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Brenner-Nordzulauf: Tuntenhausener Landwirte in Existenzängsten

Die Brenner-Nordzulaufstrecke beschäftigt die Ostermünchner Bürger, das zeigte sich am großen Zulauf beim Infomarkt der Bahn. Dabei wurd vor allem auch deutlich: Zukunftsängste machen sich vor allem bei Landwirten breit.

Ostermünchen – Türkis, Blau und Violett, drei Farben, die den Ostermünchnern Kummer, teilweise sogar Angst, bereiten. Mit diesen Farben sind die drei möglichen Trassen, von insgesamt fünf, die das Tuntenhausener Gemeindegebiet tangieren, bezeichnet. Die Ängste sind offensichtlich erheblich, denn um Ostermünchen sind die oberirdischen Verknüpfungspunkte vorgesehen. Einschnitte in die Landschaft sind damit unumgänglich. Vom Verlust der Arbeitsgrundlage, sprich Feldern, für die Landwirte ganz zu schweigen.

Verknüpfungspunkte und Trassenführung

So war es klar, dass sich die Fragen und Diskussionen in der Hauptsache auf die Verknüpfungspunkte und die Trassenführung bezogen. „Im Gegensatz zum letztjährigen Markt waren die Diskussionen aber sachlich und lokal bezogen“, betonte Franz Lindemair, Bahn-Sprecher.

Mit dabei waren auch Landtagsabgeordneter Otto Lederer, Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) und viele Gemeinderäte. Besonders Weigl war stets umringt und neben den Bahnvertretern der am meisten aufgesuchte „Ratgeber“.

Landwirte fühlt sich von Bahn umzingelt

Gemeinderat Hans Thiel (CSU/FWG) brachte es gleich zu Beginn des Infomarktes auf den Punkt: „Viele Bauern bei uns trifft es hart“, wobei ihm Christian Tradler (DB) durchaus Recht gab: „Bei jeder Trasse gibt es Betroffenheiten.“ Dabei verwies er auf die nun folgende „vertiefte Phase“, bei der man konkret untersucht, wo die Trasse möglichst unschädlich verlaufen kann.

Dazu der Tuntenhauser Landwirt Klaus Bartl: „Ich bin mit und neben der Bahn aufgewachsen, aber jetzt hab ich sie dann an allen Seiten und das ist zu viel“, meinte er resignierend.

Andi Neichl, Landwirt aus Hörmating, dachte globaler, für ihn ist die Politik schuld, die zu viel Güter auf die Straße lässt. Er monierte: „Warum müssen wir ständig nach Italien und wieder zurück fahren?“ Ob der Neubau überhaupt nötig ist, bezweifelte Bartl. Für ihn ist das autonome Fahren von Lkw auf Autobahnen die Zukunft. Tradler widersprach ihm hier, da trotz autonomer Fahrweise hohe CO2-Emissionen entstünden, anders als bei einem Güterzug.

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Eine Bäuerin aus Brettschleipfen beklagte den Flächenfraß vehement, nachdem ihr gesamter Grund zerschnitten würde, zumindest nach den bisherigen Grobplanungen. „Das sollten wir unter allen Umständen vermeiden“, forderte Georg Weigl.

„Vier Bauern sind hier existentiell bedroht“, legte Hans Thiel gegenüber den Bahnvertretern nach. Ob dieses Problem mit Untertunnelungen zu heilen ist, blieb offen. Das Thema Untertunneln jedenfalls war in den über vier Stunden Infomarkt allgegenwärtig. So auch bei Otto Lederer: „Großkarolinenfeld und Tuntenhausen sind die einzigen Gemeinden, wo es keine Untertunnelungen gibt“, meinte er und forderte, möglichst viel unter die Erde zu bringen.

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Auch Weigl sah dies so: „Tunnel, Tunnel, Tunnel“, forderte er unmissverständlich und damit sprach er den Bürgern aus der Seele. „Es reicht schon, wenn in der ganzen Bauphase unsere Landschaft verschandelt wird“, meinten viele.

Breiten Raum nahmen deshalb auch die Verknüpfungsstellen ein. Kommen sie bei Weiching/Ostermünchen, Aubenhausen oder Riederbach? „Nicht jede Verknüpfungsstelle ist bei jeder Variante möglich“, klärte Torsten Gruber, DB-Gesamtprojektleiter, auf. „Die Planungen enden immer mit einer Verknüpfungsstelle“, legte Alexander Buchner (DB) klar.

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Das würde aber im Beispiel der Variante Gelb, bei der die Verknüpfung bei Riederbach (südlich Tattenhausen) erfolgt, bedeuten, dass hier die Planungen enden und Ostermünchen mehr oder minder dann von der Planung Grafing-Ostermünchen, die erst im Anlaufen ist, betroffen ist. Dabei könnte die neue Trasse dann auch östlich von Ostermünchen verlaufen.

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Kurz vor Ende des Infomarktes kam vereinzelt auch noch die Frage nach einer Bürgerinitiative auf, um dem Bürgerwillen mehr Nachdruck zu verleihen. „Wir wollen mitreden und mitgestalten wo es geht, aber nicht grundsätzlich verhindern“, war dabei der Tenor von Bürgermeister Weigl, der auch auf die Regionalforen verwies, in denen die Gemeinde bereits mit drei Personen ihre Sichtweise einbringt.

Noch lange mit Fragen bombardiert

So verlief die Zeit (vier Stunden waren anberaumt) viel zu schnell. Während schon abgebaut wurde, wurden Gruber und Weigl immer noch mit Fragen bombardiert. Ein deutliches Zeichen, wie sehr das Thema Ostermünchen und seine Bürger in den Bann zieht. Schließlich waren auch, trotz tropischer Hitze und ohne Getränkeversorgung, über 300 Bürger in der Schulturnhalle.

Trotzdem lief alles sehr konstruktiv ab wie Christian Tradler betonte. „Realistisch und konstruktiv“, bezeichnete auch Bernd Reiter (DB-Planungsbüro) die Veranstaltung. An der Feedbacktafel lasen sich die Kommentare entsprechend. Dort stand unter anderem: „Fachkundig“, „objektive Info“ und „klare Antworten“.

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