Nach 14 Jahren

Bruckmühler Gastronomen erklären, warum „Geli’s Wirtsstubn“ in der Corona-Krise nicht überlebt hat

Die Wirtsleute Schorsch und Geli Reif hinter der bereits „entkernten“ Theke. Baumann
+
Die Wirtsleute Schorsch und Geli Reif hinter der bereits „entkernten“ Theke. Baumann
  • vonJohann Baumann
    schließen

Wegen Corona mussten die Bruckmühler Gastronomen von „Geli’s Wirtsstubn“ schließen. Hier erzählen sie, warum sie diesen Schritt gehen mussten und wie ihre Zukunft ausschaut. Auch Stammgäste sind traurig.

Bruckmühl – Eine der am meisten von der Corona-Pandemie gebeutelten Branchen ist die Gastronomie. Schon der erste Lockdown zwischen März und Mai traf das Gastgewerbe – viele Betriebe konnten sich nur mit Mühe über den Sommer retten. Die erneute verhängte Schließung hat die Krise nunmehr deutlich verschärft.

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite +++

Auch in Bruckmühl hat sie in zwei beliebten Lokalen gravierende Spuren hinterlassen – eines davon ist „Geli’s Wirtsstubn“, die jetzt dicht gemacht hat. „Unser Abschied – dauerhaft geschlossen wegen Corona“ heißt es auf der Homepage des Lokals mit der Fortsetzung: „Leider müssen wir unser Lokal auf Dauer schließen. Es tut uns sehr leid, dass wir nach nun 14 Jahren unser Herzstück aufgeben müssen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Gästen für Ihre Treue und Unterstützung. Macht es gut und bleibt´s gsund, Pfirteich! Eure Geli & Schorsch mit Team“.

Zünftig ging’s vor Corona zu in Geli‘s gut besuchter „Wirtsstubn“

Stammgäste sind traurig

Die Stammgäste sind traurig: „Ich bin richtig erschüttert über die Schließung des Lokals. Seit fast 14 Jahren sind wir als Familie hingegangen oder auch mal einzeln und haben dort alle unsere Familienfeiern abgehalten. Es war immer schön dort und jetzt ist es sehr traurig“, sagt Birgit Ligotzky. Und Stammgast Vroni Reisacher sagt: „Ich war schon beim Tag der Eröffnung dabei und ich bedauere sehr, dass Geli zugemacht hat. Ich habe besonders die familiäre Atmosphäre geschätzt und dass man auch als Frau allein dort hingehen und bei einem Ratsch vom Alltag abschalten konnte“.

Auch interessant:

Nach Razzien in der Region - Rosenheimer Rocker wegen Zuhälterei festgenommen

Das Ende für die bis vor Corona gut besuchte Lokalität an der Wernher-von-Braun-Straße zeichnete sich schon gegen Ende des Sommers ab. „Durch die rund zweimonatige Schließung im Frühjahr mussten wir schon unsere Ersparnisse erheblich angreifen“, erklären die Wirtsleute Schorsch und Geli Reif gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Schorsch hat als gelernter Koch die Küche gemanagt und seine Frau den Service. Nach der Wiederöffnung am 18. Mai war ein rapider Gästerückgang zu verzeichnen.

Lesen Sie auch:

Rosenheimer Arzt kritisiert Corona-Teststrategie - besonders im Hinblick auf Senioren und Schüler

Bruckmühls Bürgermeister über das Aus

Auch Bürgermeister Richard Richter tut es sehr leid: „Es ist leider so, dass es uns jetzt auch in Bruckmühl trifft. Das ist schade und mit Sicherheit eine Ausdünnung der Wirtshaus-Landschaft. Für manche ist das „To go“-Geschäft vielleicht eine Möglichkeit, sich aufrecht zu erhalten, aber dieser Weg ist wahrscheinlich nicht für alle gangbar.“

Lesen Sie auch:

So informieren die Wirtsleute auf ihrer Homepage über die Schließung

Das To go-Geschäft konnte die Reifs nicht retten: „Zwar haben die Mitarbeiter aus dem umliegenden Gewerbegebiet mittags ihr Abo-Essen abgeholt, aber bei diesem ,To go‘-Geschäft bleibe nichts übrig, die Mittagsgäste im Lokal haben uns gefehlt“, berichtet der sichtlich enttäuschte Schorsch Reif.

Durch die stark verkürzten Schließungszeiten ging auch der abendliche Besuch, zumal draußen, stark zurück. „Die Leute wollen nicht um halb acht zum Essen kommen, wenn sie um neun schon wieder gehen müssen“, beklagt er. Auch lukrative Geburtstagsfeiern, Taufen und Hochzeiten seien ausgefallen und ihr Vermieter habe keine Kulanz gezeigt – eine Stundung der Pacht habe er abgelehnt.

Umsatzrückgang von 40 Prozent

„Bei einem Umsatzrückgang von rund 40 Prozent hat sich dann herauskristallisiert, dass wir Ende Februar 2021 schließen, das Minus summierte sich jeden Monat“, erläutert der Wirt. „Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen und ich hatte schlaflose Nächte“, bekennt Geli mit Tränen in den Augen. Die Beiden hofften dann noch auf das Weihnachtsgeschäft: „Das hätte uns etwas herausgerissen.“ Und auch auf den Fasching haben sie gesetzt.

Doch der neue Lockdown habe sie dann bewogen, jetzt gleich den Schlussstrich zu ziehen. Immerhin habe sie der Vermieter vorzeitig aus dem Vertag entlassen, aber mit einem dicken Wermutstropfen: „Wir haben in das Lokal rund 30 000 Euro investiert auf einen Nachpächter gehofft, der uns eine Inventarablöse zahlt, aber der Vermieter will keine Gaststätte mehr in diesem Haus“, bedauert der Wirt. Jetzt Gaststättenmobiliar und Gerätschafen zu verkaufen sei schier unmöglich.

Düstere Zukunftsausschichten

Seine Zukunftsaussichten schätzt er ziemlich düster ein: „Als 62-Jähriger eine Anstellung zu finden ist fast unmöglich, was die bisher geschriebenen Bewerbungen zeigen – so werde ich als bisher Selbständiger direkt bei Hartz IV landen.“ Seine Frau, die als Bedienung angestellt war, bekommt Arbeitslosengeld und hofft als gelernte Metzgerei-Fachverkäuferin, eine Stelle zu finden.

Schorsch Reif hält auch mit seiner Verbitterung über die staatlichen Regulierungen nicht hinter dem Berg: „Wenn ich sehe, was beispielsweise in den öffentlichen Verkehrsmitteln erlaubt ist, komme ich mir als Wirt verarscht vor – die Regierung lässt die Gastronomie am ausgestreckten Arm verhungern“, äußert er unverblümt. So nehmen sie Abschied von ihren „Wirts-stubn“ und gestehen: „Es fällt uns sehr schwer und es tut uns auch für unsere Stammgäste sehr leid.“

Kommentare