Autorin aus der Region hat es geschrieben

Bad Aiblinger Grundschüler bekommen für Geschichtsunterricht ein „maßangefertigtes“ Buch

Sie ist da: die Broschüre „Unser Aibling“. Autorin Martina Mayer, ihre Großnichte Luna Hohmann, die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei Heidi Benda und Bürgermeister Stephan Schlier (von links) präsentieren das Werk. Das Bild entstand noch vor dem harten Lockdown.  re
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Sie ist da: die Broschüre „Unser Aibling“. Autorin Martina Mayer, ihre Großnichte Luna Hohmann, die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei Heidi Benda und Bürgermeister Stephan Schlier (von links) präsentieren das Werk. Das Bild entstand noch vor dem harten Lockdown. re

Geschichtliches muss nicht trocken und langweilig sein. Mit ihrem Buchprojekt „Unser Aibling“ nimmt Autorin Martina Mayer Grundschüler mit auf die Reise in die Vergangenheit ihrer Heimatstadt – tatkräftig unterstützt von einem kleine Moorgeistchen.

Von Eva Lagler und Martina Mayer

Bad Aibling – Gab es wirklich einmal ein Feuer speienden Dampfross im Bad des Prinzregenten? Was ist Moor eigentlich und warum ist es so wichtig für Bad Aibling? Und wie kommt das Moorgeistchen ins Klassenzimmer in der Luitpoldschule? Viele Fragen. Beantwortet werden sie in der neuen Broschüre „Unser Aibling“, in dem Martina Mayer spannende Ereignisse aus der Geschichte Bad Aiblings für Kinder erzählt. Den Rahmen dafür bilden Unterrichtsstunden in der Luitpoldschule.

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Als die Dampflok das Modernste war

Im Kapitel „Das feuerspeiende Dampfross“ etwa erklärt Martina Mayer, dass es das sonderbare Ungeheuer im Bad des Prinzregenten tatsächlich gegeben habe. Heute kenne jeder die blau-gelben Meridian-Züge, die Reisende von München nach Bad Aibling und umgekehrt bringen. Doch früher – genauer gesagt ab 1857 – hatte diese Aufgabe die Eisenbahn mit ihrer schnaubenden Dampflok, das modernste Transportmittel der damaligen Zeit.

Vergangenheit und Gegenwart verknüpft

Auf der Reise so weit zurück in die Vergangenheit schlägt die Autorin aber den Bogen zunächst zum Jahr 2016 und zu dem tragischen Zugunglück in Bad Aibling. Sie lässt den Schüler Max erzählen, wie stark sich die Ereignisse von jenem 9. Februar, bei dem sein Patenonkel ums Leben kam, bis heute auf seine Familie auswirken. Auch Klassenkameraden berichten von dem, was sie über dieses Thema wissen. Und so nähern sich alle nach und nach der Geschichte der Eisenbahn in ihrer Stadt.

Ein Blick ins Innere der Broschüre, die Martina Mayer und ihre Großnichte Luna liebevoll illustriert haben.

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Das verbindende Glied in den Erzählungen bildet das Moorgeistchen, das sich auf abenteuerliche Weise plötzlich im Klassenzimmer der 4b offenbart und die Kinder zusammen mit deren Lehrerin „Frau Steiner“ mit in die vergangenen Zeiten nimmt. So schildert das Moorgeistchen, wie ein gewisser Dr. Desiderius Beck einst vergnügt und wissenschaftlich interessiert in den Moorbadewannen seines Freundes Dr. Gschwendner plantschte, dessen krankem Knie es schon besser ging. Die Herren beschlossen, den Ort zu einem Moorbadeort zu machen. Geeignetes und gesundes Moor gab es ja in der Umgebung genug.

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Das kleine schwebende Wesen erhält aber seinerseits auch Einblicke in das Alltagsleben der Schüler und ihrer Lehrerin. Alle hören, wie ihre Schule zum Namen Luitpoldschule gekommen ist, und was der freundliche alte Herr aus dem bayerischen Königshaus für das Land und besonders für Aibling getan hat. Prinzregent Luitpold kam nämlich sehr gern zum Moorbaden her, weil es ihm hier gefiel und die Bäder seiner Gesundheit wohl taten. Er verlieh der Gemeinde den Titel „Bad“, auf den man auch heute noch stolz ist. Das hatte zur Folge, dass mit der Eisenbahn viele Gäste kamen, die Wohlstand und Arbeit für die Bewohner mit sich brachten.

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Den Titel Stadt trägt Bad Aibling erst seit 1933. Doch bis dahin gab es nicht nur Erfreuliches. Zwei fürchterliche Weltkriege bedeuteten unzählige Tränen, Unglück und Sorgen. Doch das Leben ging weiter.

Wie fleißig und ideenreich die Bürger die moderne Kurstadt, in der sie heute leben, entwickelten, lässt die Lehrerin ihre Schüler in einem gemeinsamen Projekt erarbeiten, das ein vielfältiges und buntes Bild ihres Wohnorts zeigt.

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Die Geschichte Bad Aiblings für Schulkinder zu erzählen, war schon lange eine Idee der Autorin. Als ehemalige Geschichtslehrerin weiß sie noch, wie trocken und langweilig der Geschichtsunterricht sein kann. Die Schüler sollen sich, so ihr Wunsch, mit ihrer Heimatstadt identifizieren und Orte, Erfahrungen und Ereignisse wiedererkennen können.

Gemeinsam gemalt und gezeichnet

Die großen und kleinen Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit ihrer Großnichte Luna und lockern den umfangreichen Text auf. Das Zeichnen und Malen hat beiden Illustratorinnen viel Spaß gemacht.

Ermöglicht haben das Buchprojekt die Stadt Bad Aibling und der Förderverein der Stadtbücherei. Jeder Schüler der vierten Klassen in der Stadt erhält die Broschüre, an deren Ende auch ein Rätsel steht, als Geschenk. Martina Mayer hofft, dass es vielen Mädchen und Buben als Ergänzung zum Heimat- und Sachunterricht Freude machen wird. Für alle anderen Interessierten ist das Heft ab Mitte Januar im Rathaus in der Stadtbücherei zum Preis von fünf Euro erhältlich oder kann ausgeliehen werden. Sobald die Bücherei wieder geöffnet hat, kann auch die kleine Ausstellung mit den Bildern von Martina Mayer besichtigt werden.

Das sagt die Autorin

„Oft wird die Geschichte eines Ortes so geschrieben, dass sie nur für Erwachsene interessant und lesbar ist. Sie könnte aber auch für Kinder unterhaltsam und spannend sein“, sagt Martina Mayer. Die frühere Geschichtslehrerin hatte sich schon länger mit dem Gedanken befasst, in einem Buch für Schulkinder zu erzählen, wie sich ihre Heimatstadt entwickelt hat. Geplant war dieses für 2020 – das Jahr, in dem nicht nur die Stadt Bad Aibling ihr Doppeljubiläum hatte, sondern auch die Luitpoldschule 120 Jahre wurde. „Deshalb hat mir die Idee, die Rahmengeschichte dort spielen zu lassen, einfach gut gefallen“, sagt Martina Mayer.

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