Ein Blick hinter die Kulissen einer Vagener Familie: Homeoffice und Schlagzeug-Proben

Die Vagenerin Mascha Rehbeinwürde die Tür zu ihrer Familienwerkstatt gern wieder öffnen.

Die Schulen sind zu, keine Mittagsbetreuung vor Ort und ihre ortsansässige Familienwerkstatt ist durch die Corona-Krise ohnehin geschlossen. Stattdessen ist Mascha Rehbein jetzt mit ihrem Vollzeitjob als Mama, Hausfrau, Animateurin, Lehrerin und Seelsorgerin mehr denn je ausgefüllt.

Von Jeannette Wolf

Vagen – „Puh, das ist ein ganz schöner Spagat, der ziemlich an den Kräften zehrt: Essen, Geschirr, Wäsche, aber auch Chaos und Konflikte – alles verdoppelt sich gefühlt gerade, wenn wir alle vier zusammen sind. Meine mütterliche Präsenz ist quasi permanent gefragt. Eigentlich bräuchte der Tag gerade fünf Stunden mehr, und mein Kräfte-Akku einen Supercharger“, beschreibt die 43-Jährige.

Das erste Mal so oft so eng beieinander

Für die Rehbeins ist es das erste Mal, seitdem die Kinder auf der Welt sind, dass sie unter den gegebenen Umständen über einen so langen Zeitraum beieinander sind. „Anfangs brauchte es etwas Zeit, aber jetzt läuft es ganz gut“, gibt Mascha Rehbein zu.

Ihre Familie – das sind ihr Mann Michael und die beiden Kinder, Veronika (8 Jahre, dritte Klasse) und Xaver (11 Jahre, fünfte Klasse, Gymnasium). Der sympathischen Vagenerin ergeht es wie vielen anderen Eltern auch in der Corona-Krise.

Wichtig ist eine Tagesstruktur

Da die Kinder seit einigen Wochen zu Hause lernen müssen, ist ein geregelter Tagesablauf besonders wichtig. „Es hat sich für unsere Familie als gut herausgestellt, dass wir um 9 Uhr gemeinsam frühstücken und uns fertigmachen, so als würden wir aus dem Haus oder in die Schule gehen“, erklärt Mascha Rehbein den Start in den Tag.

Lernen nach Lust und Laune

Dann beginnen die Schulaufgaben. Michael Rehbein hat im Arbeitszimmer seine ersten Videokonferenzen im Homeoffice. Und die Mutter widmet sich ihren Kindern und dem Homeschooling: „Die Kinder dürfen mit dem Schulstoff beginnen, auf den sie Lust haben oder auch Schulstunden tauschen“, erzählt sie. So können Xaver und Veronika das lernen, wofür sie ein Lernfenster offen und worauf sie gerade Lust haben, „denn wir wissen alle, dass es sich mit Interesse viel leichter lernt“, stellt Mascha Rehbein fest.

Auch im Haushalt gibt es Lernstoff

Neben dem Schulischen lernen die Kinder nun auch im Haushalt ganz alltägliche Dinge. „Vroni kann mittlerweile selbst Kuchen backen, rechnet die Rezepte dafür um, hat sogar schon ein kleines Mittagessen zubereitet und außerdem gelernt, mit der Bohrmaschine umzugehen.“

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Von ihrem Bruder erfuhr sie, welche Knoten am besten halten, und wie stark das Gefälle einer Seilrutsche sein muss, damit sie funktioniert oder wie das Kondenswasser am Gewächshaus entsteht.

Tag braucht Be- und auch Entlastung

Aufgelockert wird der Tag mit dem gemeinsamen Mittagessen, kurzen Lernpausen und Spielen im Garten. Am Nachmittag steht dann „Musikunterricht“ auf dem Programm. „Der Schlagzeugunterricht findet via Skype statt, allerdings müssen sich die Kinder mit ihrem Papa abstimmen, damit ihr Getrommel nicht seine Videokonferenzen sprengt“, erzählt Mascha Rehbein schmunzelnd.

Corona-Krise sorgt für Existenzangst

Obwohl daheim alles gut läuft, spürt auch sie in diesen Tagen eine gewisse Existenzangst: Ihre Familienwerkstatt „LöwenzahM“ ist geschlossen. Die „Fenkid-Eltern-Kind-Gruppen“ dürfen nicht stattfinden. Und für online-Familienberatungen bleibt ihr keine Zeit. „Aber letztlich lebt meine Arbeit ja auch vom echten Kontakt“, bedauert Mascha Rehbein.

Soforthilfe für Selbstständige

Sie hat bei der Regierung von Oberbayern einen Soforthilfeantrag gestellt, um ihre laufenden Geschäftskosten decken zu können. Der Vermieter ist ihr mit der Miete entgegengekommen. Und so lebt sie wie alle Familien mit der Corona-Krise und der Hoffnung auf ihr baldiges Ende.

Auf Selbstfürsorge achten

Die Vagenerin Mascha Rehbein ist Ergotherapeutin, familylab-Familienberaterin und -Seminarleiterin sowie Fenkid-Kursleiterin. Im Interview erklärt sie, wie es gelingt, die Corona-Krise als Chance für ein gestärktes Familienleben zu nutzen.

Homeoffice und Homeschooling – bei vielen Familien liegen die Nerven schon blank. Was empfehlen sie ihnen?

Mascha Reihbein: Die Eltern-Kind-Beziehung darf durch das Homeschooling nicht kaputtgehen. Ein gutes, vertrauensvolles und liebevolles Miteinander ist viel wichtiger als die einzelnen Arbeitsblätter. Wenn es da immer wieder kracht, dann muss man den Druck rausnehmen, miteinander reden und voneinander lernen.

Leiden die Umgangsformen unter dem coronabedingten Mehr an Familienzeit?

Reihbein: Wir befinden uns sozusagen gerade in einem Intensiv-Kurs in Sachen „Welche Umgangsformen möchten wir in unserer Familie leben“, und das kann eine riesige Chance sein, aber natürlich auch eine große Herausforderung.

Was können Eltern tun, wenn sie an ihre Grenzen geraten?

Reihbein: Eine gute Selbstfürsorge ist sehr wichtig und zwar so rechtzeitig wie möglich. Ich weiß, wie schwer es ist, in diesen außergewöhnlich belastenden Zeiten gut für sich zu sorgen – so, dass einen die innere Zufriedenheit nicht gänzlich verlässt.

Gerade jetzt ist es wichtig, jeden Tag auf sich zu schauen und sich etwas Gutes zu tun, sei es auch nur ganz kurz. Die Tasse Kaffee ungestört zu trinken, ein Bad zu nehmen, Sport zu machen oder den Vögeln im Garten zuzuschauen – also irgendetwas zu tun, was den eigenen Akku wieder aufladen kann.

Denn nur so brennen wir selbst nicht vollständig aus und können uns liebevoll unseren Kindern gegenüber verhalten. Kurz gesagt: Geht’s den Eltern gut, geht’s auch den Kindern gut.

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