Tempo 30 eingeführt werden. Mühevolle Diskussionen um viele einzelne Straßen kann man sich zukünftig sparen.

Was ist neu?

An schützenswerten Abschnitten wie beispielsweise Heimen und Kirchen ist es nun Ziel der Kommune, Tempo 30, mit Vorfahrtsberechtigung, auch zum Beispiel auf Kreisstraßen aktiv anzustreben. Mit Unterstützung unter anderem durch den Elternbeirat des „Ki-West“.

Wo sehen Sie in der Gemeinde den dringendsten Handlungsbedarf was Tempo 30 betrifft? Prioritätenliste?

Das wollen wir im nächsten AK Verkehr am 2. April besprechen. Ich könnte mir vorstellen, dass man für Vagen, wo der Gemeinderat mehrheitlich noch einen gewissen Tempo-50-Bedarf sieht, auch rasch zu einem Beschluss kommen möchte. Hier, wie in den bereits dokumentierten Tempo-30-Beschlussgebieten, beispielsweise in Teilen Feldkirchens oder in Aschbach/Altenburg/Reit, könnten dann bald Nägel mit Köpfen gemacht werden. Sofern die Anwohner solcher Ortsteile nicht mehrheitlich dagegen sind, was nicht häufig der Fall sein dürfte.

Die Umsetzbarkeit liegt ja nicht nur in der Hand der Gemeinde und nicht in der ganzen Kommune kann Tempo 30 umgesetzt werden. Wie ist Ihr Ansatz?

Wichtig ist, ein begründetes und möglichst umfassendes Konzept zu haben. Die Kommune Bad Aibling konnte damit sogar auf der Dorfstraße durch Willing Tempo 30 einführen. Auch wenn damit der Aiblinger oder die Göttingerin, die mit dem Auto nach Berbling fahren, zugunsten der in Willing Wohnenden ein paar Sekunden mehr investieren müssen. Radelnde sind genauso schnell und haben sogar innerorts mehr Sicherheit, wenn die Pkws nur 30 fahren.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Kommune Feldkirchen-Westerham?

Die Verwaltung hatte in den letzten Jahren viele Projekte zu bewältigen, sodass die Umsetzung der Gemeinderatsbeschlüsse zur Verkehrsberuhigung 2011,2014 und 2016 (Lärmaktionsplan) bisher auch aus Kapazitätsmangel schwierig war. Bürgermeister Hans Schaberl hat aber selber schon im AK Verkehr mitgewirkt und räumt der Verkehrsberuhigung und weiteren Agenda-21-Themen nun höhere Priorität ein.

Was raten Sie den Ortsteilen?

Sich mal für die guten Erfahrungen mit Verkehrsberuhigung in anderen Kommunen zu informieren. Und dann die neuen Chancen hierfür in unserer Gemeinde unterstützen, zum Beispiel in den Ortsräten oder bei der lokalen Agenda 21.

Interview: Ines Weinzierl

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