Bruckmühler bauen für 20.000 Euro neue Tennisanlage – Seit sechs Wochen steht sie leer

Der Court der nagelneuen „SVB-Kids-Arena“: Corona sorgt dafür, dass Spartenleiter Christoph Grenzer hier ganz allein sitzt.

Die neue Tennis-Kids-Arena des SV Bruckmühl, die Tennisanlage mit sechs Sandplätzen, Grünanlagen und Vereinsheim waren pünktlich zum Saisonstart fertig. Am Samstag sollte die große Einweihungsfeier stattfinden. Doch seit sechs Wochen ist der Tennis-Court verwaist. Die Sportler sind verzweifelt.

Von Torsten Neuwirth

Bruckmühl – „Wir fühlen uns alle, wie ein Autofahrer, der ohne jegliche Vorwarnung gegen eine unsichtbare Wand fährt“, bringt Christoph Grenzer, Spartenleiter des SV Bruckmühl, die derzeitige Gefühlslage seiner kompletten Tenniscrew kurz und knapp auf den Punkt. Nach Darstellung von Grenzer lief bis zum Nachmittag des 13. März alles nach Plan.

Punktlandung zum Saisonstart

Nach mehreren hundert Arbeitsstunden der Mitglieder um Chefkoordinator und Platzwart Anton Demmel war die nagelneue „SVB Tennis-Kids-Arena“ mit einer Punktlandung zu Saisonbeginn fertiggestellt. Gleiches galt auch für die komplette SVB-Tennisanlage mit ihren sechs Sandplätzen samt einrahmenden Grünanlagen und dem Vereinsheim. Alles war auf Hochglanz getrimmt und für die Saison 2020 startklar. „Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“, resümiert der Spartenleiter.

Innovatives Nachwuchs-Projekt

„Wir waren alle heiß auf den Saisonstart, bis in die Haarspitzen motiviert und unsere Kids kaum zu bremsen. Sie wollten unbedingt ihren neuen Kids-Court in Besitz nehmen“, blickt Grenzer mit einem Stirnrunzeln zurück.

Bereits vor zwei Jahren initiierte der Tennischef das innovative und richtungsweisende Jugendnachwuchs-Projekt. Mit seinem Vorschlag stieß er bei seiner Vorstandschaft auf offene „Scheunentore“. Nach dem Motto „So etwas fehlt uns noch“ wurde die Konzeption samt Planungsphase und Finanzierung in Angriff genommen.

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Ziel war die Realisation einer Multifunktionsspielstätte mit einem Kostenvolumen von zirka 20 000 Euro. Zu dem 220 Quadratmeter großen Areal gehört ein Kleinfeldspielfeld mit höhenverstellbarem Netz. Der witterungsbeständige und robuste Spielbelag hat sogar „internationales Flair“. Es ist spezieller Kunststoffboden mit Noppenoberfläche, so wie er auch auf dem „ZDF-Traumschiff“ rund um die Poollandschaften und Aktionsflächen verlegt ist.

Entstanden ist eine Hightech-Area

Darüber hinaus kann die „SVB-Kids-Arena“ nicht nur für Tennis, sondern auch für viele andere Ballsportarten, wie zum Beispiel Badminton, genutzt werden. Auch ist variables Koordinationstraining auf dem kleinen Hightech-Tenniscourt möglich.

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Anfang Dezember krempelten dann die SVBler die Ärmel hoch und packten die Finalisierung des Projektes an. Auf der Agenda standen die Untergrundarbeiten, die Unterstützung der Pflasterarbeiten, die Verlegung des speziellen Sportbodens sowie die komplette Umzäunung der Kids-Area samt Aufbau eines Geräteschuppens.

Für den heutigen Samstag war die große Saisoneröffnungs- und Einweihungsfeier der SVB Tennis-Kids-Arena angesetzt. Als VIP-Sportler hatte bereits Matthias Kleibel als amtierender Badminton European Champion Master und Tennisfreund von Spartenleiter Grenzer seine Teilnahme zugesagt.

Vor Eröffnung kommt die Sperrung

Doch soweit kam es nicht. Am besagten 13. März erhielt der SVB-Tennischef auf der Sonnenterasse des Vereinsheims um 14 Uhr die Nachricht, dass „die Hallen vorsorglich gesperrt werden, ein Training mehr möglich ist“. Geschockt wählte der Tennisvorstand daraufhin die Telefonnummer von Klaus Christoph. Der SVB-Vorsitzende bestätigte mit dem eindringlichen Hinweis, „alle sportlichen Aktivitäten wegen des Corona-Virus bis auf weiteres einzustellen, ausnahmslos und ab sofort“.

240 Sportler warten auf den Neustart

„Da gehst du erst mal in die Knie und verstehst die Welt nicht mehr“, erklärt Grenzer die Situation, die sich bis heute nicht geändert hat. Aktuell scharren nach nunmehr sechs Wochen der Anlagenschließung 240 „gelbe Filzballfreunde“ mit dem Hufen und lechzen nach sportlicher Betätigung.

Und hier versteht der Tennisvorstand die Welt nicht mehr so ganz. „Beim Tennis spielen zwei Partner auf einer Fläche von über 600 Quadratmetern durch ein Netz auch räumlich sauber getrennt. Sie können einzeln kommen, spielen auf zwei abgegrenzten Spielflächen, pausieren auf zwei über zehn Meter voneinander getrennten Sitzbänken und können wieder einzeln, ohne zu duschen, nach Hause gehen. Sogar Desinfektionsmittel wäre vorhanden, also wo ist das Problem“, schüttelt Grenzer den Kopf.

Sozialer Kontakt und sportlicher Ausgleich fehlen

Neben den fehlenden sozialen Kontakten der Spielerinnen und Spieler denkt er ganz besonders an die Mädchen und Jungen: „Wenn die sich mal für eine Stunde austoben könnten, wäre die Welt auch zu Hause deutlich entspannter.“ Trotzdem macht er unmissverständlich klar: „Da müssen wir alle gemeinsam durch, oberste Priorität hat die Gesundheit. Vielleicht könnte man aber mit etwas mehr Augenmaß die ein oder andere Entscheidung überdenken.“

Menschenleere Tennis-Kids-Area

Zum Schluss wird der Spartenleiter dann doch noch etwas emotional: „Mir blutet das Herz, wenn ich bei einem Kontrollgang mutterseelenallein auf der Tennisterrasse stehe, in totaler Stille beim Sonnenuntergang über menschenleere Tennisplätze und eine nagelneue Tennis-Kids-Arena schaue und nur noch ein paar Vögel zwitschern.“

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