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Brandbrief wird zum Zankapfel

Marlene Retzer auf ihrem Grundstück, dessen Bebauung, die die Gemeinde ablehnt, unter anderem die Zukunft ihrer Kinder sichern soll. Weiter hinten soll aber nach dem Willen des Gemeinderates eine Zimmerei entstehen. Foto Reisner
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Marlene Retzer auf ihrem Grundstück, dessen Bebauung, die die Gemeinde ablehnt, unter anderem die Zukunft ihrer Kinder sichern soll. Weiter hinten soll aber nach dem Willen des Gemeinderates eine Zimmerei entstehen. Foto Reisner

Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für ein 2700 Quadratmeter großes Grundstück im Bereich Grünthal/Fuchsbichl, auf dem ein Zimmereibetrieb entstehen soll (wir berichteten), tut sich die Gemeinde Raubling weiter schwer. Machte die Gefahr einer möglichen Überflutung des Areals bereits ein hydrologisches Gutachten erforderlich, muss der Bauwerber jetzt auch ein Lärmschutzgutachten beibringen.

Raubling - Die einstimmig gefassten Beschlüsse, die der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu diesem Thema verabschiedet hat, sind nach Auskunft von Bürgermeister Olaf Kalsperger vor dem Hintergrund der Möglichkeit gefallen, dass die angedachte Bebauung des Grundstückes zum juristischen Zankapfel werden könnte.

Der Rathauschef bestätigte Informationen der OVB-Heimatzeitungen, denen zufolge ein Brandbrief von Grundstücksnachbarin Marlene Retzer vom 23. November vergangenen Jahres der Grund dafür war, dass die Behandlung des Bauvorhabens im November zu Beginn der Gemeinderatssitzung "auf fraktionsübergreifenden Wunsch" überraschend von der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung gestrichen worden war. Den Brief haben alle Gemeinderäte erhalten.

Retzer wendet sich in dem dreiseitigen Schreiben, das der Redaktion vorliegt, massiv gegen das Vorhaben und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bürgermeister. Er habe Details aus einem vertraulichen Gespräch, das sie mit Kalsperger in dieser Angelegenheit im Rathaus geführt habe, an den Bauwerber weitergegeben, der von ihm "eine regelrechte juristische Beratung" erhalten habe, wodurch er dem Antragsteller "eindeutig einen Vorteil" verschafft habe. Außerdem beklagt sie, dass die Gemeinde die Bebauung des Nachbargrundstücks, das seit mehr als 100 Jahren im Besitz der Familie sei, nach wie vor ablehnt. Deswegen sei sie bestürzt gewesen, als sie vom geplanten Bau der Zimmerei in ihrer Nachbarschaft erfahren habe. "Das klingt ja fast nach moderner Enteignung", schreibt Retzer.

Das Schreiben beschäftigt mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft - allerdings aus einem anderen Grund. In dem Brief ist von Schwarzgeld-Fluss die Rede, der allerdings in keinem Zusammenhang mit der Gemeinde steht. "Da eine mögliche Straftat angedeutet wird, bin ich nach Rücksprache mit meinem Stellvertreter zu der Überzeugung gekommen, dass wir die Staatsanwaltschaft von dem Schreiben in Kenntnis setzen", sagt der Bürgermeister. Kalsperger bestätigt aber Retzers Beteuerung, diesen Vorwurf nicht mehr zu erheben.

Dicke Luft zwischen ihr und dem Rathauschef herrscht dennoch. "Ich rede mit ihr nicht mehr, weil sie einem das Wort im Mund verdreht. Wir haben nur noch über die Anwälte Kontakt", so das Gemeindeoberhaupt. Retzers Vorwürfe nennt Kalsperger haltlos. Die Gemeinde handle nach Recht und Gesetz und unterziehe das Vorhaben "umfangreichen Prüfungen" - nicht zuletzt angesichts des schwelenden Konfliktes. "Wir beschäftigen vereidigte Gutachter und haben ein Interesse daran, dass mögliche Gefahrenquellen im Genehmigungsverfahren realistisch benannt werden", betont der Bürgermeister. Der Gemeinderat habe deswegen in seiner jüngsten Sitzung auch auf die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans verzichtet, die noch aussteht. "Das machen wir gegebenenfalls alles in einem Zug", so Kalsperger. Er kann sich vorstellen, dass der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan trotz aller Schwierigkeiten noch im ersten Quartal dieses Jahres gefasst wird. "Wenn das wider Erwarten nicht geht, dann bleibt die Fläche eine Wiese, und wir ändern auch den Flächennutzungsplan nicht. Da sind wir uns im Gemeinderat einig", sagt der Bürgermeister.

Marlene Retzer fühlt sich jedenfals vom Bürgermeister und den Gemeinderäten ein wenig im Stich gelassen. Die anvisierte Bebauung auf dem Nachbargrundstück und die Verweigerung des Baurechts für ihr eigenes nennt sie eine "Ungerechtigkeit", gegen die sie sich wehren will. Ihr Anwalt habe jetzt erst einmal Akteneinsicht gefordert, so Retzer. Wenn die erfolgt sei, werde über das weitere Vorgehen seitens ihrer Familie entschieden.

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