Blühendes Bad Aibling als Vorreiter in der Ökomodell-Region

Schulungsleiter Andreas Arnold (rechts) mit einigen der Teilnehmern: Christoph Schwarz, Alexander Schmid, Michael Vormann-Zapf aus Bad Aibling sowie Michael Tichy von der Gemeinde Raubling (von links). Prankl

Bad Aibling blüht, summt und brummt: Als Pilotgemeinde des Landkreises Rosenheim nimmt die Stadt eine Vorreiterrolle im Engagement für Artenvielfalt und Biodiversität ein. Die Partnerkommunen aus der Ökomodell-Region Hochries-Kampenwand-Wendelstein ziehen nach.

Bad Aibling– Seit fünf Jahren schon engagiert sich die Stadt Bad Aibling für mehr Biodiversität: Als Pilotgemeinde des Landkreises Rosenheim bewirtschaftet der Aiblinger Bauhof mittlerweile insgesamt 1,2 Hektar an Blühstreifen und -flächen.

Nun luden die Ökomodell-Region Hochries-Kampenwand-Wendelstein und Andreas Arnold vom städtischen Bauhof Bad Aibling zu einer zweistündigen Praxisschulung im Bereich des Kurparks. Insgesamt 15 Gemeindemitarbeiter der sieben Gemeinden der Öko-Modellregion (Aschau, Bad Aibling, Bad Feilnbach, Frasdorf, Raubling, Rohrdorf und Samerberg) informierten sich umfassend über die Anlage und Pflege von Blühflächen.

Blühflächen mit heimischen Pflanzen

Viele Gemeinden im Landkreis Rosenheim engagieren sich für mehr Artenvielfalt auf den kommunalen Flächen und wollen zum Beispiel Blühflächen mit mehrjährigen und heimischen Pflanzen anlegen. Das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ und die Annahme des Volksbegehrens durch den Landtag im Jahr 2019 haben gezeigt, dass sich viele Bürger sowie die Politik Projekte wünschen, die die Biodiversität fördern. Dies will auch die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein unterstützen und setzt hierbei auf den praxisorientierten Erfahrungsaustausch.

Was allein am Kurpark alles blüht und gedeiht

Vor Ort hießen Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier und die Projektmanagerin der Ökomodellregion, Irmi Prankl, die Teilnehmer willkommen. Gärtnermeister Andreas Arnold berichtete von seinen Erfahrungen mit Blühflächen, die es seit einigen Jahren in der Stadt Bad Aibling gibt. Die Schulung fand im und um den Kurpark statt, wo Arnold seinen Berufskollegen exemplarisch drei unterschiedliche Flächen vorstellte.

Aus dem ersten Schnitt wird Heu gemacht

Soll eine Fläche zur Blühfläche werden, ist es laut Arnold am kostengünstigsten, nicht die ganze Fläche neu anzulegen, sondern nur einzelne Streifen zu fräsen. Auf den Frässtreifen könne man dann je nach Bedarf auch Schotter ausbringen und schließlich die Blühmischung aussäen.

Gemäht werde dann im Juni oder Juli, wenn die Blumen abgeblüht sind. „Aus dem ersten Schnitt wird Heu gemacht, denn dabei springen die Samenkapseln auf, und weitere Samen werden auf der gesamten Fläche verteilt“, so Arnold.

Der Ampfer wird gerne sehr dominant

Es könne aber durchaus vorkommen, dass die ein oder andere unerwünschte Art auftauche. So mussten die Aiblinger Bauhofmitarbeiter in der Vergangenheit zum Beispiel den Ampfer ausstechen. „Er macht sich mit der Zeit sehr breit und samt gewaltig ab – er wird dann sehr dominant“, so Arnold.

Für die Saatgutauswahl sei vor allem der jeweilige Standort entscheidend. Am schönsten und buntesten blühe es aber grundsätzlich an sonnigen Standorten. Die Erfahrung der Aiblinger zeige, dass die ausgebrachte Humusschicht nicht zu dick sein darf, denn sonst wachsen die Pflanzen meterhoch. Das könne dann zum Beispiel zu Problemen bei der Verkehrs- und Wegesicherheit führen.

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Im späten Herbst werden die Blühflächen dann ein zweites Mal gemäht. Wie das Heu beim ersten Schnitt, wird auch das gesamte organische Material vom zweiten Schnitt von der Fläche abtransportiert. Dies verhindere, dass durch die Pflanzenteile zusätzlicher Stickstoff in den Boden eingetragen wird und die Wiese dadurch unnötig fett wird.

„An Straßen- und Gehwegrändern kann es nötig werden, dass ausgemäht werden muss, denn freie Wege und die damit verbundene Sicherheit gehen vor“, so Arnold. Zudem sei es gerade in diesen Bereichen von Vorteil, „streusalztolerante“ Arten auszuwählen.

Wichtig sei darüber hinaus, dass man die Bürger mit ins Boot holt. An die Umstellung der Mähhäufigkeit von früher zehn- bis zwölfmal im Jahr auf nur noch zweimal im Jahr müssten auch sie sich gewöhnen, zumal Wiesen erst im zweiten oder dritten Jahr so richtig bunt blühen.

„Das Engagement zahlt sich aus“

Die anfänglichen Bedenken, dass in den üppigen Blühwiesen viel Müll landet, haben sich bisher nicht bestätigt. „Die meisten Aiblinger erfreuen sich an den Blühwiesen und machen sogar Fotos. Das Engagement zahlt sich insgesamt für die Bürger, die Umwelt und auch für die Gemeindekasse aus.“

Die Mitarbeiter der Bauhöfe der sieben Ökomodell-Region-Gemeinden freuten sich über den Erfahrungsaustausch und nahmen gerne Anregungen für die Flächen in den eigenen Kommunen mit.

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