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Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter: So geht es mit dem Rathausneubau weiter

Bürgermeister Richard Richter.
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Bürgermeister Richard Richter.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Wie soll es mit dem Bruckmühler Rathaus weitergehen? In einer Klausurtagung beschäftigte sich der Marktgemeinderat jetzt in einem ganz besonderen Brainstorming über zehn Stunden intensiv mit diesem Thema. Wie tiefgründig sich die Räte in Arbeitsgruppen mit einer Bandbreite an Fragen beschäftigten, erklärt Bürgermeister Richard Richter im Interview.

Gibt es nach der Klausurtagung eine Entscheidung, wie es mit dem Rathaus weitergeht?

Richard Richter: Nein, diese werden wir voraussichtlich im September treffen. Wir haben uns als Voraussetzung für eine solche Entscheidung sehr intensiv mit einer Bandbreite an Themen beschäftigt, die dem Ziel einer Baukostenreduzierung dienen sollen. Beispielsweise ging es um Standortfragen. Muss unser Rathaus im Zentrum der Gemeinde oder des Ortes Bruckmühl liegen? Welche Entwicklungspotenziale sollte das Umfeld bieten? Brauchen wir Komplementärangebote?

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Auch das alte Rathaus wird nach wie vor als guter Verwaltungsstandort angesehen.

Dabei kristallisierte sich heraus, dass der alte Standort für gut befunden wird. Vorstellen könnten sich manche aber auch ein Rathaus auf dem Gemeindegrundstück am Bahnhofsparkplatz in unmittelbarer Nähe des künftigen Bürgerhauses. Dies war 2019 schon einmal Thema im Gremium – aufgrund eines Antrages der Marktgemeinderäte Georg Pritzl und Stefan Mager. Näher wurde es damals nicht untersucht, da anzunehmen ist, dass sich auf dem Gelände Altlasten im Untergrund befinden und dies zu höheren Baukosten führen würde. Der Erwerb fremder Grundstücke wurde in den Beratungen eher ausgeschlossen.

Der Parkplatz am Bahnhof rückt in den Fokus der Marktgemeinderäte. Würde hier ein Rathaus gebaut, könnte mit dem neuen Bürgerhaus (rechts im Bild) ein neues Kultur- und Verwaltungszentrum für die Bruckmühler Bürger entstehen.

Stand im Workshop die Größe des Rathauses noch einmal zur Debatte?

Richard Richter: Die Frage, ob wir einen Sitzungssaal und einen Raum für Trauungen im Rathaus brauchen, wurde diskutiert. Dafür könnte man alternativ auch das Bürgerhaus oder andere repräsentative Räume der Gemeinde nutzen. Auch das Erfordernis großer Warteräume wurde mit den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie neu betrachtet. Dass sich mit Homeoffice, Online-Beratungen, der Vergabe von Gesprächsterminen und einem erweiterten Online-Service der Verwaltung in Zukunft die Zahl der vorzuhaltenden Arbeitsplätze reduzieren wird, ist eher unwahrscheinlich.

Vielmehr gehen wir aus der Erfahrung der vergangenen Jahre und dem perspektivischen weiteren Wachstum unserer Marktgemeinde davon aus, dass sich die Aufgaben der Verwaltung mehren werden. Am Raumbedarf der Verwaltung können wir also nicht wirklich sparen. Worüber wir entscheiden können, ist die Frage, ob wir ein rein funktionales Rathaus wollen und uns möglicherweise auch mit mehreren Verwaltungssitzen anfreunden könnten.

Wie soll das Rathaus der Zukunft aussehen?

Richard Richter: Natürlich haben wir uns im Workshop auch mit den Entwürfen der Architekten beschäftigt – sowohl mit denen des Büros Gerstmair und Inic, als auch mit denen der Gössel und Kluge Architekten. Beide haben jedoch nicht mehr die größten Chancen auf Realisierung, weil sie den Wunsch des Marktgemeinderates nach einer Symbiose aus Gewohntem und Moderne nicht umsetzen. Wir möchten weder einen Prunkbau als Prestigeobjekt noch ein unscheinbares Gebäude.

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Wenn der Bürger mehrere Stufen erklimmen muss, um in sein Rathaus zu kommen, ist das für mich das falsche Signal, denn die Verwaltung ist nicht die Obrigkeit, sondern sie dient dem Bürger. Wir möchten ein Rathaus mit einer Gebäudesprache, die Bürgernähe vermittelt. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden. Unverrückbar ist: Sie muss besser und preiswerter sein. Preiswerter wird das Projekt aber nur, wenn wir den Raumbedarf senken. Wir tun also gut daran, uns ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Hätte das alles nicht schon vor Jahren geklärt werden müssen, als das Rathaus zu klein wurde?

Richard Richter: Wer sagt, dass wir damals nicht auch schon über all diese Themen gesprochen haben? Vor circa sieben Jahren wollten wir noch am alten Standort festhalten und dachten, dass eine Sanierung des alten Rathauses mit Anbau die ideale Lösung wäre. Nun haben wir Entwurfsplanungen, die der Marktgemeinderat nicht mittragen kann, und die den finanziellen Rahmen sprengen, den wir verantworten können. Hinzu kommen sich dynamisch und rasant ändernde Rahmenbedingungen. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, noch einmal neu nachzudenken.

Steht der Marktgemeinderat nicht unter enormem Zeitdruck?

Richard Richter: Nein, wir haben von unserem Vermieter das Signal erhalten, dass er nach Möglichkeiten sucht, damit wir das Übergangsdomizil in der alten Wolldeckenfabrik auch über Dezember 2023 hinaus nutzen können. Außerdem ist der Tenor des Marktgemeinderates eindeutig: Wir wollen nichts übers Knie brechen, sondern das Thema ausdiskutieren.

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Deshalb wurde in der Klausurtagung auch intensiv und engagiert gearbeitet. Die Dynamik und Arbeitsdisziplin über zehn Stunden waren beeindruckend. In vier fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppen mit Verstärkung aus der Verwaltung wurden die Themen ausführlich diskutiert und die Ergebnisse dokumentiert. Ihre Quintessenz vermittelt uns ein genaues Bild, auf dessen Grundlage wir Beschlussvorschläge vorbereiten können. Ich denke, dass wir uns im September über Ausschluss-Entscheidungen einem Ergebnis nähern werden.

Mit dem Stopp des Rathausumbaus wurden auch die Verträge mit den Planern gekündigt. Ist das rechtens?

Richard Richter: Nach unserem Rechtsverständnis ist es das, denn wir hatten im VGV-Verfahren eine stufenweise Beauftragung ausgeschrieben. Der Auftrag umfasste nur die Leistungsphasen drei und vier.

Im Marktgemeinderat warnte der Architekt, dass sich das Projekt weiter verteuert, wenn es gestoppt wird. Haben Sie keine Sorge, dass so Steuergelder verschwendet werden?

Richard Richter: Diese Sorgen müssten wir uns machen, wenn wir das Projekt nach der Devise „Augen zu und durch“ für mehr als 20 Millionen Euro durchgewinkt hätten. Deshalb haben wir an dem Punkt, an dem wir noch eingreifen und stoppen konnten, also am Ende der Leistungsphase drei, auch diese Entscheidung getroffen.

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