AUS DEM GERICHTSSAAL

Blutprobe überführt Autoknacker

Weil er in Bruckmühl ein Wohnmobil aufgebrochen hatte, stand ein 20-jähriger Litauer vor dem Jugend-Schöffengericht in Rosenheim. Dieses schickte ihn für acht Monate hinter Gitter. Es war nicht die erste Haftstrafe des jungen Erwachsenen.

Rosenheim/Bruckmühl– Die Angaben des Mannes aus Kaunas in Litauen über seinen Lebensweg waren widersprüchlich. So bezeichnete er sich als Maurerlehrling im zweiten Lehrjahr. Die Ausbildung habe er im Jahre 2015 in Deutschland begonnen. Allerdings wurde er im selben Jahr wegen mehrfacher Einbruchsdelikte in Hannover festgenommen und dort zu 18 Monaten Jugendstrafe verurteilt, die er nach eigenen Angaben zur Gänze abgesessen habe.

Wenn dies korrekt ist, dann kann der 20-Jährige während seines Gefängnisaufenthaltes kein Vorzeigehäftling gewesen sein. Denn oft werden Jugendliche bereits nach Verbüßung der Hälfte oder zwei Dritteln der Haftzeit auf Bewährung entlassen.

Nach der Haftentlassung zog der Litauer nach Oberbayern und kam bei einem Landsmann in Bruckmühl unter, der wegen Drogendelikten amtsbekannt ist. Auch der 20-Jährige gab an, über mehrere Jahre Drogen, im wesentlichen Heroin und Cannabis, konsumiert zu haben.

Der Vorsitzende Richter Hans-Peter Kuchenbaur wollte wissen, mit welchen Mitteln der Litauer seinen Unterhalt und den Drogenkonsum bestritten habe. Mit dem ungefähren Verweis des 20-Jährigen auf Unterstützung durch Freunde und aus der Heimat war das Gericht nicht zufrieden.

DNS bei früherer Verhaftung registriert

Von Februar bis April 2017 waren laut der Aussage eines Sachbearbeiters der Polizei Bad Aibling Autos und in Bruckmühl ein Wohnmobil aufgebrochen worden. Bei diesem Versuch hatte sich der Täter verletzt und die Beamten stellten Blutspuren sicher. Weil die DNS des Angeklagten im Rahmen seiner Festnahme in Hannover sichergestellt worden war, wurde der Delikt in Bruckmühl zweifelsfrei dem Litauer zugeordnet.

Zwischenzeitig hatte sich der Beschuldigte allerdings wieder abgesetzt. In Frankfurt/Main wurde er aber im Rahmen einer Ausweiskontrolle identifiziert und festgenommen. Auch dort wurde wegen Autoeinbrüchen gegen ihn ermittelt.

Vor dem Rosenheimer Gericht erklärte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Ralf Botor, dass sein Mandant umfassend geständig sei. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beschrieb einige Brüche in der Entwicklung des jungen Mannes. Es sei nicht auszuschließen, dass es bei diesem Reifeverzögerungen gebe. Daher könne Jugendrecht zur Anwendung kommen.

Das sah die Vertreterin der Staatsanwaltschaft anders. In ihrem Schlussvortrag erinnerte sie daran, dass der Angeklagte sich seit über drei Jahren alleine in einem fremden Land aufgehalten habe. Deshalb seien Reifeverzögerungen nicht mehr zu unterstellen. Sie beantragte, den Litauer nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. Darüber hinaus verwies sie auf den kurzen Zeitraum zwischen der Haftentlassung und der erneuten Straftat. Diese hohe Rückfallgeschwindigkeit mache eine Aussetzung zur Bewährung unmöglich. Daneben fehle eine positive Sozialprognose.

Der Verteidiger beantragt Bewährung

Rechtsanwalt Botor versuchte dennoch, ein positives Bild des Angeklagten zu zeichnen – trotz des Drogeneinflusses, der Vorverurteilung und der widersprüchlichen Aussagen seines Mandanten. Er beantragte eine Jugendstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Das Schöffengericht erkannte jedoch keine positiven Zukunftsaussichten. Es entschied, dass der junge Mann nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen sei. Denn er sei seit Jahren selbstständig in einem fremden Land unterwegs und treffe seither eigene Entscheidungen. Wegen des Geständnisses und, weil es sich letztlich beim Wohnmobil um einen fehlgeschlagenen Aufbruchsversuch gehandelt habe, entschied das Gericht auf eine Haftstrafe von acht Monaten. Diese wurde jedoch nicht auf Bewährung ausgesetzt.

Weil der 20-Jährige bereits vier Monate in Untersuchungshaft zugebracht hatte, verblieben ihm noch vier Monate im Gefängnis. Nach Beratung mit seinem Verteidiger akzeptierte der Litauer das Urteil. au

Kommentare