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Gemeinderäte von Fischbachau und Bad Feilnbach entscheiden

Kostenexplosion beim Schaustollen in Deisenried: Hat das Projekt noch eine Chance?

Hat das Projekt „Schaustollen Deisenried“ eine Chance: Mit dieser Frage beschäftigten sich die Gemeinderäte aus Bad Feilnbach und Fischbachau bei einem Vor-Ort-Termin vor dem Wetterstollen und einer anschließenden Projektpräsentation im Klostersaal in Fischbachau.
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Hat das Projekt „Schaustollen Deisenried“ eine Chance: Mit dieser Frage beschäftigten sich die Gemeinderäte aus Bad Feilnbach und Fischbachau bei einem Vor-Ort-Termin vor dem Wetterstollen und einer anschließenden Projektpräsentation im Klostersaal in Fischbachau.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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  • Christian Masengarb
    Christian Masengarb
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Einen Schatz teilen sich die Gemeinden Bad Feilnbach: das einstige Kohlebergwerk, dessen Stollen die Gemeinden von Au bis nach Hausham verbinden. In harter Arbeit hat der Barbaraverein 200 Kubikmeter Kies aus dem Wetterstollen in Deisenried gefahren, um die Weichen für ein Schaubergwerk zu stellen. Doch nun steht das Projekt auf der Kippe.

Bad Feilnbach / Fischbachau – Das geplante Schaubergwerk im ehemaligen Wetterstollen in Deisenried steht auf der Kippe. Zwar wird in den Gemeinden Bad Feilnbach und Fischbachau ein wetterunabhängiges Tourismusangebot dringend gebraucht. Doch die Kosten haben sich mehr als verdoppelt. Statt der geplanten 135.000 Euro ist der Anteil pro Gemeinde auf etwa 300.000 Euro gestiegen. Deshalb trafen sich die Räte beider Gemeinden jetzt im Klostersaal in Fischbachau zur interkommunalen Meinungsbildung zur Frage, ob das Projekt trotzdem eine Chance hat.

Regionale Geschichte gemeinsam bewahren

„Wir möchten die Geschichte des Bergbaus für die Nachwelt bewahren, das ehrenamtliche Engagement des Barbaravereins würdigen und fortführen, müssen dabei aber die finanziellen Mittel im Blick behalten“, beschrieb Fischbachaus Bürgermeister Stefan Deingruber das gemeinsame Dilemma. „Unsere Gemeinden sind durch die Stollensysteme des einstigen Kohlebergwerkes miteinander verbunden“, betonte Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner: „Dieser Schaustollen ist weitaus mehr als ein touristisches Angebot. Mit ihm bewahren wir unsere Geschichte.“

In Hausham und Au fuhren die Bergmänner in den Schacht ein. Der Schaustollen in Deisenried, das Bergbaumuseum in Hausham und in weiter Zukunft vielleicht auch ein sanierter Förderturm am Klenze-Schacht in Hausham wären ein einzigartiges touristisches Angebot. „Wir werden in ganz Deutschland um diesen Schatz – einen horizontal begehbaren Stollen – beneidet“, machte Michael Gartmaier, Fischbachauer Gemeinderat und Tourismusreferent, klar: „Was uns bestärken sollte, dieses Projekt umzusetzen, ist der Tatendrang der Bergmänner um Martin Schmid. Die Hingabe und das Engagement dieser Männer ist unvergleichlich.“

Wie viel Vorarbeit bereits geleistet wurde, verdeutlichten Martin Schmid vom Barbaraverein und Andreas Koop von der Designgruppe Koop. In 4000 ehrenamtliche Stunden haben Vereinsmitglieder 200 Kubikmeter Kies aus dem Wetterstollen Deisenried gefahren. Der Schatz, den sie dabei hoben, ist ein Rundweg von etwa 70 Metern. Auch das museale Konzept des Schaubergwerkes ist bereits fertig, Texte und Bilder, Video- und Tonaufnahmen sowie historische Ausstellungsstücke sind vorhanden.

In Deisenried könnte eine Erlebnisausstellung installiert werden, wie man sie unter anderem aus dem Berchtesgadener Salzbergwerk kennt. Kleiner zwar, aber genauso spannend. Einen Eindruck vermittelte Andreas Koop mit einem ersten „Rundgang“ durch das Schaubergwerk: Im Stollen-Kino im einstigen Maschinenraum starten die Besucher ihren geführten, barrierefreien Rundweg. Mit Helm, Cape und Taschenlampe ausgerüstet geht es auf einer Strecke von 70 Metern durch den Wetterstollen – vorbei an acht Stationen. Sie sollen das Bergwerk Hausham, die Ausbauarten eines Stollens, Wettermesstechnik, Abbautechnik, die Befahrung des Berwerkes, die Verarbeitung der Pechkohle und die letzte Einfahrt im Jahr 1966 erlebbar machen. An interaktiven Infopunkten können die Besucher historische Aufnahmen von der Arbeit der Bergleute sehen, spannende Berichte von Bergmännern aus der Region hören oder sich an dreidimensionalen Modellen die Ausmaße des Bergwerkes mit allen Stollen und Wetterstollen, Schächten und Querschlägen vor Augen führen.

Damit die Geschichte spürbar wird, sind auch besondere Effekte geplant. So können Kinder mit einem Schlägel versuchen, aus einem Pechkohle-Flöz ein Stück Gestein zu lösen, damit vorstellbar wird, wie schwer es war, die Kohle zu gewinnen. Das Gewicht der Sicherheitsgurte oder die unterschiedlichen Druckverhältnisse im Stollen werden spürbar gemacht. Modelle zeigen das Wechselspiel aus Kohle- und Wasserförderung. Spannend wäre natürlich auch eine Sprengung – natürlich nur akustisch.

„Es ist alles schon perfekt durchdacht und vorbereitet“, lobte Cornelia Weber, Kur- und Tourismusleiterin in Bad Feilnbach das Konzept.

Die Begeisterung war allen Gemeinderäten anzumerken. „Das reißt einen wirklich mit“, dankte die Bad Feilnbacher Gemeinderätin Inge Gasteiger vor allem den Bergmännern um Martin Schmid für ihr Engagement. „Mein Urgroßvater ist von Au in den Achthaler Stollen eingefahren“, erinnert Martin Huber vom Feilnbacher Rat daran, dass auch die Landwirte im Winter in der Kohle gearbeitet haben. Stefan Oberprieler (Bad Feilnbach) kann sich gut vorstellen, dass das Konzept funktioniert. Er würdigte vor allem die Barrierefreiheit und schlug vor, auch Angebote für „Sehen und Hören im Dunkeln“ einzubinden. „Das Projekt kommt zu einer Unzeit“, sprach Dr. Baltasar Spann (Bad Feilnbach) aus, was alle Anwesenden bewegte: „Aber wenn es uns mit dem Schaustollen gelingt, unsere beiden Tourismusregionen zu verbinden, profitieren alle davon.“

„Wir wären am Alpenrand die Einzigen, die in einen Stollen einfahren könnten“, stellte Michael Gartmaier (Fischbachau) das Alleinstellungsmerkmal des Deisenrieder Wetterstollens heraus. Bad Feilnbachs Bürgermeister motivierte die Räte zu einer mutigen Entscheidung: „Wenn wir wollen, werden wir einen Weg finden, das Projekt zu finanzieren.“ Die Entscheidung, ob das Projekt trotz der gestiegenen Kosten umgesetzt wird, fällt im Fischbachauer Gemeinderat am Montag, 23. Mai, und in der Gemeinde Bad Feilnbach in der Sitzung am Donnerstag, 2. Juni.

Hintergründe: Warum die Kosten für den Ausbau des Schaustollens gestiegen sind

  • Die Gemeinde Fischbachau verfolgt das Projekt „Schaustollen“ auf Anregung des Barbaravereins um Vorsitzenden Martin Schmid seit mehr als 15 Jahren. Sie hat bereits an die 50.000 Euro für die Planung ausgegeben. Nachdem das Bergamt Südbayern im Juni 2021 den Betriebsplan genehmigt hatte, hoffte die Gemeinde auf eine Eröffnung im Jahr 2023 und schrieb die Sicherungsarbeiten aus. Damit begannen die Probleme, denn selbst das günstigste Angebot verdoppelte die dafür eingeplanten 130.000 Euro, die die Gemeinde vor drei Jahren angesetzt hatte. Neundlinger rechnete die aktuelle Preisexplosionen am Bau auf das Gesamtprojekt hoch und stellte die neue Schätzung von 1,2 Millionen Euro im April beiden Gemeinderäten vor. Weil die Fördermittel aus dem Leader-Programm gedeckelt sind, bringt eine Kostensteigerung nicht mehr Fördergelder. Konkret hieß das im April: Abzüglich der 400.000 Euro Leader-Förderung wären 800.000 Euro übrig geblieben, für Fischbachau und Bad Feilnbach also jeweils 400.000 Euro. Bisher lag der Eigenanteil bei je 135.000 Euro.
  • In der Beratung am Freitag, 14. Mai, relativierte Neundlinger seine Schätzung, da die Preisexplosion nicht in allen Bereichen so extrem wie am Bau mit bis zu 90 Prozent sei. Bei der Umsetzung des Ausstellungskonzeptes beispielsweise müsste man nur mit Mehrkosten von 20 Prozent rechnen. So geht der Geschäftsleiter aktuell von Gesamtkosten von einer Million Euro aus. Damit hätte jede Gemeinde also circa 300.000 Euro zu schultern – verteilt auf zwei Haushaltsjahre. Da nicht davon auszugehen sei, dass es in künftigen Leader-Förderperioden mehr Zuschüsse als jetzt gibt, plädierte Neundlinger dafür, am Projekt festzuhalten.
  • Die aktuelle Leader-Förderung gilt bis Ende 2024. Bis dahin müssen alle Rechnungen gelegt sein, um einen Zuschuss zu erhalten. Der Eigenanteil der Gemeinden kann über Spenden oder Stiftungsgelder reduziert werden, nicht aber über Sponsoren.
  • Die jährlichen Betriebskosten des Schaustollens bezifferte Planer Andreas Koop auf etwa 16.000 Euro, die durch Eintrittsgelder abgedeckt werden könnten. Dabei ging er von nur 4000 Besuchern pro Jahr aus. Die Räte waren sich einig, dass durch die Verbindung des Schaustollens mit Wanderwegen wie dem zur Tregler-Alm weitaus mehr Besucher erwartet werden könnten. Martin Schmid informierte darüber, dass das Interesse der Schulen an bergmännischen Führungen groß und damit eine weitere stabile Besuchergruppe zu erwarten sei.

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