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Brennernordzulauf: Aiblinger sorgen sich um Harthauser Filze

Viele interessante und ausgesprochen konstruktive Gespräche gab es an den Schautafeln. Stache

Verhältnismäßig entspannnt und konstruktiv war die Stimmung beim Infomarkt der Deutschen Bahn zum Thema Brennernordzulauf im Bad Aiblinger Kurhaus. Die drei an Bad Aibling vorbeilaufenden Trassenvarianten wurden ausgiebig erläutert. Die Nähe zur Harthauser Filze bereitete einigen Bürgern jedoch Sorge

Bad Aibling – Im Vergleich zur Vorjahrsveranstaltung zeigten sich die Bürger sehr aufgeschlossen und traten oftmals in einen konstruktiven Dialog mit den DB-Vertretern.

Von den fünf im lange währenden Prozesse verbliebenen Trassen betreffen drei die Kurstadt: Türkis, Gelb und Oliv. Alle drei verlaufen dabei östlich von Rosenheim und knüpfen bei Niederaudorf an die bestehende Strecke im Inntal an. Im Norden verbinden sich die drei Trassen dann entweder bei Großkarolinenfeld oder bei Aubenhausen/Ostermünchen.

Verknüpfungsstellen im Fokus

„An Verknüpfungsstellen werden Neubau- und Bestandsstrecke miteinander verbunden“, erklärte Thorsten Gruber (DB Netz). Züge können hier von der einen auf die andere Strecke wechseln und so an Bahnhöfen der Bestandsstrecke halten. Im Süden wiederum unterscheiden sich die drei Varianten durch die Tunnelanteile. Bad Aibling ist bei diesen Trassen auf seiner östlichen Seite tangiert. Die Neubaustrecke kommt dabei über Jarezöd und Moos und führt zwischen Harthausen und der Harthauser Filze bei Lohholz über die RO13, die Eisenbahnstrecke und die Mangfall in Richtung Aiblinger Au und Schlarbhofen bevor sie bei Pang ins Inntal verläuft.

Stadtrat vollständig zugegegn

An unzähligen Trassenkarten, Stellwänden und Monitoren beantworteten DB-Mitarbeiter die Fragen der Bürger und erläuterten den aktuellen Planungsstand. Zu Beginn zeigt sich auch der fast komplette Aiblinger Stadtrat zugegen. „Wir wollten uns geschlossen vor der Stadtratssitzung über den aktuellen Stand erkundigen“, meinte Bürgermeister Felix Schwaller (CSU), der im Gespräch mit Gruber die Notwendigkeit eines schnellen Neubaus betonte und sich sogleich auch den Trassenverlauf vorbei an Bad Aiblings östlicher Seite näher anschaute.

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Gruber verwies bezüglich des Tempos auf das Planungsbeschleunigungsgesetz, das dabei hilfreich sei. Für Erwin Kühnel (CSU), zweiter Bürgermeister, kommt als Favorit die „Variante Violett“, die über Stephanskirchen führt, in Betracht.

Die Mehrheit der Bürger konzentrierte sich auf die Aiblinger Varianten. Dabei hörte man allerorts Fragen. Wie und wo führt die Trasse genau vorbei, ist das hier überhaupt möglich oder zerschneiden wir hier nicht wertvolle Moorflächen?“ Besonders den Verlauf Nähe der Harthauser Filze konnte der eine oder andere nicht so recht verstehen. „Wieso zerschneidet man hier wertvolle Moorflächen“ war ein Vorwurf. Ein älterer Mann meinte bedrückte: „Da wandere ich jetzt jeden Tag hindurch – und das soll bald nicht mehr möglich sein?“

Trassenverlauf genau verfolgt

Dem entgegnete Alexander Buchner (DB), dass nun erst die vertieften Planungen sämtlicher fünf Varianten erfolgen. „Es werden Bauwerkspläne für Brücken oder Tunnel erstellt, die Höhenlagen ermittelt und der Trassenverlauf genauer festgelegt.“ Deshalb schauten viele Aiblinger ganz besonders auf den Trassenverlauf, der an Touchscreen-Monitoren verfolgt werden konnte.

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Auch über Bad Aibling hinausgehende Fragen kamen auf, die sich auch deutlich an den Rückmeldungen auf den Pinwänden am Ausgang abzeichneten: „Wo entstehen denn überhaupt die Verladerampen für den Güterverkehr?“ Laut Gruber existieren diese schon, etwa in München-Riem und Wörgl, aber auch beispielsweise in Regensburg. Doch die überwiegenden Verladungen finden nach seinen Worten auch nicht in und um München statt, sondern schon im Norden oder Osten Deutschlands. Oder direkt bei den Industriekonzernen wie heute schon bei Audi in Ingolstadt oder BMW in Dingolfing.

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Viele Fragen und Rückmeldungen betrafen auch die generelle Politik und Lebensweise: „Eine verkehrte Steuerung“ attestierte eine jüngere Frau der Bahn und kritisierte auch die Aufgabe der „Rollenden Landstraße“ in Regensburg vor einigen Jahren. „Österreich muss einfach entlastet werden“, forderte eine weitere engagierte Bürgerin.

Den Warenverkehr durch höhere Preise reduzieren und unnützen Warenverkehr in Frage stellen waren weitere Anliegen bei den Rückmeldungen. Immer wieder stand die Forderung nach Untertunnelungen im Raum.

Untertunnelung nicht ausgeschlossen

So stand es auch auf der Pinwand: „Alles, was geht, untertunneln!“ „Dort, wo sie zwingend notwendig sind, wurden sie bereits eingeplant, wie bei der Variante Türkis bei Oberaudorf“, meinte Alexander Buchner (DB). Das heißt nach seinen Worten aber keinesfalls, dass es nicht weitere Untertunnelung geben kann. Die nächsten Planungsmonate- und -schritte würden hier weitere Klarheit bringen.

Am Ende der vertieften Planung stehe dann auch eine erste Kostenschätzung. Der Bund finanziere das Projekt voll und auch die EU steuere hier erhebliche Mittel bei, wie beim Brennertunnel selbst. Von den zehn Milliarden Euro Gesamtkosten finanziere die EU alleine vier Milliarden Euro.

Fragen nach favorisierter Variante

Immer wieder wollten Bürger von Gruber auch wissen, welche der fünf Varianten favorisiert beziehungsweise welche seiner Einschätzung nach kommen wird. „Sie sind alle gleichwertig“, meinte der Bahnexperte, der sich nicht festnageln ließ. Überall lauerten noch, wie er bekundete, Hindernisse. Einmal seien es der Seeton und die Grundwasserströmung, ein anderes Mal der hohe Wasserdruck, dann wieder die Nähe zu Siedlungsgebieten und Gebäuden. Auch die Flora-Fauna-Habitate würden hier und dort berührt.

Ein Aspekt kam mehrfach in der Diskussion zur Sprache: Die Region würde von dem Großprojekt beim Nahverkehr in erheblichem Maße profitieren und auch in der rund zehnjährigen Bauphase blieben immense Gelder im Mangfall- und Inntal. Das sieht auch Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller so und teilte Grubers Auffassung: „Der Nahverkehr wird einen immensen Aufschwung erleben“.

Auf den Rückmeldungspinwänden wurden die Informationen an diesem Tag als hilfreich und komplex bezeichnet, auf einer der Karte stand aber auch „Nur der Bundesverkehrsminister fehlte als Schuldiger“. Am Ausgang war außerdem ein kleiner Stand positioniert, den die Bürgerinitiative „Nordzulauf Kolbermoor“ aufgestellt hatte.

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