Bruckmühler fragen sich: Wohin nur mit der guten Stube?

Noch ist die „gute Stube“ von Bruckmühl eng. Wie sie entwickelt werden kann und ob es künftig auch zwei oder drei „gute Stuben“ geben könnte, soll gemeinsam mit den Bürgern diskutiert werden.  Baumann
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Noch ist die „gute Stube“ von Bruckmühl eng. Wie sie entwickelt werden kann und ob es künftig auch zwei oder drei „gute Stuben“ geben könnte, soll gemeinsam mit den Bürgern diskutiert werden. Baumann

Das Zentrum von Bruckmühl soll mehr Treffpunkte bekommen. Doch wo ist Platz für die „gute Stube“ des Ortes? In einem Verkehrskonzept haben Planer nun Vorschläge gemacht, wo Aufenthaltsbereich geschaffen werden könnten. Potenzial gebe es vor dem Bürgerhaus, der Pizzeria und dem Rathaus.

Von Kathrin Gerlach

Bruckmühl– Die Menschen in der Marktgemeinde wünschen sich eine „gute Stube“. Sie möchten ein Zentrum zum gemütlichen Verweilen. Doch wo ist ausreichend Platz und Gestaltungsspielraum für das Herz der Marktgemeinde?

Heute sitzen die Bruckmühler meist an der Kirchdorfer Straße beisammen. Mit dem neuen Kultur- und Bürgerhaus könnte am Bahnhofsvorplatz ein neues oder zweites Ortszentrum entstehen. Und auch das parkähnliche Areal zwischen Galerie, Volkshochschule, Rathaus und Realschule hat Entwicklungspotenzial.

Verkehrskonzept als Diskussionsgrundlage

Um in die fundierte Diskussion gehen zu können, hat die Marktgemeinde ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben, das Andreas Bergmann von der Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr GmbH jüngst im Marktgemeinderat präsentierte. „Es soll uns mögliche Handlungsempfehlungen und Lösungsansätze aufzeigen und die Basis sein, auf der wir unsere Ideen und Wünsche aufbauen“, erklärt Bürgermeister Richard Richter.

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Als größtes Handicap des Bruckmühler Zentrums sieht der Verkehrs- und Stadtplaner die Enge: „Aufenthaltsflächen werden vom Kfz-Verkehr vereinnahmt. Es gibt punktuelle Engstellen im Straßenraum, insbesondere für Fußgänger.“ Doch auch einen Vorteil hat das Bruckmühler Zentrum: „Es ist kompakt, die meisten Ziele sind in einem fußläufigen Rundlauf erreichbar.“

Seine Ideensammlung für die etwa 30 Hektar im städtebaulichen Sanierungsgebiet von Bruckmühl umfasst 50 Seiten und zahlreiche Schwerpunktthemen. Geht es um die „gute Stube“ sieht der Experte zwei Standorte. Einer davon ist der bestehende Ortskern – also der Bereich zwischen Kirchdorfer und Müller-zu-Bruck-Straße sowie Bahnhofstraße und Sonnenwiechser Straße.

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Eine seiner Ideen wäre ein Kreisverkehr mit verkehrsberuhigter Zone im Geschäftsbereich, die Neuorganisation öffentlicher Parkflächen und die Gestaltung des vorhandenen Platzes mit zusätzlichen Sitzmöglichkeiten und Pflanzen. „Da müssen viele Interessen abgewogen werden – die von Händlern, Kunden, Anwohnern und Verkehrsteilnehmern“, sagt Bürgermeister Richter.

Dorfplatz vor dem Bürgerhaus

Auch der Bereich vor dem künftigen Bürgerhaus könnte als Dorfplatz mit Flächen für Außengastronomie, Wochenmarkt oder Veranstaltungen gestaltet werden – mit Sitzmöglichkeiten, viel Grün oder auch Wasserspielen. Um dafür Platz zu schaffen, müsste der Verkehr über den heutigen Bahnhofsparkplatz geleitet oder der Bereich für den Durchgangsverkehr gesperrt oder aber eine Einbahnstraßenregelung für Bruckmühl geschaffen werden.

In seine Betrachtungen und Gestaltungsvarianten hat der Städteplaner öffentliche und private Flächen einbezogen, um Platz zu gewinnen. „Mit dieser Maximalvariante könnte das Zentrum aufenthaltsorientierter gestaltet werden“, begründet Bergmann.

Maximalvariante mit privaten „Ecken“

Das allerdings bereitet Bauamtsleiter Konrad Kremser Sorgenfalten: „Die Ideen greifen in Privatgrundstücke ein. Vieles ist in den vergangenen Jahren mit Bedacht so gestaltet worden, wie es heute ist.“ Zudem gebe es im Stadtzentrum keinen Leerstand öffentlicher Gebäude, durch deren Abriss möglichweiser mehr Platz geschaffen werden könne.

Die Bruckmühler Stadtväter haben noch ein weiteres Areal im Blick, um den Aufenthalt im Zentrum attraktiver zu machen: den Bereich zwischen Galerie und Rathaus. „Er hat Potenzial“, meint der Bürgermeister. Zudem gehörten die Flächen der Marktgemeinde, was die Umsetzung von Visionen einfacher mache. Ideal für die Erreichbarkeit dieses möglichen dritten Ortskerns sei auch der große Parkplatz direkt hinterm Rathaus.

Verweilen im Zentrum von Bruckmühl lohnt sich. Noch fehlen aber ausreichend gestaltete Aufenthaltsflächen.

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