Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Paukenschlag in Sondersitzung

Gemeinderat stoppt Planungen: Kostenexplosion bei Rathausneubau in Brückmühl

Diese Vision vom neuen Bruckmühler Rathaus überzeugte die Marktgemeinderäte nicht so stark, dass sie dafür 19,2 Millionen Euro ausgeben wollen.
+
Diese Vision vom neuen Bruckmühler Rathaus überzeugte die Marktgemeinderäte nicht so stark, dass sie dafür 19,2 Millionen Euro ausgeben wollen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Mit einem Paukenschlag endete die Sondersitzung des Bruckmühler Marktgemeinderates. Nach einer fast vierstündigen Projektpräsentation und Diskussion stimmte das Gremium mit 22:1 Stimmen dafür, die Planungen für einen Rathaus-Neubau vorerst zu unterbrechen.

Bruckmühl – Noch vor der Sommerpause – voraussichtlich im Juli – wird sich der Marktgemeinderat in einer nichtöffentlichen Klausurtagung erneut mit dem Rathaus beschäftigen. Ein Blick zurück: Im November 2019 hatte sich der Marktgemeinderat Bruckmühlmit einem 21:1-Votum für die 15,9 Millionen Euro teure Investition für ein umgebautes Rathaus entschieden.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten

Später wurden Stimmen laut, die die Architektur kritisierten. Unter anderem war vom Erscheinungsbild eines „Kreiswehrersatzamtes“ die Rede. Im Frühjahr 2020 trennte sich die Marktgemeinde im gegenseitigen Einvernehmen vom Architekten. Beendet waren zu diesem Zeitpunkt die Leistungsphasen (LP) eins und zwei, begonnen die LP drei des Bauvorhabens.

Im Rahmen eines Vergabeverfahren bewarben sich danach sechs Architekturbüros um den Auftrag. Den Zuschlag erhielt im September 2020 die gk Gössel + Kluge Generalplaner GmbH aus Stuttgart. Der Auftrag war es, in der LP 3 einzusetzen sowie auf den Entwürfen und Ergebnissen des Vorbüros (LP 1 und 2) aufbauend einen neuen Entwurf zu schaffen, mit dem das Raumkonzept der Verwaltung umgesetzt werden kann.

Lesen Sie auch: Bruckmühler Schwimmbadgelände wird nach der Saison mit Humusschicht abgedeckt

Im Januar 2021 bekräftige der Rat seinen Wunsch nach einer Verschmelzung von Alt- und Neubau, nach einer aufgelockerten Fassade, einem Walmdach und Barrierfreiheit. Zudem wurde die Bitte geäußert, die Pläne in 3-D zu visualisieren.

Nun stellten die Architekten die aktualisierten Pläne vor. Damit verbunden waren Kostensteigerungen von 15,12 Millionen Euro im Januar auf 19,25 Millionen Euro im Mai. Architekt Ingolf Gössel begründete das unter anderem mit dem 30-prozentigen Anstieg der von der Haustechnik nachgebesserten Kosten.

Zudem seien bei der Prüfung der örtlichen Gegebenheiten zahlreiche Mängel aufgedeckt worden, die vom Vorbüro nicht erkannt worden seien. Dazu zählen unter anderem das tatsächliche Gewicht der Decken, eine unumgängliche statische Ertüchtigung von Fundamenten, Stützen und Unterzügen, die Umsetzung von Brandschutzauflagen, der Austausch nicht mehr zulässiger Treppen, die Gestaltung der Außenanlagen, die Anpassung der Entwässerungsführung oder die erforderliche Umfahrung des Gebäudes und der dazugehörige Straßenbau.

19,22 Millionen Euro sind einfach zu viel

Unterm Strich wäre nun eine Investition von 19,25 Millionen Euro erforderlich. Für die entstandenen Mehrkosten ist zwar nicht das gk-Architekturbüro verantwortlich. Trotzdem saß der Schock im Marktgemeinderat tief. Hinzu kam die Befürchtung, dass die coronabedingte Verteuerung am Bau weitere Preissteigerungen verursachen könnte. Und obwohl auf dem neuen Plan ein sprichwörtliches „all inclusive“ stand, befürchteten die Räte weitere „böse Überraschungen“.

Hinzu kam die Frage von Bürgermeister Richard Richter, „ob wir für dieses Produkt diesen Preis zahlen wollen“. Und auch diesbezüglich zogen sich Zweifel durch den Rat: Das Dach gefiel nicht. Die Wucht des mehr als 70 Meter langen Gebäudes wurde kritisiert. Auch die wie Schießscharten anmutenden Fenster oder die Spielereien mit „Schaufenstern“. Dieses Haus passe einfach nicht zu Bruckmühl.

Das könnte Sie auch interessieren: Strandkorb-Open-Air in Rosenheim: Wincent Weiss kommt am 27. Juli - die Konzertliste im Überblick

Wesentlichstes Argument des Gremiums allerdings war die Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler und die Frage, ob diese Investition gegenüber dem Bürger vertretbar sei. Einsparpotenziale konnten nicht benannt werden. „Außer“, so der Architekt, „wir lassen eine Etage weg. Da sparen wir zwei Millionen Euro.“

Zweiter Bürgermeister Klaus Christoph (CSU) brachte die lange Diskussion mit dem Antrag der CSU zum Abschluss, die Planungen mit der Leistungsphase drei vorerst abzuschließen und in eine Klausurtagung zu treten. Der Antrag wurde mit 22:1 Stimmen angenommen.

Erstmals sahen die Räte – hier Georg Ziegltrum (CSU) – die Pläne für das Rathaus in 3D und waren ernüchtert.

Dass auch die Opposition dafür stimmte, ist nicht verwunderlich. Schon im Mai 2020 hatte die Offene Liste Bruckmühl (OLB) den Antrag auf „Berechnung der Steuerausfälle, Priorisierung und Verschiebung von Investitionen“ aufgrund der Corona-Pandemie gestellt. Bündnis 90/Die Grünen hatten beantragt, den Umbau des Rathauses mindestens um ein Jahr zurückzustellen und zu prüfen, ob ein kleineres Projekt ausreichend wäre. Beide Anträge wurden damals abgelehnt.

Könnten Synergien genutzt werden?

Nun aber ist der Marktgemeinderat auf einer Linie. „Ich bin froh, dass wir diesen Weg jetzt gemeinsam gehen“, so der Bürgermeister. In der Klausurtagung im Juli soll es nun auch darum gehen, ob, wie und wofür das Bürger- und Kulturhaus mit seinen großzügigen Räumlichkeiten künftig genutzt werden könnte.

Bis zum 30. Juli 2023 hat die Verwaltung ihr Übergangsdomizil in der alten „Wolldecke“ sicher. Die Option auf Verlängerung des Mietvertrages bis 31. Dezember 2023 steht. Richter: „Wir dürfen uns von der Zeit nicht treiben lassen. Zur Not müssten wir Container aufstellen.“

Architekten erarbeiten Sparpotenziale

Unter normalen Bedingungen hätten die Architekten jetzt die Baugesuche für das neue Rathaus eingereicht und wären in die detaillierte Werksplanung mit ausführlicher Leistungsbeschreibung für die einzelnen Gewerke eingetreten. Das ist nach dem Beschluss des Marktgemeinderates nun erst einmal nicht möglich.

„Wir werden das Gespräch mit dem Bauherren suchen, um dem Gemeinderat bei seinen Entscheidungen auch weiterhin begleitend zur Seite zu stehen und das Projekt zu retten“, sagt Architektin Anja Kluge von der gk Gössel + Kluge Generalplaner GmbH.

So werde das Büro jetzt Vorschläge zu möglichen Einsparpotenzialen erarbeiten, um den Räten für eine Klausurtagung Fakten an die Hand zu geben. Sie habe Verständnis dafür, dass das durch die Corona-Krise verursachte Chaos am Bau die Gemeinderäte verunsichere und Investitionsentscheidungen erschwere.

Mehr zum Thema

Kommentare