Bruckmühler „Oberstübchen“ ist leer: Heimatkundliche Sammlung zieht ins BRK-Gebäude um

Die Schätze der heimatkundlichen Sammlung der Marktgemeinde Bruckmühl haben Marieluise Kahlhammer und Helmut Giese (von links) geordnet und ihre Aufbewahrung neu strukturiert. Baumann

Während das gesamte Rathaus-Personal voraussichtlich im Januar 2021 für einige Zeit im „Wolldecken-Rathaus“ im Gewerbepark Heufeldmühle seine Zelte aufschlägt, hat die heimatkundliche Sammlung ihr temporäres Domizil im Untergeschoss des neuen BRK-Gebäudes am Krankenhausweg schon jetzt bezogen.

von Johann Baumann

Bruckmühl – „Archive sind das Gedächtnis unserer Gesellschaft. Sie bewahren menschliches Leben vor dem Vergessen und erzählen Ereignisse und Schicksale aus vergangenen Zeiten.“ Mit diesem Zitat wurden Besucher empfangen, die in die heimatkundliche Sammlung der Marktgemeinde im Speichergeschoß des Rathauses kamen. Doch jetzt ist Bruckmühls „Oberstübchen“ leer.

Die Sammlung ist im Vorfeld der Rathauserweiterung und -sanierung schon ins temporäre Domizil im Untergeschoss des neuen BRK-Gebäudes am Krankenhausweg umgezogen.

Umzug in den Keller des BRK-Gebäudes

Am neuen Ort hat „Konservator“ Helmut Giese, der die Sammlung vor mehr als 20 Jahre angelegt hat und seither mit viel Hingabe betreut, zusammen mit Rathaus-Mitarbeiterin Marieluise Kahlhammer die Aufbewahrung von tausenden Einzelstücken neu organisiert und strukturiert.

Dazu wurden unter anderem zahlreiche Regale aufgebaut und rund 70 Kunststoffkisten angeschafft, die mit Inhaltsangaben versehen wurden. So findet man beispielsweise die Aufschriften „Kirche und Religion“, „Bruckmühler Persönlichkeiten“, „Inflationsgeld“, „Zweiter Weltkrieg“, „Adel, Wappen, Klöster“, „Alte Lesebücher“ oder „Bruckmühler Ortsteile“.

Zu den Kostbarkeiten der Sammlung zählen unter anderem Vereinsfahnen, Poesiealben, Gemälde, Kunstkalender und Luftbilder aus der Vorkriegszeit ebenso wie das Signalhorn und die Uniformjacke eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten oder Wachsstöcke, Römerscherben aus Westerndorf St. Peter oder ein Original Care-Paket aus der Nachkriegszeit.

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Als besondere Kostbarkeit bezeichnet Helmut Giese das aus dem Jahr 1777 stammende Lehrbuch „Allgemeine Weltgeschichte“. Ein weiteres Prachtstück der Sammlung ist ein versteinerter Mammut-Backenzahn, der nahe Götting am Nordhang des Irschenbergs gefunden wurde. Unter den gesammelten Schätzen befindet sich auch ein aus dem Gehörn eines Schafbocks gefertigtes Bockshorn aus dem 19. Jahrhundert.

Stücke erzählen Geschichten

Mit ihm wurde seinerzeit in einer Sandgrube im Ortsteil Kirchdorf den Arbeitern Beginn und Ende der Arbeits- beziehungsweise Mittagszeit akustisch angekündigt.

Das viele bäuerliche Gerät, dass der heimatkundlichen Sammlung im Laufe der Jahre vermacht wurde, ist als Leihgabe im Dorfmuseum in Feldolling zu sehen.

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Das eingangs erwähnte Zitat „Archive sind das Gedächtnis unserer Gesellschaft“ hängt natürlich auch in der neuen „Heimat“ der Sammlung, muss aber kurz- und mittelfristig noch zweimal umgehängt werden: Denn nach der Fertigstellung der Moschee neben dem BRK-Gebäude zieht die heimatliche Sammlung nach oben und in die bisher vom türkischen Arbeitnehmerverein im ersten Stock genutzten Räumlichkeiten ein, um nach Fertigstellung der Rathaus-Baumaßnahmen wieder an den „Stammsitz“ zurückzukehren.

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