Bruckmühler Moschee: Muslimische Gemeinde investiert 1,1 Millionen Euro

So soll die Moschee aussehen, die am Krankenhausweg in Bruckmühl gebaut wird. Dogan
  • vonKathrin Gerlach
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Das 16-jährige Warten hat ein Ende: Die muslimische Gemeinde im Markt Bruckmühl bekommt ihre Moschee. Voraussichtlich im Frühjahr 2021 wird sie am Krankenhausweg eingeweiht. Das Projekt mit einem Investitionsumfang von circa 1,1 Millionen Euro wird aus Spenden finanziert.

Bruckmühl – „Das ist eine große Herausforderung für unsere Gemeinde, aber wir sind sehr zuversichtlich, denn bis heute haben wir schon Spenden in Höhe von 380 000 Euro erhalten“, informiert Vedat Dogan, der Vorsitzende destürkischen Arbeitnehmervereins Bruckmühl.

Seit 60 Jahren daheim in Bruckmühl

1961 schloss die Bundesrepublik mit der Türkei ein Gastarbeiter-Abkommen. Und so kamen damals auch viele türkische Arbeitskräfte nach Bruckmühl, um in der Wolldeckenfabrik, der Südchemie oder in der Papierfabrik zu arbeiten.

110 türkische Familien leben in Bruckmühl

„Heute leben in Bruckmühl 110 türkische Familien, und inzwischen wächst die vierte Generation heran“, erklärt Dogan. Die Arbeitslosigkeit unter den türkischstämmigen Bruckmühlern sei gleich Null, berichtet Dogan voller Stolz, der selbst bei Swiss Caps in Bad Aibling als Projektmanager tätig ist.

Nach 60 Jahren erstes eigenes Gebetshaus

Nach 60 Jahren in Bayern ist es für die Gläubigen nun von ganz besonderer Bedeutung, dass sie ihr erstes eigenes Gebetshaus errichten können. „Wir hatten viele Jahre Räume in einem kleinen Gebäude am Krankenhaus zur Verfügung, dann in der alten Schule in Heufeld. Jetzt haben wir für ein Jahr ein Übergangsdomizil unterm Dach des neuen BRK-Gebäudes gefunden. Und im Frühjahr können wir endlich unsere Moschee einweihen“, ist Vedat Dogan glücklich.

Großprojekt vier Jahre lang vorbereitet

Schon seit 2004 bemüht sich der Verein um die Realisierung dieses Projektes. Konkrete Formen nahmen die Planungen in den vergangenen vier Jahren an. „Auf Bürgermeister Richard Richter, den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung konnten wir dabei immer zählen. Es war wirklich ein konstruktives Arbeiten“, lobt Dogan das gute Miteinander in Bruckmühl.

Erster Spatenstich im Februar

Im Februar 2019 gab es grünes Licht für die Moschee. Nun endlich kann das Projekt umgesetzt werden. Im Februar erfolgte der erste Spatenstich. Die Bauarbeiten gehen zügig voran. „Wir haben uns bemüht, soweit wie möglich Firmen aus Bruckmühl und der Region zu beauftragen“, betont der Projektleiter.

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Und natürlich werden die Mitglieder des türkischen Arbeitnehmervereins auch Eigenleistungen erbringen, um das anspruchsvolle Projekt zu realisieren. Fördermittel gibt es für den Bau der Moschee nicht. „Wir sind kein gemeinnütziger Verein“, begründet Dogan.

Anbau ans neue BRK-Gebäude

Die Moschee wird an das neue BRK-Gebäude angebaut. Auf einer Grundfläche von 170 Quadratmetern entstehen auf vier Etagen – in Keller, Erd-, Ober- und Dachgeschoss – Räume für Jugendliche, Frauen und Männer.

Jugendclub im Souterrain

Im Keller richtet sich die Jugend ihre eigenen Räume ein. „Und wir wünschen uns natürlich einen regen Austausch unserer jungen Leute mit denen aus dem neuen Jugendtreff der Gemeinde“, freut sich Dogan auf die künftigen Nachbarn und ergänzt: „Unsere Tür steht allen offen.“

Café und Fitness im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss des Neubaus sind ein Café für Männer und ein Lady-Fitness-Studio geplant. Im ersten Geschoss werden Küche, ein Raum für Kinder, ein Café und der Gebetsbereich für die Frauen eingerichtet. Im Dachgeschoss entstehen der Gebetsraum für die Männer, eine Bibliothek, Büro und Seminarräume. Der Eingangsbereich der Moschee wird von zwei kleinen Säulen in Form von Minaretten geschmückt.

Zwei Minarette am Haupteingang

„Sie sollen symbolisch darauf hinweisen, dass hier ein Gebetshaus ist“, erklärt Dogan. „Richtige Minarette, von denen der Muezzin fünfmal am Tag zum Gebet ruft, haben wir nicht.“

Freitagsgebet gemeinsam mit Imam

Vor allem am Abend werden sich die Muslime künftig zum gemeinsamen Gebet in ihrer Moschee treffen können, blickt der Vorsitzende der türkischen Arbeitnehmer voraus. Freitags und an Feiertagen beten sie mit einem Imam.

Komplex für alle Generationen

Auf einer Grundstücksfläche von 1250 Quadratmetern entstehen rund um die Moschee auch Parkplätze und Grünanlagen. „Es wird ein schöner Komplex für alle Generationen“, freut sich Vedat Dogan auf die Eröffnung im kommenden Jahr.

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