Gnadenhof „Katzentraum“

Verein baut mit Spenden: Finanzbehörden erklären, warum Gnadenhof in Ried Wohnungen haben darf

Das Fundament für den Katzentraum ist gelegt. Die Schwaiger GmbH hat das Fundament errichtet.
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Das Fundament für den Katzentraum ist gelegt. Die Schwaiger GmbH hat das Fundament errichtet.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Die Fundamente für den neuen Gnadenhof des Vereins „Katzentraum“ sind errichtet. Das einstige Bauernhaus in Ried wird nach dem originalen Vorbild aufgebaut. Neben Räumen für die Katzen, Kranken- und Quarantänestationen, Küche, Sozial- und Sanitärtrakt sollen auch vier Wohnungen entstehen. Doch dürfen die mit Spenden gebaut werden?

Bruckmühl – OVB-Leser Hans Pingel aus Bad Aibling sieht das kritisch und schreibt: „Im Projekt enthalten sind vier Wohnungen für Mitarbeiter. Schön, ich habe nichts gegen bezahlbaren Wohnraum, aber nur für Mitarbeiter? Das hat ein G’schmäckle nach goldenen Käfigen – wie weiland bei Krupp und Stinnes.“

Vereinsvorsitzende Holland klärt auf: „Nur zwei der Wohnungen sind für unsere hauptamtlichen Mitarbeiter, die rund um die Uhr abrufbar sein müssen. Diese sollen schon Ende 2021 fertig sein. Die anderen beiden Wohnungen werden erst einmal im Rohbau errichtet und dann ausgebaut, wenn das nötige Geld dafür vorhanden ist. Wann das sein wird, ist momentan noch nicht absehbar.“

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Die vier Wohnungen sind zwischen 60 und 70 Quadratmeter groß. Sie sollen sowohl an die Mitarbeiter als auch an die künftigen anderen Mieter „zu den bei Fertigstellung geltenden ortsüblichen Preisen vermietet werden“, wie die Vereinsvorsitzende erklärt. Einen konkreten Quadratmeterpreis könne sie heute noch nicht benennen. Nach Aussage der Marktgemeinde gibt es für Bruckmühl keinen Mietspiegel.

Langfristige finanzielle Basis schaffen

Mit den Mieteinnahmen will der Verein in den nächsten 30 Jahren nicht nur einen Teil der Kreditraten tilgen, sondern – langfristig und über viele Jahre weitergedacht – auch die Arbeit des Gnadenhofes auf eine sichere finanzielle Basis stellen. „Auch ein Verein muss unternehmerisch denken, um seine Existenz langfristig zu sichern“, erklärt Holland, selbst eine erfolgreiche Unternehmerin.

Dürfen Vereine mit Spendengeldern Wohnungen bauen?

Doch darf ein Verein auch Wohnungen bauen? „Eine konkrete Raum- und Wohnungsbeschaffung für satzungsmäßige Zwecke kann durchaus der Erfüllung gemeinnütziger Zwecke dienen“, erklärt Dr. Stefanie Baur-Rückert vom Bayerischen Staatsministerium für Finanzen und Heimat. Doch wie weit ist „Gemeinnützigkeit“ eigentlich gefasst? „Gemeinnützige Zwecke verfolgt ein Verein dann, wenn seine Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit zu fördern“, erläutert Verena Hegner vom Bayerischen Landesamt für Steuern. „Und dazu gehört selbstverständlich auch der Tierschutz.“

Doch wie ist es mit Spendengeldern? Dürfen sie für den Bau von Wohnungen eingesetzt werden? „Das ist im Paragraph 14 Satz 3 der Abgabeordnung geregelt, der den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb eines Vereines erklärt, zu dem auch die Vermögensverwaltung gehört“, informiert Vorsitzende Renate Holland.

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Auch Vereine dürfen Vermögen aufbauen

Das Bundesministerium der Finanzen bestätigt das: „Wenn eine Körperschaft, deren Zweck es ist, einen Gnadenhof für Katzen zu betreiben, Wohnungen vermietet, um daraus Erträge zu erzielen, fällt diese wirtschaftliche Aktivität als solche zwar nicht unter den steuerbegünstigten Zweck des Tierschutzes. Allerdings ist es auch steuerbegünstigten Körperschaften erlaubt, Wohnungen zu vermieten und damit vermögensverwaltend tätig zu werden“, erklärt Kristina Wogatzki.

Sie macht das Gesetz an einem Beispiel begreiflich: „Wenn ein Verein also freie Mittel hat – beispielsweise aus der freien Rücklage im Sinne des Paragraph 62 Absatz 1 Nummer 3 AO – dann können mit diesen Mitteln auch Vermögen in Form von Wohnungen angeschafft werden. Die Erträge aus diesen Wohnungen müssen dann aber wieder für die steuerbegünstigten Zwecke der Körperschaft genutzt werden.“

Finanzbehörden kontrollieren Gemeinnützigkeit

Konzepte müssen den Finanzbehörden vorab nicht vorgelegt werden. „Für einen gemeinnützigen Verein besteht grundsätzlich keine Pflicht, außerhalb des Prüfungsturnus Unterlagen beim Finanzamt einzureichen“, erklärt Carina Ellinger vom Bayerischen Finanzministerium. Im Rahmen der turnusmäßigen Prüfung werde alle vier Jahre kontrolliert, ob ein Verein seine Mittel satzungsgemäß einsetzt. Beim „Katzentraum“ gab es noch nie Beanstandungen. „Und auch bei uns nicht“, bilanziert Tilman Rieger, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mensch und Tier Ostermünchen, deren Arbeit seit zehn Jahren auch durch Mieteinnahmen mitfinanziert wird.

Die alte Hofstelle in Ried 7 war nicht mehr sanierungsfähig und musste abgerissen werden.

Neues Gebäude muss historischem Hof gleichen

Im Mai 2018 ging der ehemalige Bauernhof in Ried mit 3000 Quadratmetern Land in einem Bieterverfahren für 635 000 Euro an den Verein „Katzentraum“. Da sich die Sanierung der historischen Gebäude aus dem Jahr 1887 als weitaus teurer als ein Neubau erwies, beantragte der Verein Abriss und Neubau der Gebäude. Dem gab der Bruckmühler Bau-, Umwelt- und Vergabeausschuss mit 9:1 Stimmen das gemeindliche Einvernehmen. Mit einer Bedingung: Zur Wahrung der Kulturlandschaft sollte das neue Gebäude dem historischen Hof in Gestalt und Größe gleichen.

Das Landratsamt genehmigte das nach Paragraph 35 „Bauen im Außenbereich“ des Baugesetzbuches privilegierte Bauvorhaben. „Das der Abriss des Bestandsgebäudes und der Neubau des Hofes mit vier Wohnungen genehmigt wird, hat uns überrascht“, sagt Bürgermeister Richard Richter, denn die Marktgemeinde selbst verfolge bei der Wohnbebauung im Außenbereich eher eine konservative Linie.

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Am 30. November begannen die Bauarbeiten für den „Gnadenhof“. Das Projekt kostet insgesamt etwa 2,4 Millionen Euro. Über eine Aufschlüsselung, welcher Bereich wie viel kostet, verfügt der Verein nicht. Seine Aufgabe ist es, den alten Bauernhof in seiner ursprünglichen Gestalt und wirtschaftlich sinnvoll aufzubauen.

Der neue Gnadenhof gleicht dem einstigen Bauernhaus. Er wird wieder in L-Form gebaut.

Finanziert wird der Neubau über einen Kredit von 1,5 Millionen Euro und Spenden. Der Kredit wurde dem Verein „Katzentraum“ auf Grundlage eines Finanzplanes gewährt, dessen Fundament nicht nur die Sicherheit eines 3000 Quadratmeter großes Grundstückes ist, sondern auch der Nachweis über die Wirtschaftlichkeit des Vereins in den vergangenen Jahren. „Den vielen Menschen, die unsere Arbeit mit ihren Spenden unterstützen, kommt hier eine große Bedeutung zu“, ist Renate Holland dankbar. Über Jahre wurden so bereits 640 000 Euro für das neue Domizil angespart.

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