Bruckmühler Tafel: Hilfe für 320 Menschen neu organisiert

Auch sie müssen geschützt werden:Trotzdem geben die Tafel-Mitarbeiter am 2. April in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham noch einmal Lebensmittel an Bedürftige aus. Möglich wird das durch eine Welle an Hilfsbereitschaft, die am Wochenende in Bruckmühl angerollt ist. Baumann

Die Meldungen überschlagen sich täglich. Am Donnerstag stand die Tafel noch vor dem Aus. Jetzt macht es die Hilfsbereitschaft der Bruckmühler möglich, dass vor Ostern noch einmal Lebensmittel ausgeteilt werden können. Lebenswichtige Hilfen für 320 Menschen in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham.

Von Johann Baumann

Bruckmühl – Am Donnerstag hieß es noch, dass es bei der Bruckmühler Tafel ein letztes Mal Lebensmittel gibt. Die Hilfsorganisation kapitulierte. Vor dem Corona-Virus, vor allem aber vor den Hamsterkäufern. „Wegen der vielen Panikkäufe bekommen wir derzeit von den Supermärkten keine Lebensmittel mehr“, beklagte Tafel-Chefin Christine Stieber.

Quellen versiegen

Normalerweise sammeln rund 60 ehrenamtliche Helfer die Lebensmittel ein, die von ortsansässigen Firmen gespendet werden und verteilen diese an sozial schwache Bürger. Diese Quellen waren plötzlich versiegt.

Hilfsbereitschaft trotz eigener Probleme

Dafür taten sich noch kurz vor dem „Schlussverkauf“ ganz neue Quellen auf. Da auch die IHK-Akademie Westerham ihr Tagungshotel schließen musste, wurden die restlichen Lebensmittel der Tafel gespendet – immerhin ein ganzer Anhänger voll. „Die Corona-Krise hat auch uns fest im Griff“, sagt Hotelleiter Jan Ströter.

Westerhamer IHK-Akademie schließt

Die Lage ist ernst: „Wir mussten das Haus schließen und damit bis zum Ende der Osterferien auf mehr als 2500 Übernachtungen verzichten. Wir versuchen trotzdem, das gesamte Team zu halten“,erklärt Ströter und betont: „Es war uns wichtig, trotz der eigenen Schwierigkeiten solidarisch zu sein und die bereits gekauften frischen Lebensmittel Menschen in Not zur Verfügung zu stellen.“

Schlussverkauf im Freien

Der vorläufige „Schlussverkauf“ fand aus Sicherheitsgründen im Freien statt. Am Donnerstag deckten sich die Bedürftigen ein vorläufig letztes Mal mit Waren wie Brot, Eiern, Nudeln, Joghurt, abgepackter Wurst und Radieschen ein. Dazu gab es noch einen Einkaufsgutschein über zehn Euro des Bruckmühler Edeka-Marktes.

Die Tafel bedeutet auch Zuwendung

Die Tafel versorgte bisher jeden Donnerstag an den Ausgabestellen in Bruckmühl und Feldkirchen circa 320 Bedürftige – darunter auch viele Kinder. Neben Lebensmitteln erhielten die Bedürftigen oft auch Gutscheine und vor allem eines: persönliche Zuwendung durch Gespräche.

Hilfe für die Ärmsten

Die Tafel Bruckmühl unterstützt Menschen, die nur eine kleine Rente bekommen, Arbeitslosengeld oder Hartz IV beziehen, nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen oder eine Grundsicherung erhalten.

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„Wir können derzeit überhaupt keine Prognose abgeben, wann wir unsere beiden Ausgabestellen wieder regulär öffnen können“, bedauert Christine Stieber und ergänzt: „Sobald dies möglich ist, geben wir den Termin bekannt.“

Bedürftige sehr besorgt

Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerten Tafel-Kunden zwar Verständnis für die Schließung, waren aber auch von großen Sorgen geplagt. „Jetzt bin ich auf Sonderangebote in den Supermärkten angewiesen“, erklärte eine 45-jährige Mutter.

Ein 74-jähriger Rentner bekannte: „Dass es die Tafel vorerst nicht mehr gibt, trifft mich sehr.“ Jetzt müsse er versuchen, überall das Billigste einzukaufen.

Harte Entscheidung, aber unumgänglich

„Für diejenigen, die nur mit Hilfe der Tafel über die Runden kommen, ist die Schließung sehr, sehr hart“, bedauert die Leiterin. Neben den versiegenden Lebensmitteln sei aber auch das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus für Kunden und Helferkreis zu groß. Zudem seien viele der Ehrenamtlichen über 60 Jahre alt und dadurch besonders gefährdet.

Kurzfristige Kehrtwende

Seit Sonntag gibt es eine – wenngleich vorerst nur kurzfristige – Kehrtwende. „Bei uns sind unzählige Anrufe von Bürgern eingegangen, die uns verschiedenste Hilfen für den Weiterbetrieb angeboten haben“, berichtet Tafelleiterin Stieber unserer Zeitung: „Ich bin geradezu überwältigt von dieser großen Hilfsbereitschaft.“

Lebensmittalabgabe in dieser Woche

Sie hat sich daher entschlossen, zumindest vor Ostern noch eine Ausgabe durchzuführen. Die hilfsbereiten Bürger werden gebeten, an einem der nachstehenden Termine haltbare Lebensmittel, Gutscheine oder Geldspenden in den Ausgabestellen in Bruckmühl, Am Eichpold 10 oder in Feldkirchen, Münchener Straße 8, Altes Postamt Rückeingang abzugeben: Mittwoch, 25. März, von 13 bis 14 Uhr, Freitag, 27. März, von 15 bis 17 Uhr und Mittwoch, 1. April, von 13 bis 14 Uhr.

Ostergeschenke gibt es am 2. April

Die Ausgabe in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham erfolgt dann am Donnerstag, 2. April, zu den üblichen Öffnungszeiten. „Wir bedanken uns schon jetzt im Namen der sozialschwachen Menschen für die großartige Unterstützung“, erklärt die Tafel-Chefin.

Für den Fall, dass in naher Zukunft wieder ausreichend Lebensmittel vorhanden sind, soll der Tafelbetrieb bis auf Weiteres fortgesetzt werden. Die jeweiligen Annahme- und Ausgabetermine werden im Mangfallboten rechtzeitig bekannt gegeben.

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