Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Luftfilter für die Grundschulen

Bruckmühler Marktgemeinderat beschäftigt sich erneut mit Corona-Prävention

Der Bruckmühler Matthias Kirchgässner – hier mit Tochter Cosima – kennt sich mit mobilen Luftfiltern aus. Für die Heufelder Grundschule hat er den Bedarf bereits ermittelt. Heute beschäftigt sich der Marktgemeinderat noch einmal mit der Ausstattung der Grundschulen.
+
Der Bruckmühler Matthias Kirchgässner – hier mit Tochter Cosima – kennt sich mit mobilen Luftfiltern aus. Für die Heufelder Grundschule hat er den Bedarf bereits ermittelt.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Im April lehnte der Marktgemeinderat Anträge von den Elternbeiräten der Bruckmühler Grundschulen zur Beschaffung von mobilen Luftfilteranlagen ab. In der Sitzung des Marktgemeinderates am 29. Juli könnten diese nun erneut auf der Tagesordnung stehen. Darauf zumindest zielt der Antrag der Fraktionen Bündnis90/Die Grünen, SPD und OLB ab.

Bruckmühl – Im September sollen in jedem Klassenzimmer Luftfilter stehen. Das hat Ministerpräsident Markus Söder Ende Juni gesagt und damit für großen Unmut in den Kommunen gesorgt. Denn sie müssen die Geräte nicht nur zahlen, sondern auch die Folgekosten tragen.

Neue Bewertung und neue Förderrichtlinie

Inzwischen gibt es neue Rahmenbedingungen: So bescheinigt das Bundesumweltamt mobilen Luftfiltern nun auch in Räumen mit guter Lüftungsmöglichkeit einen möglichen Zusatznutzen hinsichtlich der Reduzierung der Virenlast. Zudem gibt es seit 6. Juli eine konkrete Förderrichtlinie für Schulen und Kindertagesstätten, die den Gemeinden 50 Prozent Zuschuss zu den Beschaffungskosten verspricht, höchstens aber 1750 Euro pro Raum und Gerät.

Nun muss dem Marktgemeinderat der Spagat zwischen politischer Entscheidung und dem Gesundheitsschutz der Kinder gelingen. Das Problem dabei: „Keiner versichert uns, dass die Kinder dadurch wirklich Erleichterungen erhalten und dass der Einsatz von mobilen Luftreinigern den Präsenzunterricht sicherstellt“, erklärt Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW).

Sichern Luftfilter dauerhafte Präsenz?

Hinzu komme, dass es keinerlei fachliche Empfehlungen des Freistaates gebe, welche Geräte sich eignen, um beispielsweise eine zu hohe Lärmentwicklung zu vermeiden. Doch zentrale Vorgaben seien nicht möglich, heißt es in der Förderrichtlinie des Kultusministeriums. Die Kommunen sollen sich nun Fachfirmen an die Seite nehmen, die die Eignung der Geräte für die jeweiligen Räume prüfe. Wer die Planungskosten und später die Folgekosten für Wartung und Betrieb der Luftreiniger trägt, ist nicht geregelt.

Lesen Sie auch: Um 21 Prozent in einer Woche: Corona-Todeszahlen bei WHO stark gestiegen

„Es gibt keinen Nachweis, dass sie wirklich einen Schutz garantieren“, betont Gemeinderat Georg Oswald (BP) und rechnet vor: „Wir bräuchten weit mehr als 100 Geräte. Bei Kosten von 4000 Euro pro Stück wären das also mindestens 400.000 Euro. Bei einer 50-prozentigen Förderung müsste die Marktgemeinde also circa 200.000 Euro aufbringen.“ Würden alle Räume von Schulen und Kindertagesstätten mit mobilen Luftreinigern ausgestattet, wäre die Kosten weitaus höher.

Die Grünen-Fraktion wiederum verweist auf die Neubewertung des Umweltbundesamtes (UBA). „Der Einsatz mobiler Luftfilter wird als sinn- und wirkungsvoll erachtet“, zitiert Wolfgang Huber und verweist auf die Aussage des UBA: „Fachgerecht positioniert und betrieben ist ihr Einsatz wirkungsvoll, um während der Pandemie die Wahrscheinlichkeit indirekter Infektionen zu minimieren.“

Das könnte Sie auch interessieren: Tag nach der Katastrophe: Göttinger Landwirt berichtet über Flutwelle und Schäden an seinen Anlagen

Darin und in der neuen Förderrichtlinie sehen die Fraktionen von Grünen, SPD und OLB nun die Grundlage, den Antrag der Elternbeiräte erneut auf die Tagesordnung zu heben. „Der Schutz der Kinder steht im Vordergrund“, betont Huber. Gerade angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante müssten vor dem neuen Schuljahr alle technischen Optionen ausgeschöpft werden.

Doch ist das bis zum neuen Schuljahr überhaupt zu schaffen? „Mich ärgert, dass vom Freistaat hier Erwartungen geschürt und in Richtung Kommunen adressiert werden, die wir gar nicht realisieren können“, kritisiert der Bürgermeister. Und auch der Bayerische Gemeindetag macht in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten klar, dass es bei Einhaltung der europaweiten Ausschreibungs- und Vergabevorschriften nicht möglich sei, Luftfilter für etwa 100.000 Klassenzimmer und 52.000 Kitaräume in Bayern zu beschaffen.

Matthias Kirchgässner ist Bruckmühler, dreifacher Vater, Maschinenbauingenieur und Eventmanager. Seit der Corona-Krise beschäftigt er sich intensiv mit Luftfiltertechnik und hat für die Marktgemeinde geprüft, welche Ausstattung das Rathaus und die Heufelder Grundschule bräuchten.

Herr Kirchgässner, wie hoch wären in etwa die Kosten, um die Heufelder und Bruckmühler Grundschulen mit Luftfiltern zu bestücken?

Matthias Kirchgässner: Ich habe mir dort 51 Räume angeschaut, meine Berechnungen allerdings auf Grundlage der Richtlinien des Bundesamtes für Arbeitsschutz gemacht, das von einem in Klassenzimmern zulässigen Geräuschpegel von 35 Dezibel und einem zwei- bis dreifachen Luftaustausch pro Stunde ausgeht. Für 51 Räume bräuchte man 93 Luftreiniger. Das wären Kosten von circa 160.000 Euro. Die aktuelle Förderrichtlinie erlaubt jetzt 40 Dezibel und fordert eine sechsfache Luftumwälzung. Man müsste also noch einmal neu kalkulieren.

Mit welchen Folgekosten muss man rechnen?

Matthias Kirchgässner: Das kommt ganz auf das Gerät an, denn Luftreiniger gibt es als reine Filtergeräte, mit UVC-Technologie oder als Kombigeräte. Ich habe für eine Grundschule in Tittling eine Berechnung gemacht. Die Kombigeräte hätten Folgekosten von 4000 Euro im Jahr für Strom und Filter. Bei den reinen UVC-Luftfiltern würden Stromkosten von etwa 2800 Euro anfallen. Die Unterhaltung der Filtergeräte würde 10.000 Euro pro Jahr kosten.

Die Kommunen sind gerade etwas ratlos, welche mobilen Luftfilter sie beschaffen könnten. Könnten Sie da helfen?

Kirchgässner: Wir sind aktuell in vielen Gemeinderatssitzungen und Schulen zu Gast, um die unterschiedlichen Funktionsweisen mobiler Luftreiniger und ihre Wirksamkeit zu erklären sowie Anschaffungs- und Folgekosten darzustellen.

Das Umweltbundesamt hält Luftfilter für sinnvoll, aber für nicht unbedingt erforderlich. Was halten Sie dagegen?

Kirchgässner: Unsere Kinder sind unser wertvollstes Gut, aber auch unser schwächstes Glied, das wir schützen müssen. Von etwa elf Millionen Grundschülern in Deutschland sind nur zwei Prozent geimpft. Kinder- und Jugendmediziner warnen angesichts der Virusmutationen vor mehr Erkrankungen bei Kindern. Sie gehen davon aus, dass allein von den 385.000 Kindern, die schon mit Corona infiziert waren, etwa 38.500 Post-Covid-Symptome aufweisen werden.

Luftreiniger sind ein Mosaikstein. Zur bestmöglichen ganzheitlichen Prävention gehören auch weiterhin Hygieneregeln, Masken, Tests, Impfungen, Abstand, Begrenzung der Personenzahl und Lüften. Wenn wir dadurch Erkrankungen vermeiden können, haben wir etwas gewonnen.

Was bewirken Luftreiniger?

Kirchgässner: Sie minimieren die Aerosollast in den Kassenzimmern. Die Luft wird angesogen, die Viren werden entweder durch reine UVC-Strahlung oder durch eine Kombination mit Filtern oder durch Filter und Wärme inaktiviert beziehungsweise abgetötet. Die Wirksamkeit der Geräte ist unterschiedlich, liegt beispielsweise bei medizinisch validierten UVC-Luftfiltern oder Kombigeräten bei über 99 Prozent.

Stellen Sie die Geräte am Donnerstag dem Bruckmühler Marktgemeinderat vor?

Kirchgässner: Als Bruckmühler und Vater dreier Schulkinder läge mir Aufklärung in meinem Heimatort sehr am Herzen. Ich habe es angeboten.

Mehr zum Thema

Kommentare