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Was passiert mit dem Vermögen?

Ende nach 139 Jahren: Warum sich der Bruckmühler Krankenunterstützungsverein nun auflöst

Einstimmig beschlossen die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung die Auflösung des 1883 gegründeten Allgemeinen Krankenunterstützungsverein zum 30. Juni.
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Einstimmig beschlossen die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung die Auflösung des 1883 gegründeten Allgemeinen Krankenunterstützungsverein zum 30. Juni.
  • VonJohann Baumann
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Vor 139 Jahren gründeten die Bruckmühler mit dem Allgemeinen Krankenunterstützungsverein einen eigenen Versicherungsverein. Er kam für das Krankentagegeld und die Beerdigung seiner Mitglieder auf. Jetzt wurde der Verein aufgelöst, obwohl er noch 180 Mitglieder hatte. Welche Gründe gab es dafür?

Bruckmühl – Es hat sich schon länger angedeutet, doch nun ist es eine Tatsache: Der Allgemeinen Krankenunterstützungsverein (AKUV) löst sich auf. Damit ist der 1883 gegründete und damit älteste Verein Bruckmühls nach 139 Jahren Geschichte. Diesen Beschluss fassten die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung im Gasthof „Blindhammer“ in Mittenkirchen einstimmig.

Nach dem von Schriftführerin Emmi Geiger verlesenen Protokoll der letzten Jahreshauptversammlung trug „Finanzchefin“ Helga Christoph den Kassenbericht vor. Die Revisoren bescheinigten eine „einwand- und fehlerfreie Kassenführung, an der nichts zu beanstanden“ sei.

Bis zuletzt 180 Mitglieder

In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Franz Hellauer blickte Vorstandsmitglied Johann Hellauer auf das letzte Vereinsjahr zurück. Er erwähnte unter anderem die Vorstandssitzungen und die Teilnahme an Beerdigungen von Mitgliedern. Ferner ging er auf die aktuelle Mitgliederzahl ein. Diese betrug immerhin noch stattliche 180, von denen 117 nur der Sterbekassenversicherung und 63 auch der Krankenhaustagegeldversicherung angehörten.

Nach der einstimmig erfolgten Entlastung der Vorstandschaft wurde dann der zentrale Tagesordnungspunkt „Abstimmung über die Auflösung des Versicherungsvereins“ behandelt. Hellauer knüpfte dabei an die bereits in der letztjährigen Jahreshauptversammlung geäußerte diesbezügliche Ankündigung an. Als Gründe nannte er fehlende Neuzugänge, den seit Jahren sukzessiven Mitgliederrückgang, die jährlichen sechs bis acht Todesfälle mit Sterbegeldleistung, die „Null-Zins-Situation“ für Geldanlagen und die im vierstelligen Euro-Bereich liegenden Kosten für das alle fünf Jahre vorgeschriebene mathematische Gutachten. All diese Punkte würden nach und nach das Vereinsvermögen mindern.

Durch den dauerhaften krankheitsbedingten Ausfall des Vorsitzenden und den zwischenzeitlichen Tod des Stellvertreters, die nicht ersetzt werden könnten, würde die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde „einen Vorstand von oben“ einsetzen, was ebenfalls Kosten für die Vereinskasse verursachen würde, erläuterte Hellauer. „Die Zeiten haben sich geändert. Für junge Leute ist unser Versicherungsverein nicht mehr interessant“, konstatierte er bedauernd. Es sei daher sinnvoll, den AKUV aufzulösen. Man habe dazu bereits Kontakt mit der Aufsichtsbehörde aufgenommen.

Vorstandsmitglied Johann Hellauer und Finanzchefin Helga Christoph informierten die Mitglieder.

Die nachfolgende Entscheidung der 31 anwesenden (und damit beschlussfähigen) Mitglieder fiel einstimmig für die vorgeschlagene Auflösung. Ebenso einhellig beschlossen die Mitglieder den 30. Juni 2022 als Zeitpunkt für die Beendigung des Versicherungsverhältnisses. Hierzu führte Helga Christoph aus, dass bis dahin auftretende Leistungsfälle ausgezahlt werden, für das erste Halbjahr 2022 jedoch kein Beitragseinzug mehr erfolge.

Ansprüche aus der Sterbekasse bemessen sich nach Beitragsjahren

Des Weiteren hatte die Versammlung über die Verteilung des vorhandenen Vereinsvermögens zu entscheiden. Während Helga Christoph zufolge die Krankenhaustagegeldversicherung eine reine Risikoversicherung darstelle und daraus keine Auszahlungsansprüche bestünden, würden sich aus der Sterbekasse die Ansprüche der 180 Mitglieder nach Zahl ihrer Beitragsjahre bemessen. In jedem Fall sei aber die Auszahlung des Grundbetrages gewährleistet. In dem nach dem Auflösungsbeschluss zu erstellenden Finanzgutachten werde außerdem ermittelt, ob im Rahmen des errechneten „Rückkaufwertes“ noch zusätzliche Zahlungen an die Mitglieder geleistet werden können. Die Mitglieder stimmten dem Vorschlag geschlossen zu.

Für die anfallenden Gutachtergebühren und alle weiteren, im Zusammenhang mit der Auflösung anfallenden Aufwendungen müsse eine Rückstellung getätigt werden. Ein daraus resultierender Rest sei nach den gesetzlichen Bestimmungen einer gemeinnützigen Einrichtung zuzuführen. Hierzu sprach sich die Versammlung einhellig für die Bruckmühler First Responder aus. Zu den von der Aufsichtsbehörde vorgeschriebenen Liquidatoren wurden einmütig Helga Christoph und Johann Hellauer bestimmt.

Dokumente für historische Sammlung

Es wurde angeregt und festgelegt, die Vereinsfahne der Marktgemeinde zu stiften – mit dem Wunsch, sie in der neuen „Kulturmühle“ zu präsentieren. Ferner sollen historische Dokumente der heimatkundlichen Sammlung zur Verfügung gestellt werden. Hellauer erklärte schließlich auch „die letzte Jahreshauptversammlung unseres Vereins“ für beendet und stellte mit bewegten Worten fest: „Damit geht ein Teil von Bruckmühl verloren.“ Die Mitglieder – darunter auch Altbürgermeister Franz Heinritzi – dankten den Verantwortlichen am Ende einer geschichtsträchtigen Versammlung mit langem Beifall.

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