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Nachruf

„Sie war ihrer Zeit voraus“: Feldkirchen-Westerham nimmt Abschied von langjähriger Gemeinderätin Gisela Lange

Gisela Lange, langjährige Feldkirchen-Westerhamer Gemeinderätin, ist im Alter von 83 Jahren verstorben.
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Gisela Lange, langjährige Feldkirchen-Westerhamer Gemeinderätin, ist im Alter von 83 Jahren verstorben.
  • VonManfred Merk
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Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham trauert um Gisela Lange. Am 21. Juni verstarb sie im Alter von 83 Jahren. Am Donnerstag, 7. Juli, nahmen Familie, Freunde und Weggefährten von ihr Abschied. Was von einer Westerhamer Persönlichkeit bleibt.

Feldkirchen-Westerham – Die Verstorbene gehörte von 1984 bis 2006 dem Gemeinderat Feldkirchen-Westerham an. Im Jahre 2007 erhielt sie in Anerkennung ihrer Verdienste die Bürgermedaille der Gemeinde Feldkirchen-Westerham und 2008 die Kommunale Dankurkunde. Gisela Lange war zwölf Jahre auch Mitglied des Kreistages.

Große Förderin des Kulturherbstes

Neben den Ausschüssen des Gemeinderates gehörte sie zudem vier Jahre dem Büchereikuratorium an und war eine große Förderin des Kulturherbstes der Gemeinde. „Wir verlieren mit ihr eine überaus geschätzte Persönlichkeit, die sich mit Kompetenz, gesundem Menschenverstand und Weitsicht im Gemeinderat einbrachte“, erinnert Bürgermeister Hans Schaberl an ihr enormes Engagement und ihr freundliches Wesen: „Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“

Gisela Lange, geborene Roither, wurde am 3. März 1939 als drittes von vier Geschwistern in Berlin-Charlottenburg geboren und wuchs in Finkenkrug in der Nähe von Berlin auf. Ihr Vater Rudolf Roither arbeitete als Ingenieur bei Siemens in Westberlin. Ihre Mutter Anna Roither war Hausfrau.

Nach einer entbehrungsreichen Zeit während des Zweiten Weltkrieges entschloss sich die Familie im Jahr 1953, das Haus zurückzulassen und aus der DDR in den Westen nach München zu fliehen. Die Firma Siemens hatte dem Vater einen Posten angeboten. Doch leider verstarb die Mutter wenige Monate nach der Flucht. Gisela besuchte eine Handelsschule und begann ihre Berufslaufbahn bei Siemens, wechselte bald zu einer Pressebildagentur, wo sie ihren Mann Hellmut A. Lange (genannt Tommy) kennenlernte. Bald zogen sie in ein Haus nach Alling, damals ein kleines Bauerndorf. Im Jahr 1971 wird ihr Sohn Harald geboren.

Mit gleichgesinnten Nachbarn und Freunden gründeten die Langes eine unabhängige Bürgervereinigung und mischten sich in die Dorfpolitik ein. Die Forderung nach einem Kindergarten im Ort trug Gisela und ihren Freundinnen die Beschimpfung als „Flintenweiber“ ein, und so mancher Bauer verkaufte ihnen damals keine Milch mehr. Die Parties in ihrem Keller, nicht nur zur Faschingszeit, waren ein beliebter nachbarschaftlicher Treffpunkt.

Gisela arbeitete viele Jahre sehr engagiert für einen Kinderbuchverlag. Als dieser umzog, ging die junge Familie mit nach Feldkirchen-Westerham. Ihr Mann Hellmut verdiente sein Geld als Fernsehkritiker, sodass er abends bis spät in die Nacht Fernsehfilme begutachtete und im Keller die Kritiken an diverse Zeitungen verschickte. Auch dieser Keller wurde zu einem gern besuchten Treffpunkt für Nachbarschaft und Freunde.

Viele Jahre war Gisela im Gemeinderat tätig und gestaltete die Gemeindepolitik mit ihren SPD-Freunden maßgeblich mit, aber auch in diversen anderen Bereichen setzte sie sich stets sehr aktiv ein – so unter anderem für den Bund Naturschutz, die Nachbarschaftshilfe, die Arbeiterwohlfahrt oder den Arbeitskreis Verkehr. Besonders ihre Initiative für die „Kulturherbst“-Veranstaltungsreihe erfreute sich größter Beliebtheit.

Ihr Mann Hellmut starb nach einigen Monaten bestens betreutem Aufenthalt im AWO-Pflegeheim in Feldkirchen, welches Gisela über den Gemeinderat maßgeblich mit auf den Weg gebracht hatte.

Sohn Harald wuchs in Feldkirchen heran, entdeckte bald seine Liebe zur Musik und lebt heute mit seiner Frau Ina im nahegelegenen Großkarolinenfeld. Deren Tochter Monique – durchaus geprägt durch die gemeinsamen Reisen mit den Großeltern – ist heute als Umweltingenieurin im hohen Norden Deutschlands tätig. Gisela unternahm neben Wanderungen in den nahen Bergen, Skifahren und zahlreichen Urlauben auf den friesischen Inseln auch Reisen zu entfernten Zielen wie Peking, New York, Vancouver, Kathmandu.

Ihre Neugier und breit gestreute Interessen führten sie zu vielen Orten – ihr wurde nicht langweilig. Mit zwei Geschwistern unternahm sie eine beeindruckende Trekkingtour durch Nepal. Nicht zu vergessen: die regelmäßigen Fahrten in die Toskana, wo sie ihre Italienisch-Kenntnisse in malerischer Umgebung aufpolierte. Und natürlich stand auch der Italienisch-Kurs bei der Volkshochschule auf ihrem Stundenplan.

Allmählicher Abschied von dieser Welt

Auch wenn ihre Kräfte allmählich schwanden – Gisela wollte, solange es ging, ihr Leben im eigenen Haus verbringen. Fürsorgliche Betreuerinnen wechselten sich ab, und so konnte Gisela in ihrer gewohnten Umgebung bleiben – in ihrem geliebten Garten, bei den Vögeln, deren Gesang ihr Lebenselixier war. Ganz allmählich verabschiedete sie sich innerlich von dieser Welt – vom Umfeld, von den Freunden, von der Familie, den Vögeln – und zog sich zurück in ihre eigene Welt. Nur wenige Tage musste sie in der Klinik betreut werden. Ihr Sohn, ihre Schwiegertochter und ihre Schwester konnten Gisela am Krankenbett noch ein winziges Lächeln des Erkennens entlocken. Alle, die ihr begegnet sind, werden sie schmerzlich vermissen.

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