Bruckmühl schon zur Hälfte autark – Zuwachs an regenerativen Energien in der Marktgemeinde

Wasserkraft ist eine der ältesten Energiequellen. Die Marktgemeinde Bruckmühl bezieht für ihre Einrichtungen Strom, der zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird.
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Wasserkraft ist eine der ältesten Energiequellen. Die Marktgemeinde Bruckmühl bezieht für ihre Einrichtungen Strom, der zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird.

Rein statistisch gesehen ist die Marktgemeinde Bruckmühl zu 49 Prozent energieautark. Nach den jüngsten Zahlen der Bayernnetz AG wurden in Bruckmühl 110000 Megawatt Strom verbraucht und 54000 Megawatt eingespeist. Doch wie jede Statistik hat auch diese einen Haken.

von Kathrin Gerlach

Bruckmühl – „Die Statistik enthält keine Angaben über den Eigenverbrauch von regenerativer Energie. Interne energetische Kreisläufe großer und kleiner Unternehmen oder privater Haushalte werden nicht betrachtet“, erklärt Anna Heimgartner, in der Marktgemeinde Bruckmühll unter anderem für Umwelt, Energie und Wasser verantwortlich.

Strom ist zu 100 Prozent aus Wasser

Tatsächlich ist Bruckmühl weitaus energiebewusster als es die Zahlen verraten. „So wird beispielsweise der Strom, den wir als Marktgemeinde für unsere Einrichtungen beziehen, zu 100 Prozent aus Wasserkraft“, informiert Bürgermeister Richard Richter.

Eine der ältesten Energiequellen in der Marktgemeinde ist die Wasserkraft. Auf dem Gebiet der Marktgemeinde schöpfen sieben Wasserkraftwerke an Triftbächen die Kraft der Mangfall ab.

Rohstoff Holz gewinnt an Bedeutung

Auch Holz gewinnt als Energielieferant immer größere Bedeutung. Im Biomasseheizkraftwerk der Grünfuttertrocknungsanlage in Hornau beispielsweise werden aus der Verbrennung von Waldhackgut und Landschaftspflegematerial 10 000 Megawattstunden Strom – das entspricht dem Bedarf von 3500 Haushalten – und 40 000 Megawattstunden Wärme pro Jahr gewonnen. Der Strom wird zum Betrieb der Anlage genutzt und ins Netz eingespeist. Zudem werden 60 Prozent der Abwärme zur Trocknung von Gras oder Holzhackschnitzeln und bald auch Obst und Gemüse verwendet.

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Wichtige und vor allem witterungsunabhängige Energielieferanten sind im Markt Bruckmühl auch private Biogasanlagen. Ihre Energie wird nicht nur ins Netz eingespeist, sondern die Abwärme auch zur Nahwärmeversorgung von Wohn- oder Gewächshäusern oder zur Hackschnitzeltrocknung genutzt.

Mit Biomasse arbeitet auch das Bruckmühler Klärwerk. Es braucht im Jahr etwa 1000 Megawattstunden Strom. „Mit dem Methangas, das im Faulturm entsteht, erzeugt unser Blockheizkraft davon etwa ein Drittel, also 370 Megawattstunden Strom“, erklärt Klärwerks-Chef Martin Lang.

Nahwärme-Netz wird ausgebaut

Ein weiterer Meilenstein für eine bessere Ökobilanz der Marktgemeinde ist Nahwärme aus nachwachsenden Rohstoffen. So gewinnt das Biomasse-Werk Götting GmbH (BWG) aus Holzhackschnitzeln beispielsweise Wärme für das neue BRK-Gebäude, das Volksmusikarchiv, das Altenheim, die Räume des türkischen Arbeitnehmervereins sowie zahlreiche Wohngebäude. Angeschlossen werden perspektivisch auch die Wohnanlage an der Kirchdorfer Straße und die geplante geriatrische Reha-Klinik.

Angedacht ist auch der Ausbau der Fernwärmeversorgung in Kirchdorf, an die künftig Kindergarten, das sogenannte Trachtenheim und das Gebäude der Kirchdorfer Feuerwehr angeschlossen werden könnten.

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Die Marktgemeinde beheizt mit Unterstützung eines Gasblockheizkraftwerkes den gesamten Komplex der Justus-von-Liebig-Schule in Heufeld, zu dem auch das „Haus für Kinder“ (Kinergatren) zählt.

Hinzu kommt die Photovoltaik: „Wir haben geprüft, auf welchen kommunalen Gebäuden die Investition in eine PV-Anlage wirtschaftlich sinnvoll ist oder erst nach einer Sanierung erfolgen sollte“, so der Bürgermeister.

Neue Photovoltaikanlage bewilligt

Gegenwärtig befinden sich Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Einrichtungen wie dem Kindergarten „Löwenzahn“, der Heufelder Schule, der Grundschule Götting, der Kläranlage und einem Wohngebäude. Im Juli stimmte der Marktgemeinderat einer Investition von 86 000 Euro in eine PV-Anlage für den Neubau am Rübezahlweg 13. Etwa 70 Prozent der dort erzeugten Energie sollen ab Mai nächsten Jahres ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Auf der Suche nach neuen Flächen

„All das sind kleine Mosaiksteine für ein umweltfreundliches Bruckmühl“, so Bürgermeister Richter und ergänzt: „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen kommunalen Flächen für Photovoltaik. Die nächste könnte das Dach des umgebauten Rathauses sein.“

Doch wie kann die Marktgemeinde noch grüner werden? Die Region ist für die Ernte von Windenergie oder die Nutzung von Tiefenthermie nicht geeignet, wie Gutachten ergeben haben. Welche Möglichkeiten könnte es also noch geben? „Sparen ist die größte Reserve“, betont Richard Richter. Deshalb investiert die Gemeinde jährlich unter anderem etwa 50 000 Euro in die Umrüstung der konventionellen Straßenbeleuchtung mit LED-Technik. Der Effekt: In vier Jahren wurden 690 „Brennstellen“ getauscht und 175 Megawattstunden Strom gespart.

Bruckmühler sparen beim Stadtradeln jede Menge Strom

„Energie umfasst Strom, Wärme und Mobilität“, betont Anna Heimgartner. Deshalb sind die Bruckmühler auf ihren erneuten Sieg beim Stadtradeln auch besonders stolz. 108 141 Kilometer erstrampelten sie im vergangenen Jahr, heuer waren es 106 133 Kilometer – und das unter Corona-Bedingungen.

Wären allein die 214 274 Kilometer der vergangenen beiden Jahre mit dem Pkw gefahren worden, wären dafür 12 856 Liter Kraftstoff gebraucht worden – wenn man von einem durchschnittlichen Verbrauch von sechs Litern pro 100 Kilometer ausgeht. Da für die Herstellung von einem Liter Benzin oder Diesel etwa 1,5 Kilowattstunden Strom gebraucht werden, haben die Bruckmühler also mit ihrer Teilnahme am Stadtradeln 19 285 kWh Strom gespart. Das entspricht dem Bedarf von etwa sieben Haushalten pro Jahr.

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