Mehr Nachverdichtung möglich

Bruckmühler Marktgemeinderat spricht sich gegen eigene Satzung aus

Nach dem altem Abstandsflächenrecht errechnen sich bei einem Haus in den Maßen zehn mal zwölf Meter, Wandhöhe sechs Meter und Dachneigung 27 Grad die grün markierten Abstandsflächen.
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Nach dem altem Abstandsflächenrecht errechnen sich bei einem Haus in den Maßen zehn mal zwölf Meter, Wandhöhe sechs Meter und Dachneigung 27 Grad die grün markierten Abstandsflächen.

Änderungen des Abstandsflächenrechts mit einer Verkürzung der Abstandsflächentiefen beinhaltet die Novelle der Bayerischen Bauordnung. Diese stand auf der Tagesordnung des Bruckmühler Marktgemeinderates, denn die Gemeinden dürfen abweichende Abstandsflächentiefen festlegen.

Bruckmühl – Von diesem Angebot macht die Marktgemeinde Bruckmühl zwar keinen Gebrauch, trotzdem wurde ausgiebig über das neue Regelwerk diskutiert.

Chance zu mehr Nachverdichtung

Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) sieht im neuen Abstandsflächenrecht die Möglichkeit, den Flächenverbrauch zu reduzieren und die Nachverdichtung zu intensivieren, gleichzeitig aber auch die Gefahr von nachbarschaftlichen Problemen. Als gutes Regulativ bewertet er dagegen auch künftig das Maß der „Einfügung in die Umgebungsbebauung“.

Bauamtschef Konrad Kremser bewertet das neue Abstandsflächenrecht „als kompliziert, schwer zu händeln und mit großem Potenzial an Rechtsunsicherheiten“. Er stellt klar: „Die Abstandsflächen werden mit den neuen Vorgaben grundsätzlich nicht kleiner, je nach Gebäudeart kann es zu ganz unterschiedlichen Auswirkungen kommen.“

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CSU/PW-Rat Hubert Maier ist der Meinung, dass die Bauwilligen mit der neuen Bauordnung mehr Möglichkeiten bekommen: „Die sollten wir ihnen nicht nehmen.“ Er sprach sich gegen eine eigenen Satzung aus. Sein Fraktionskollege Michael Stahuber will keine Nachverdichtung um jeden Preis, denn „eng auf eng führt zu Problemen, mit denen die Menschen dann allein gelassen werden“. Auch er lehnte eine Bruckmühler Satzung ab.

Anders sah es SPD/PU-Rat Robert Niedermeier: „Wenn Bauen nicht in die Breite geht, dann eben in die Höhe.“ Für ihn war wichtig, dass der Mindest-Abstandwert von drei Metern zur Grundstücksgrenze auch bei der neuen Gesetzesvorgabe Bestand hat. „Damit handelt der Gesetzgeber in unserem Sinn.“

Ist „Eng-auf-Eng-Wohnen“ lebenswert?

Das sieht Grünen-Rat Stefan Mager anders. Er wollte die Angelegenheit auf eigene, intelligente Beine stellen. Für ihn ist ein „Eng-auf-Eng-Wohnen“ nicht lebenswert. Auch mindere die Verschattung von Nachbar-Grundstücken die Wohnqualität: „Wir sollten Mut zeigen und mittelfristig eine eigene Satzung ausarbeiten. Bruckmühl steht für einen maßvollen und moderaten Zuzug.“

Nach dem neuen Abstandsflächenrecht errechnen sich bei einem Haus in den identischen Maßen zehn mal zwölf Meter, Wandhöhe sechs Meter und Dachneigung 27 Grad die rot markierten Abstandsflächen. Neuwirth

Fraktions-Kollege Wolfgang Huber mahnt zur Vorsicht, dass bestehende Einfamilienhäuser künftig nicht von hohen Hauswänden umgeben werden. Ihn stimme dazu nachdenklich, dass der Bayerische Städte- und Gemeindetag für die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung votiere, dabei könne man Bayern mit seinen rund 2000 Kommunen „nicht über einen Kamm scheren“.

OLB-Rat Georg Pritzl sieht in der Sache auch positive Ansätze: „Wir bekommen eine gute Nachverdichtung, mehr Wohnraum und größeren Spielraum für die Gemeinde, so können wir auch den geförderten Wohnbau minimieren.“

Sorge um zu enge Bebauung

Dr. Monika Mager (Grüne) wollte die Vorgaben von oben nicht so einfach schlucken: „Es fehlt an Luft, Licht und Abstand.“ Sie befürchtet, dass es zu „irrsinnigen Situationen kommen kann“, bei denen man Küchenfenster nicht mehr zum Lüften öffnen könne, weil der Nachbar zu nah dran sei.

Als Chance für Nachgeborene bewertet Robert Plank (CSU/PW) das neue Abstandsflächenrecht. Kinder könnten nun auf größeren Grundstücken ihrer Eltern bauen, was bis dato nicht möglich gewesen sei.

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Bürgermeister Richter stellte klar, dass Gemeinderat sich mit einer Entscheidung gegen eine eigene Satzung nichts verbaue, denn auch zu einem späteren Zeitpunkt könne man diese immer noch erstellen. Am Ende stimmte das Gremium mit einem 20:4-Entscheid gegen eine eigene Satzung.

Was besagt das Abstandsflächenrecht?

  • Beim alten wie beim neuen Abstandsflächenrecht bemisst sich die Tiefe der Abstandsfläche nach der Wandhöhe. Sie wird senkrecht zur Wand gemessen. Die Wandhöhe ist das Maß von der Geländeoberfläche bis zum Schnittpunkt der Wand mit der Dachhaut (Oberkante Dacheindeckung) oder bis zum oberen Abschluss der Wand.
  • Bisher galt altes Recht: Die Höhe von Dächern mit einer Neigung von mehr als 70 Grad wird voll, von Dächern mit einer Neigung von mehr als 45 Grad zu einem Drittel der Wandhöhe hinzugerechnet. Die Höhe der Giebelflächen im Bereich des Dachs ist bei einer Dachneigung von mehr als 70 Grad voll, im Übrigen nur zu einem Drittel anzurechnen.
  • Das neue Recht ist: Die Höhe von Dächern mit einer Neigung von bis einschließlich 70 Grad wird zu einem Drittel der Wandhöhe, von Dächern mit einer Neigung von mehr als 70 Grad voll der Wand hinzugerechnet.
  • Jeder Bauwunsch ist individuell zu prüfen. Eine allgemeingültige Berechnung für alle Gebäudearten gibt es nicht.

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