Einkaufen, parken und wohnen

Bruckmühl: So soll es auf dem Areal der einstigen Wolldeckenfabrik ausschauen

Das Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Wolldeckenfabrik wird vollständig neu überplant.
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Das Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Wolldeckenfabrik wird vollständig neu überplant.
  • vonThorsten Neuwirth
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„Geisterstadt“ neu beleben: Der Gemeinderat Bruckmühl bringt den Bebauungsplan für die einstige Wolldeckenfabrik auf den Weg. Einkaufen, parken und wohnen. Warum die Marktgemeinde mit einer Innovation eine landkreisweite Vorreiterrolle übernehmen wird.

Bruckmühl – Der Top-Beratungspunkt der jüngsten Marktgemeinderats-Sitzung in Bruckmühl war die Vorstellung der Planungen für die Nachfolgenutzung der „Ehemaligen Bayerischen Wolldeckenfabrik“. Nach 107 Minuten Vortrag samt Diskussion beauftragte das Plenum mit einem 22:1 Entscheid die Verwaltung und Planfertiger den Bebauungsplan „Ehemalige Wolldeckenfabrik“ aufzustellen. Damit wird die Kommune neue, und überregional wegweisende Wege in der Architektur beschreiten.

Unten einkaufen, oben parken und wohnen

Kopfnicken unter den Räten löste die Aussage von Florian Eisner, Geschäftsführer des Kolbermoorer Investors Werndl & Partner, aus: „Der große Leerstand im Areal der ,Ehemaligen Wolldeckenfabrik‘ sorgt ab 20 Uhr für das Flair einer Geisterstadt.“ Ungläubiges Staunen und Augenbrauenhochziehen lösten bei den Ratsmitgliedern seine Erläuterungen, „für das neue Herzstück“ des Areals „Alte Wolldeckenfabrik“ aus.

Zwölf Dachhäuser

So soll Lidl nach Norden hin vergrößert werden: Ein Neubau soll an den derzeitigen Bestand gebaut werden. Der jetzige Standort wird in Einzelhandelsflächen und in die Zufahrt zu einem Parkhaus umgestaltet. Letzteres erstreckt sich im ersten Stock über den Lebensmittelmarkt (Bestand und künftigen Neubau). „Dadurch entstehen 130 neue Parkplätze“, so Eisner. Über dem Parkhaus, quasi im zweiten Stock, entstehen zwölf Dachhäuser in verschiedenen Größen.

Sparsamer Umgang mit Grund und Boden

Nachdem sich die erste Überraschung unter den Politikern gelegt hatte, verdeutlichte er die Intention dieser Architektur. „Wir stehen für einen behutsamen und sparsamen Umgang mit Grund und Boden und stehen für eine Verringerung der zusätzlichen Inanspruchnahme von Flächen für bauliche Nutzung.“

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Nach seinen Aussagen wird diese Art der Innenentwicklung bereits erfolgreich in größeren Städten betrieben. „Wir sind es unserer Umwelt einfach schuldig.“ Überzeugt zeigte sich der Investor auch, dass Bruckmühl mit dieser Innovation eine landkreisweite Vorreiterrolle übernehmen wird.

Komplex wir abgerissen

Weiter wird in diesem Bereich, dem so genannten „Entwicklungsbaustein Alte Wolldeckenfabrik“, der zweigeschossige Gebäude-Komplex im Süden (Bäcker, Schreibwaren und Apotheke) abgerissen. Dem Verlust von 1500 Quadratmetern Gewerbefläche steht ein Zugewinn von 50 Stellplätzen gegenüber. Wert legt der Investor auf der Feststellung, dass die drei Geschäfte während und nach der Bauphase vor Ort verbleiben und ein paar Meter nach Westen und Osten rücken. Die weiteren historischen Gebäude auf der West- und Nordseite bleiben dem Einzelhandel sowie dem Gewerbe vorbehalten.

„Für Leben sorgen die Bewohner“

CSU/PW-Rat Michael Stahuber gefiel die Planungsstruktur. Als Herausforderung sah er die prekäre Parkplatzsituation bis zur finalen Fertigstellung des Areals, „das wird spannend“. Für Georg Ziegltrum (CSU/PW) fragte, wie die Planer das neue Zentrum beleben wollen. Eisner: „Für Leben sorgen die Bewohner.“ In dem Zusammenhang stellte er in Aussicht, die bestehende Gastronomie eventuell durch eine weitere zu ergänzen.

Mitglied favorisiert Biergarten

Dr. Monika Mager (Grüne) stellte Fragen nach dem Zeitplan der Umsetzung, dem gewerblichen Verkehr durch den „Gewerbepark BWB“ sowie die Anzahl der Parkplätze.

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Nach Darstellung des Investoren-Vertreters wird das Zeitmanagement mit der Marktgemeinde erstellt, der Gewerbeanteil im westlichen Areal aber mittelfristig leicht abnehmen. Die Anzahl von 275 Stell- und Parkplätzen sind für den Investorenvertreter ausreichend.

Biergarten wünschenswert

Für Bartholomäus Krapichler (CSU/PW) war ein Biergarten besonders wichtig, „das gehört zur bayerischen Kultur und Lebensart“. Eisner: „Die Marktgemeinde hat auf dem Areal der alten ,Werkskantine‘ eigene Grundstücksflächen, die hierzu genutzt werden können.“ Hubert Maier, CSU/PW, sah das Ganze nicht so euphorisch: Den Lidl Um- und Neubau mit Einkaufen-Parken-Wohnen übereinander bezeichnete er als „abenteuerlich“. Seit Fazit: „Respekt für die mutige Planung.“ Berichte folgen.

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