Bruckmühl feiert „Wiesn light“ – SVB-Handballer organisieren Volksfest in Miniformat

O’zapft is: Das erste Prosit auf die „Light-Wiesn 2020“ kam von Christian Müller, Bernd Rupp, Kupi Rauch, René Blazek, SVB-Wirt Arno Müller, SVB-Vize Bernie Gleißner, Franz Wasl und SVB-Chef Klaus Christoph (von links). Neuwirth

Nach der Absage der 69. Bruckmühler Wiesn aufgrund der Corona-Pandemie feierten rund 80 Handballer des Bruckmühler Sportvereins (SVB) jetzt ein „Volksfest light“. Trotz der Mini-Wiesn bleibt bei Organisatoren und Besuchern die Sehnsucht nach ihrem traditionellen Fest und dem besonderen Miteinander.

Bruckmühl – „Mehr als diesen kleinen Rahmen konnten wir aus Corona-Gründen leider nicht zulassen. Wenn wir Werbung gemacht hätten, wären sicherlich mehr als 300 Leute gekommen“, erklärt SVB-Handballer Kupi Rauch. „Deswegen konnten wie die anderen Sparten dazu leider auch nicht einladen“, bedauert er zutiefst.

Die kleine „Bruckmühler Wiesn“ begann mit einem zünftigen Festeinzug. Punkt 18 Uhr setzte sich der 107 Meter lange Zug hinter Taferl-Träger René Blazek in Bewegung. Für die zünftige Einzugs-Musik samt Bayerischem Defiliermarsch sorgte Max Elschker als Einmann-Kapelle.

20-Liter-Wiesn-Fass perfekt o´zapft

Um 18.12 Uhr war es dann soweit. Wie bei „Hau den Lukas“ wuchtete SVB-Vize Bernie Gleißner mit nur einem Schlag den Messinghahn souverän in das vom Sportheim-Wirt gesponserte 20-Liter-Wiesn-Holzfass. Unter dem Beifall der coronabedingt dezimierten Besucherschar folgte das ersehnte „O`zapft is“. Danach stärkten sich die Volksfest-Freunde beim deftigen Wiesn-Schweinsbraten mit Knödeln und anderen Wiesn-Brotzeit-Schmankerl. Auch fehlte die große Volksfest-Breze nicht.

Wie beim großen Wiesn-Original stand beim provisorischen Torwandschießen dann auch noch ein sportlicher Showdown auf dem Programm. Dabei wurden die Fehlschüsse mit viel Hallo begleitet.

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Bei der ein oder anderen frisch gezapften Halben oder prickelnden Mädels-Sektrunde wurde über die imaginäre SVB-Wiesn 2020 philosophiert. Dabei drehte sich fast alles um die Kernfrage: „Was machen wir denn nun in den nächsten acht Tagen?“

Barbara Loidl, die mit ihrer Familien-Metzgerei seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Bruckmühler Wiesn vertreten ist, hatte darauf eine Antwort: „Wir tragen im Geschäft Trauerflor.“ Denn das diesjährige Volksfest-Aus ist in ihrem Team schon seit 14 Tagen das beherrschende Thema. „Auch wenn diese zehn Tage immer echt stressig sind, werden wir sie total vermissen“, so die Bad Aiblinger Metzgerei-Chefin.

Sehnsucht nach Wiesn-Feeling

Ähnlich ergeht es Richard Merk mit seiner Security-Crew. „Wir kommen alle nur einmal im Jahr zur Volksfestfestzeit zusammen. Dieses innige Freundschaftsverhältnis und der nette Umgang mit den Gästen aus aller Herren Ländern gehen nun flöten. Da schiebt der ein oder andere von uns schon gehörigen Frust“, beschreibt der Ordner-Chef der Wiesn die Gefühlslage.

Für SVB-Kassier StefanBrence steht als Ersatzprogramm nun ein Wanderurlaub in Südtirol an. Wie jedes Jahr hatte er für die „Fünfte Bruckmühler Jahreszeit“ wieder seinen Jahresurlaub eingeplant und konnte das nach der überraschenden Fest-Stornierung nicht mehr rückgängig machen.

Nach 52 Jahren mal ein Hochzeitstag zu zweit

Etwas anders – allerdings mit einem Augenzwinkern – sieht es Helga Christoph, Ehefrau von SVB-Vorsitzenden Klaus Christoph: „Zum ersten Mal nach 36 Jahren konnten wir unseren 52. Hochzeitstag zu Hause in aller Ruhe bei einem Glas Wein feiern.“

Ihr „Ehe-Feiertag“ liegt turnusmäßig in der Volksfest-Zeit. Schon seit 68 Jahren ist die Marktgemeinde Bruckmühl ab dem zweiten Juli-Freitag zehn Tage lang im Volksfest-Fieber. Die Bruckmühler Wiesn lockte in den zurückliegenden fast sieben Jahrzehnten jährlich mehr als 32 000 Besucher in die Marktgemeinde. Darunter sogar Gäste aus den USA, Chile, Neuseeland, Frankreich, Spanien und von den Britischen Inseln. Doch ist in diesem Jahr eben überall alles anders.

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Am 30. April musste die Chefetage des SVB den Rotstift an ihre „69. SVB-Wiesn“ setzen. „Die Gesundheit aller geht vor“, lautete der einhellig gefasste SVB-Entschluss. Der Wiesn-Ausfall ist und bleibt ein gravierender Einschnitt ins sportliche und gesellschaftliche Leben der Gemeinde.

Doch damit nicht genug: Der Reingewinn der SVB-Wiesn wird nach Information von SVB-Vize Bernhard Gleißner zu 100 Prozent in die Nachwuchsarbeit der neun Sparten mit mehr als 2100 Mitgliedern und in die Unterhaltung des vereinseigenen Sportzentrums investiert. Die fehlenden Einnahmen sind also auch ein harter Schlag ins Finanz-Kontor. „Wir müssen unseren Wirtschaftsplan komplett neu justieren und den Gürtel auf lange Zeit deutlich enger schnallen“, bringt SVB-Kassier Brence die Situation auf den Punkt.

SVBler meistern Krise als gestärktes Team

Nach dem Motto „Erfolgreiche Sportler kommen aus einer Krise gestärkt zurück“ riefen die SVBler seit Ende März viele Aktionen ins Leben, um die schwierige Situation gemeinsam zu meistern.

Dazu zählt auch die „Wiesn Light“. Normalerweise wäre am Freitag der Startschuss zur 69. Wiesn mit dem traditionell 800 Meter langen Volksfest-Einzug samt Polizei-Eskorte erfolgt – mit einem imposanten Brauerei-Pferdegespann, vier Festkapellen, zwei Spielmanns- und zwei Trommler-Zügen sowie mehr als 40 befreundeten Ortsvereinen mit knapp 1000 Teilnehmern.

Den Ausfall dieses Spektakels wollten die SVB-Handballer Kupi Rauch und René Blazek nicht ohne Weiteres hinnehmen, und so entstand ihre Idee für den kleinen Volksfest-Einzug. Spontane Unterstützung erhielten die beiden von den befreundeten SVB-Kanuten. Und für die anschließende zünftige Wiesn-Brotzeit konnten sie die Sportheim-Pächterfamilie Angie, Arno und Christian Müller gewinnen.

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