Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kontroverse Entscheidung im Gemeinderat

Gemeinde stattet Grundschulen in Bruckmühl mit mobilen Luftfiltern aus

Mit mobilen Luftreinigern sollen die Grundschulen in Bruckmühl und Heufeld ausgestattet werden.
+
Mit mobilen Luftreinigern sollen die Grundschulen in Bruckmühl und Heufeld ausgestattet werden.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Die beiden Grundschulen der Marktgemeinde Bruckmühl werden mit mobilen Luftreinigern ausgestattet. Das hat der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 12:9 Stimmen beschlossen. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Fachplaner zurate zu ziehen und die Geräte schnellstmöglich zu beschaffen.

Bruckmühl – Auf Antrag der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, SPD und OLB stand das Thema erneut auf der Tagesordnung (wir berichteten) und wurde emotional diskutiert, denn: „Die Gesundheit unserer Kinder ist unser aller Herzensanliegen“, wie Harald Höschler (CSU/PW) betonte. Zu Beginn der Meinungsbildung im Rat hatte Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) noch einmal klargemacht, dass die Anschaffung mobiler Luftreiniger keine Pflicht, sondern eine freiwillige, zusätzliche Leistung der Kommune sei.

Maske und Tests auch im September wieder

„Nach Meinung des Umweltbundesamtes ist Lüften der wirksamste Schutz“, betonte Richter. „Und wir wissen schon jetzt, dass auch mobile Luftfilter unseren Kindern den Unterricht nicht erleichtern werden, denn Kultusminister Piazolo hat bereits angekündigt, dass sie auch ab September mit Maske und Test in die Schule gehen müssen.“ Der Bürgermeister kritisierte den Umgang des Freistaats mit den Kommunen und sagte: „Es ist eine Augenwischerei, dass die Geräte im September da sein können.“

Wolfgang Huber (Grüne) appellierte an das Gremium, angesichts der Deltavariante in mobile Luftreiniger zu investieren. Argumente, sie störten den Unterricht, versuchte er mit dem Verweis auf die zentrale Lüftungsanlage der Theaterhalle Heufeld zu entkräften, die die Ratssitzung in eine permanente Geräuschkulisse hüllte. „Die mobilen Geräte sind leiser“, so Huber.

Lesen Sie auch: FLUTKATASTROPHE Kam die Hilfe im Mangfalltal zu spät? Es brodelt nach dem Unwetter in Götting

Dass es in der Diskussion um Luftfilteranlagen viele Wahrheiten, Halbwahrheiten und noch viel mehr Unsicherheit bei den Menschen gibt, spiegelte sich auch in der Ratssitzung wider. Georg Oswald (BP) hatte beispielsweise davon gehört, dass mobile Luftreiniger „das Immunsystem der Kinder schwächen, und sie dann keine Abwehrkräfte mehr haben“. Er kritisierte: „Kinder werden als Versuchskaninchen hergenommen.“

Robert Niedermeier (SPD/PU) wiederum war der Meinung, dass alle Argumente für die schnellstmögliche Anschaffung der Geräte sprächen. Er zitierte Studien, wonach sie das Ansteckungsrisiko um 70 Prozent vermindern. Die Effizienz dieser Geräte sei nicht mehr zu bestreiten. Er betonte: „Wir investieren so viel Geld in Brandschutz, Fluchtwege oder Beleuchtung. In Relation zu dem, was wir erreichen können, ist eine Investition von 200 000 Euro für mobile Luftreiniger überschaubar.“

Stefan Mager (Grüne) stellte die Frage: „Wer sind wir, dass wir uns über den Willen der Eltern und Lehrer der Grundschulen stellen dürfen?“

Wie groß ist das Interesse der Eltern?

Darauf lenkte Anna Wallner (CSU/PW) den Blick in den Zuschauerraum und meinte: „Das Interesse der Eltern ist sehr gering. Ich sehe hier gerade mal einen oder zwei Eltern.“ Zudem höre sie von den Lehrern eine gegenteilige Meinung: „Sie sind in Sorge, dass ihnen die Geräte aufgedrückt werden.“ Wallner weiter: „Die Geräte verbrauchen viel Strom und haben eine schlechte Umweltbilanz.“ Zudem behauptete sie, die Geräte müssten 30 Minuten vor Unterrichtsbeginn und 30 Minuten nach Ende ein- und ausgeschaltet werden: „Wer soll das machen?“

Andreas Riedl (CSU/PW) plädierte für die Anschaffung der Luftfilter, denn „der Landkreis rüstet die Schulen in seiner Trägerschaft jetzt auch damit aus, und in Bruckmühl sollten an allen Schulen gleiche Bedingungen herrschen.“

Fraktionskollege Hubert Mair hielt es für einen gangbaren Weg, die Grundschulen zu bestücken.

Das könnte Sie auch interessieren: MIT DEM UNWETTER KOMMT DER TOTALSCHADEN Tag nach der Katastrophe: Göttinger Landwirt berichtet über Flutwelle und Schäden an seinen Anlagen

Einige Räte blieben skeptisch, dass die Geräte wirksam sind, und stimmen dagegen, so beispielsweise Bartholomäus Krapichler (CSU/PW) oder Georg Pritzl (OLB). Trotzdem sich für Harald Höschler am Sachstand seit April nichts geändert hat, stimmte er für eine Anschaffung, denn: „Politik und Medien haben eine derartige moralische Druckkulisse aufgebaut, der wir uns nicht entziehen können.“

Aus Sicht von Kirsten Klein (Grüne) sind die Kinder darauf angewiesen, dass sich Erwachsene impfen lassen. „Da es viele nicht tun, es für Kinder noch keine zugelassenen Impfstoffe gibt, sehe ich uns in der Pflicht, sie zu schützen.“

Ausschreibung wird vorbereitet

Aufgrund zahlreicher technischer Vorbehalte im Gremium verwies Wolfgang Huber darauf, dass der Marktgemeinderat die Chance gehabt hätte, sich von einem Experten verschiedene Geräte erläutern und vorführen zu lassen. Bürgermeister Richter begründete den Verzicht darauf mit der Gleichbehandlung: „Wir müssen aufpassen, dass wir alle Anbieter gleich behandeln. Eine solche Präsentation hätte im späteren Ausschreibungsverfahren als Bevorzugung gewertet werden können.“

Am Ende stimmte der Bruckmühler Marktgemeinderat knapp aber mehrheitlich mit 12:9 für die Anschaffung mobiler Luftreiniger für die beiden Grundschulen.

Am Montag, so kündigte Rainer Weidner, Geschäftsleiter der Marktgemeinde an, auf Nachfrage des Mangfall-Boten an, werde die Verwaltung mit der Bestandsaufnahme der Räumlichkeiten beginnen, die Expertise eines Fachmannes einholen, um gemeinsam die Ausschreibung vorzubereiten.

Weidner geht davon aus, dass die Investition bei circa 160 000 Euro liegt, was es möglich mache, regionale Angebote einzuholen. Ab einer Investition von 214 000 Euro müsste eine europaweite Ausschreibung erfolgen. „Wir bemühen uns, alles zeitnah umzusetzen“, versichert er, zweifelt aber daran, dass die Geräte zum Schuljahresstart da sind.

Mehr zum Thema

Kommentare