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Romantik in der Kurstadt?

Brautmode-Expertin bis Pfarrer: Diese Erfahrungen haben Bad Aiblinger mit Liebesbriefen gemacht

Klare Ansage: In diesen Briefkasten an der Bad Aiblinger Bahnhofstraße sollen kaut Aufforderung eines Unbekannten „nur Liebesbriefe“ eingeworfen werden.
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Klare Ansage: In diesen Briefkasten an der Bad Aiblinger Bahnhofstraße sollen kaut Aufforderung eines Unbekannten „nur Liebesbriefe“ eingeworfen werden.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Die Aufforderung ist deutlich: „nur Liebesbriefe“ – diese zwei Worte hat eine unbekannte Person auf den Briefkasten an der Bahnhofstraße 16 geschrieben. Und dahinter ein Herzchen platziert. Doch wie offen sind die Bad Aiblinger für romantische Liebesbekundungen auf dem Postweg? Wir haben nachgefragt.

Bad Aibling – Nur rund 100 Meter vom Liebes-Briefkasten entfernt – an der Bahnhofstraße 7 – hat eine absolute Expertin für Romantik ihren Laden. Christine Eyrainer (29) berät Kundinnen in ihrem Geschäft „Freudentränen – Dein Brautladen“ rund ums Thema Mode für den schönsten Tag im Leben.

Christine Eyrainer, Inhaberin eines Geschäfts für Brautmode.

Sie selbst ist bereits unter der Haube – hat aber nach eigenen Angaben noch nie einen Liebesbrief von ihrem Mann bekommen. „An den Feiertagen bekomme ich von ihm zwar hin und wieder Karten mit liebevollen Formulierungen“, verrät die 29-Jährige, „ein richtiger Liebesbrief war aber noch nicht dabei“.

Emotionen zu Papier gebracht

In ihrer Jugendzeit habe sie einmal einen Liebesbrief bekommen. „Das fand ich richtig süß“, erinnert sie die Expertin für Brautmode zurück. Allerdings habe der Liebesbrief letztlich nicht zu einer Beziehung geführt. Doch was macht für Eyrainer ein klassischer Liebesbrief eingentlich aus? „Er muss auf jeden Fall per Hand geschrieben sein“, sagt die 29-Jährige und ergänzt: „Man muss an der Handschrift schon erkennen, wie viele Emotionen und Gefühle der Verfasser hineingelegt hat.“

So wie es Künstlerin Rayka Emmé aus Bad Aibling bei zahlreichen Liebesbriefen, die an ihre Mutter Ingrid Lasberg adressiert waren, feststellen konnte. Geschrieben hatte die Briefe Günther Thoma, den Lasberg 1942 in Odessa in der heutigen Ukraine kennen und lieben gelernt hatte. Eine Liebesgeschichte ohne Happy End – denn Thoma hatte letztlich während des Zweiten Weltkriegs den Tod gefunden.

Rayka Emmé, Künstlerin aus Bad Aibling.

Auch heute tobt dort wieder ein Krieg – weshalb Emmé findet: „ Der Welt würde es guttun, wenn mehr Liebesbriefe geschrieben würden“, sagt die 74-Jährige. „Sie geben den Menschen Halt und die Möglichkeit, ihren Sorgen kurzzeitig zu entfliehen.“

Sie selbst kann sich noch gut an ihre Jugendzeit erinnern, „wo immer wieder Briefe zwischen Verliebten hin- und hergegangen sind“. Mit ihrem Mann schreibt sich die Künstlerin aus der Kurstadt zwar keine Liebesbriefe, aber: „Es gibt natürlich Zettel mit kleinen Liebesbekundungen, die wir dem anderen dann beispielsweise in den Terminplaner stecken.“

Auch für sie steht außer Frage, dass ein richtiger Liebesbrief handschriftlich – im Idealfall mit einem Füller – verfasst werden muss. Ein Detail, dass auch vor Jahrzehnten eine Rolle gespielt hat, wie Emmé anhand eines Briefs von Günther Thoma an ihre Mutter belegen kann. Denn diesen Brief hatte Thoma aufgrund eines defekten Füllers per Schreibmaschine verfasst – „und sich dafür zu Beginn des Briefes bei meiner Mutter gleich dreimal entschuldigt“.

Ob sie per Füller oder an der Schreibmaschine verfasst worden sind, daran kann sich Georg Neumaier (69) nicht mehr erinnern. Ziemlich sicher ist sich der Bad Aiblinger Stadtpfarrer aber, „dass ich früher, in meinem Leben vor der Weihe, Liebesbriefe bekommen und auch geschrieben habe“.

Georg Neumaier, katholischer Stadtpfarrer in Bad Aibling.

Doch auch heute spielen Liebesbriefe im Leben des katholischen Seelsorgers noch eine Rolle – unter anderem manchmal bei Vorgesprächen zu Trauungen, wenn die künftigen Eheleute Details über ihr Kennenlernen verraten. Oder wenn Neumaier in der Heiligen Schrift liest. „Die Bibel ist ja eigentlich ein einzigartiger Liebesbrief Gottes an die Menschen“, sagt Neumaier, der Verliebten nur raten kann, auf der Suche nach der passenden Formulierung in der Heiligen Schrift zu blättern.

Auftragsarbeit einer älteren Dame

Und wie werden die passenden Formulierungen dann bestmöglich zu Papier gebracht? Hier kann wiederum Dirk Gallasch, der in Rosenheim das Kalligraphie- und Papeterie-Fachgeschäft „Scriptorium“ betreibt und an der Volkshochschule in Bad Aibling Kalligraphie-Kurse gibt, weiterhelfen. Schließlich hat er nach eigenen Angaben schon viele Liebesbriefe geschrieben – unter anderem als Auftragsarbeiten.

„Mich freut es immer, wenn beispielsweise eine ältere Dame zu mir kommt, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr so gut Schreiben kann, aber ihren Ehemann mit einem Liebesbrief überraschen will“, sagt der 65-Jährige, der Liebesbrief-Autoren, die Tinte verwenden, unbedingt von Druckerpapier abrät: „Da kann die Tinte schnell verlaufen, was dann nicht schön aussieht.“

Schreibgerät nicht entscheidend

Ob für die romantischen Zeilen letztlich ein Füller oder ein Kugelschreiber verwendet werde, hänge „letztlich davon ab, mit welchem Schreibgerät sich der Verfasser wohler fühlt“. Was hingegen laut Gallasch gar nicht geht: Fehler, die sich während des Schreibens einschleichen, durchzustreichen oder auszubessern. Gallasch: „Da hilft alles nichts – da muss man einfach wieder von vorne beginnen.“

Dirk Gallasch, Kalligraph und Dozent an der Volkshochschule Bad Aibling.

Sachbeschädigung: Das droht den Tätern im schlimmsten Falle

Auch wenn viele Passanten oder Postkunden den Schriftzug „nur Liebesbriefe“ am Briefkasten an der Bahnhofstraße mit einem Augenzwinkern oder einem Lächeln auf den Lippen betrachten, kann ein derartiges „Kunstwerk“ im schlimmsten Fall zu Ermittlungen der Polizei führen, wie Johann Brumbauer, Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, bestätigt. Bei der Sachbeschädigung handelt es sich um ein Antragsdelikt“, so Brumbauer. Diese kann strafrechtlich aber nur verfolgt werden, wenn ein sogenannter Antragsberechtigter – in diesem Falle beispielsweise die Post als Eigentümer des Briefkastens – den vom Gesetz geforderten Strafantrag stellt. Und was winkt einem Übeltäter, der sich für eine Sachbeschädigung vor Gericht verantworten muss? Im Strafgesetzbuch, Paragraph 303, heißt es: „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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