Blick in die Lampferdinger Geschichte: Schulausfall gab es auch früher schon

Von Süden her gesehen: Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und das ehemalige Schulhaus im Jahr 2019.

Ein Doppeljubiläum feiert Lampferding in diesem Jahr: 900 Jahre Ersterwähnung und 500 Jahre Kirchenbau. In mehreren Folgen blickt unser Autor Thomas Stelzer auf die Entwicklung des Ortes zurück. Heute geht es um die bewegte Geschichte der Lampferdinger Volksschule.

Von Thomas Stelzer

Lampferding – Lange vor der Einführung der Allgemeinen Schulpflicht in Bayern im Jahre 1802 kann man in Lampferding eine gewisse Schultätigkeit nachweisen. So ist in den Matrikeln des hiesigen Pfarrarchivs bereits ab 1669 die Rede von Schulmeistern. Einem Wunder-Buch der Wallfahrt zu Weihenlinden ist für 1730 zu entnehmen, dass „Thomas Aettenberger, Schulhalter zu Lampferding, als er vier Jahr alt ware, kunte noch kein Wort reden...“ mit seiner Mutter dorthin wallfahrtete und am selben Tag noch zu sprechen begann. Wo der Unterricht damals stattfand, ist nicht überliefert. Oft war zu der Zeit das örtliche Mesneranwesen dafür in Verwendung.

Unterricht beim Herrn Pfarrer

Irgendwann war wohl der primitive Unterricht im Filialort zu Ende, und es mussten die Kinder der Gegend in den fünf Kilometer entfernten Pfarrort Emmering zur Schule gehen. Dort wurden sie dann vom Herrn Pfarrer und vom Herrn Kooperator unterrichtet, denn organisiert und kontrolliert wurde das Schulwesen von kirchlicher Seite aus. Der „Geschichte der Pfarrei Emmering“ von Sebastian Hüttl ist für 1803 zu entnehmen, dass „von den 94 schulfähigen Kindern nur 54 in die Schule gehen, denn den einen ist der Weg zu weit, der andere hat keine Schuhe, der Dritte hat kein Brot, jeder hat eine andere Ausrede,“ schrieb Pfarrer Kammerloher.

Lampferding will eine eigene Schule

Bereits 1837 wollten sich die Filialisten verselbstständigen und wenigstens eine Filialschule von Emmering errichten. Dies gelang aber nicht. Ab 1870 wurden von der Gemeinde Lampferding erneut Versuche unternommen, eine eigene Schule zu gründen. Lange Briefwechsel mit dem Bezirksamt Ebersberg folgten. 1876 aber war es dann endlich so weit und in Lampferding konnte man ein eigenes Schulhaus bauen. Es entstand auf einem freien Platz gleich östlich der Kirche. Ein eigener Schulsprengel wurde daraufhin errichtet, der folgende Orte einschloss: Lampferding, Dettendorf, Angelsbruck, Ried, Viecht, Bichl, Schweizerberg, Karlsried, Schlafthal und Knogl.

Das Gebäude kostete die Gemeinde 8000 Mark und hatte im Erdgeschoss eine Lehrerwohnung und im ersten Stock einen großen Schulraum. Am 25. Oktober 1877 war feierliche Einweihung. Der erste Lampferdinger Lehrer war Johann Baptist Burmaier aus Pfaffenhofen am Inn. Er war bis zu seiner Pensionierung 1881 im Ort. Im Jahr 1878 zählte man 42 Werktagsschüler und 25 Feiertagsschüler. Diese hatten nach ihrer Entlassung aus der regulären Schule noch bis zu ihrem 18. Lebensjahr immer sonntags nach der Kirche weiterhin die Schule zu besuchen.

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Bereits 1906 war ein Anbau an das Schulhaus erfolgt, weil auch die Kinder aus Kronau nun in ihrem Gemeindeort zur Schule gingen. Jetzt standen zwei Schulzimmer zur Verfügung. In einem Raum war die Unterstufe, also Klasse eins bis vier, und in dem anderen Raum war die Oberstufe mit den Klassen fünf bis acht untergebracht. Erst 1936 wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet.

Im Zweiten Weltkrieg mangelte es an vielen Dingen des täglichen Gebrauchs. So berichtet die Lampferdinger Schulchronik, dass im Oktober 1942 der gesamte Schulbetrieb in das kleinere Klassenzimmer verlegt werden musste, weil der Ofen im großen Schulzimmer nicht mehr funktionierte.

Wechselunterricht während des Krieges

Es gab aber sowieso „Wechselunterricht“, weil während des Krieges meist nur ein einziger Lehrer an der Schule war. Also gingen die einen Kinder nur montags, mittwochs und freitags und die anderen dienstags, donnerstags und samstags zur Schule. Die Weihnachtsferien wurden vorgezogen und begannen schon am 14. Dezember, da man Heizmaterial sparen musste. 1943 gab es sogar Ende September eine Woche Ferien, wegen der Kartoffelernte. Es wurden alle Hände gebraucht.

Die Schülerzahlen stiegen 1947/48 auf 120 an, denn es kamen viele Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene in die kleine Gemeinde Lampferding am Südende des Landkreises Ebersberg.

Wer glaubt, dass es wegen einer Seuche im aktuellen Jahr 2020 erstmals zu Schulschließungen gekommen ist, der irrt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bescherte eine Seuche den Kindern in Lampferding schulfreie Tage. Bei etwa zehn Bauern in Dettendorf und Kronau brach nämlich 1951 die Maul- und Klauenseuche aus, und die Kinder aus den betreffenden Gehöften durften eine Zeit lang nicht in die Schule gehen. Kurzzeitig war die Schule komplett geschlossen.

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Eine Turnhalle oder Ähnliches war an der Schule nicht vorhanden. Während des Krieges gab es einen kleinen Sportplatz östlich des „Wimmer“, der aber dann nicht mehr genutzt werden konnte. Erst ab 1968 konnte die Gemeinde eine Wiese östlich des Schulhauses pachten und für einen einfachen Sportplatz herrichten.

1961 kam ein junger ehrgeiziger Lehrer aus dem Schwäbischen an die kleine Dorfschule Lampferding, an den noch viele Einheimische ihre Erinnerungen knüpfen: Franz Josef Gaßner. Er wohnte in der Lehrerwohnung, gründete hier seine Familie und machte Karriere. Er legte seine zweite Prüfung 1963 ab und wurde unter anderem Ausbildungslehrer und Seminarleiter für die Landkreise Aibling und Wasserburg.

Gaßner engagierte sich sehr in der katholischen Kirche und bespielte viele Jahre die Lampferdinger Kirchenorgel. Im Jahr 1970 berief ihn die Regierung von Oberbayern nach München, wo er die Aufgaben eines Schulrates in der Schulabteilung wahrnahm. Später wurde er deren Leiter. Ab etwa 1964 begannen die Planungen, die vielen kleinen Dorfschulen zusammenzufassen und zu zentralisieren.

Landschulreform nannte man diesen Vorgang. Jede Jahrgangsstufe sollte in einem eigenen Klassenzimmer unterrichtet werden. Da Lampferding nicht wie andere Orte nach dem Krieg verstärkt Bauland auswies, sondern ein kleines Dorf blieb, stand der Schulstandort zur Diskussion. 1967 zählte man 75 Schüler in Lampferding. Die Regierung von Oberbayern schlug vor, die Lampferdinger Kinder auf Emmering und Aßling aufzuteilen. Aßling lehnte aber ab.

Grundschüler sollen nach Ostermünchen

Die hiesigen Eltern wollten ihre Kinder lieber in der Grundschule der Gemeinde Tuntenhausen in Ostermünchen und in die Hauptschule Beyharting schicken. Die Schule Lampferding sollte mit ihren beiden Schulräumen noch weiter benutzt werden, da sie vor kurzem renoviert und neu ausgestattet worden waren.

Ebenso wurden Garagen gebaut und der Hof geteert. 1969 wurde schließlich die „Volksschule Lampferding“ aufgelöst, und der Wille des Elternbeirates wie gewünscht berücksichtigt. So kam es, dass beispielsweise Tuntenhausener und Ostermünchner Kinder in die Lampferdinger Schule gingen und dadurch der Schüler Otto Lederer, seit diesem Jahr Landrat des Landkreises Rosenheim, 1976 in Lampferding eingeschult wurde.

Nach 104 Jahren endet Schulgeschichte

Der Unterrichtsbetrieb endete endgültig in Lampferding im Frühjahr 1981 nach fast 104 Jahren. Fast alle Kinder fahren seitdem nach Ostermünchen in die Schule. Da außerdem der Schulsprengel aufgelöst und der neuen Gemeindegrenze von 1978 angepasst wurde, bedeutete das für die Kronauer und Angelsbrucker Kinder den Verlust der Schulkameraden. Sie mussten ab da nach Emmering und Aßling fahren. Die letzten Lampferdinger Lehrer waren Luitgard Mühlegger und Felix Hollmann. Das Schulhaus wurde von der Gemeinde Tuntenhausen an einen privaten Interessenten verkauft.

Wegen der aktuellen Corona-Epidemie können zur Zeit leider keine der geplanten Feierlichkeiten zum Lampferdinger Doppeljubiläum stattfinden. Die aktuellsten Informationen zu den Terminen finden Interessenten auf der Lampferdinger Homepage.

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