Gemeinderat Tuntenhausen

Beste Ideen aus fünf Entwürfen fließen in neue Variante für Ostermünchens Mitte ein

Dieses Areal hat Potenzial: Hier soll die Ostermünchener Mitte gestaltet werden – mit Ärztehaus, Apotheke, bezahlbarem Mehrgenerationswohnen, einer Tagespflege oder Betreutem Wohnen und einem Dorfladen.
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Dieses Areal hat Potenzial: Hier soll die Ostermünchener Mitte gestaltet werden – mit Ärztehaus, Apotheke, bezahlbarem Mehrgenerationswohnen, einer Tagespflege oder Betreutem Wohnen und einem Dorfladen.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Zweigeschossige Wohnbebauung, drei Geschosse für die öffentlichen Gebäude, Konzepte für den Verkehr und die Nahwärmeversorgung sind einige der Parameter, die der Gemeinderat Tuntenhausen für die Ostermünchener Ortsmitte festgelegt hat. Die Planer sind nun beauftragt, ein finales Konzept zu erarbeiten.

Tuntenhausen – Die Neugestaltung der Ostermünchener Ortsmitte ist eines der größten Projekte in der Gemeinde Tuntenhausen. Dafür wurden in den vergangenen Jahren schon entscheidende Weichen gestellt. Doch dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen. Die öffentliche Diskussion musste ausfallen. Damit es trotzdem weitergehen kann, haben die Gemeinderäte nun aus fünf städtebaulichen Konzepten für die Ortsmitte von Ostermünchen die besten gestalterischen Varianten ausgewählt und neu zusammengefügt. Dem stimmten alle Gemeinderäte zu. Auf dieser Grundlage sollen die Planer nun eine sechste Variante erarbeiten – die Diskussionsgrundlage für eine Bürgerversammlung.

Nicht zu hoch, zu dicht und zu städtisch

Für den Rahmen, der abgesteckt wurde, gibt es noch kein Bild. Vielmehr wurde aus fünf Konzepten das gestrichen, was sich die Gemeinderäte für den Ort nicht vorstellen können. Dazu gehören unter anderem negative Dacheinschnitte, ein quadratisches Gebäude für die öffentliche Nutzung oder dreigeschossige Wohnbebauungen an der Staatsstraße – kurzum: zu städtische Entwürfe.

Herbert Prechtl (Liste 83 104) sprach sich dafür aus, die dreigeschossige Wohnbebauung nicht komplett auszuschließen, da man sich dem Mehrgeschossbau perspektivisch nicht verschließen könne. Dionys Schweiger (FWG Beyharting) plädierte für eine harmonische Abstufung der Wohngebäude von zwei- bis zu dreigeschossigen Varianten von der Staatsstraße bis zu den öffentlichen Gebäuden. Marcus Straßer (Liste 83 104) stimmte ihm zu. Man sollte das Beste aus der Fläche machen und einen entsprechenden planerischen Vorschlag erarbeiten lassen, schlug er vor.

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Johannes Stürzer (CSU/FWG) gab zu bedenken, dass dreigeschossige Häuser sehr hoch sind, wuchtig wirken und man auch ihren Schattenwurf nicht unterschätzen dürfe. Schließlich einigten sich die Räte mehrheitlich (14:5) darauf, die Wohnbebauung entlang der Staatsstraße zweigeschossig zu gestalten – wobei mit der geplanten Dachgeschossnutzung weiterer Raum auch für kleinere Wohnungen entsteht.

Forderung: Künftiger Dorfplatz soll nicht zugeparkt werden

Die öffentlichen Gebäude für Arzt, Apotheke, Seniorenbetreuung und Dorfladen sollen dreigeschossig sein und sich als Winkelbau in die vorhandene Bebauung einfügen. Die darunterliegenden Tiefgaragen sind in zwei Bauabschnitten geplant. Zudem wird an oberirdische Stellplätze für Senioren gedacht. „Der Stellplatzschlüssel sollte in diesem Bereich von der Stellplatzsatzung der Gemeinde abweichen“, schlug Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) vor, weil er sich gerade im Bereich des Betreuten Wohnens nicht an der Größe der Wohnungen orientieren müsse.

Stefan Hofbauer (UWO) legte Wert darauf, dass der künftige Dorfplatz nicht zugeparkt werden dürfte. Seine Fraktionskollegin Dr. Anna Fernández Diarte sieht den Niedergartenweg künftig vor allem als verkehrsberuhigten Bereich für Fußgänger und Radler mit E-Bike-Ladesäulen, Radständern und Behindertenparkplätzen. Die anderen Fahrzeuge sollten vor allem in der Tiefgarage parken.

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Der Bürgermeister stimmte ihr zu, den Verkehr in diesem Bereich zu reduzieren, machte aber auch darauf aufmerksam, dass oberirdische Parkplätze für die Senioren gebraucht werden. Christian Birmoser (ULT) wandte ein, dass öffentliche Einrichtungen wie ein Dorfladen nicht ohne Lieferverkehr funktionierten. Da die Verkehrsführung zur und innerhalb der neuen Ortsmitte das komplizierteste Thema ist, soll sie in einem extra Verkehrskonzept beleuchtet werden.

Einstimmig wurden die Grundlagen für einen neuen Entwurf vom Rat schließlich gebilligt. Dazu gehören auch Vorschläge für eine Nahwärmeversorgung, für die Niederschlags- und Oberflächenwasserbeseitigung, Fußwegeverbindungen zum Dahlienweg, zur Alten Grundschule, zum Friedhof sowie ein Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße.

Grundstückswert wird ermittelt

Wie geht es nun weiter? Die Planer wurden beauftragt, auf Grundlage der Festlegungen eine „Variante sechs“ in den Rahmenplan einzuarbeiten. „Dieser Rahmenplan Ostermünchener Mitte wird dann die Grundlage für die Grundstückswertermittlung sein“, erklärte der Bürgermeister.

Die Gemeinde will sich anwaltlich beraten lassen, wie eine Vergabe des Projektes erfolgen kann. In einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan werden die Entwürfe schließlich festgezurrt, und sobald es die Corona-Pandemie wieder zulässt, sollen auch die Ostermünchener Bürger wieder mit einbezogen werden.

Schon im Jahr 2019 wurden die entscheidenden Weichen gestellt

Ein Ärztehaus, eine Apotheke, bezahlbares Mehrgenerationswohnen, vielleicht auch eine Tagespflege oder Betreutes Wohnen und auf jeden Fall einen Dorfladen wünschen sich die Ostermünchener für ihren neuen Ortskern. Im Jahr 2019 hat der Arbeitskreis „Ostermünchen – neu gestalten“ Ideen für die Zukunft des Areals zwischen Fritz-Schäffer-Straße, Kirche, dem Landwirtschaftlichen Betrieb und der bestehenden Wohnbebauung gesammelt.

Ausgehend von den Fragen „Was brauchen wir? Und was können wir uns leisten?“ wurden unter fachlicher Anleitung von erfahrenen Städteplaner diese Ideen gefiltert und in erste Entwürfe gepackt. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung vom Januar 2019, an der sich 224 Familien beteiligten, flossen in die Konzepte ein.

Im September 2019 wurde der erste Entwurf dem Gemeinderat vorgestellt. Er orientiert sich an der Kirche als Ortszentrum. Bereiche wie Kriegerdenkmal, Maibaum und Wirtschaft, Pfarrhaus, der alte Dorfplatz im Umfeld der Schule und der neue entstehende Dorfplatz sollen als einheitliches Ganzes betrachtet werden.

95 Prozent wollen einen Dorfladen

Im Oktober 2019 fand eine Informationsveranstaltung zum Thema „Bürgerladen“ statt. Das Interesse war riesig. Etwa 140 Einwohner des 1500-Seelen-Ortes kamen in den Landgasthof zur Post und löcherten Unternehmensberater Wolfgang Gröll mit ihren Fragen.

Im Corona-Jahr initiierte die Gemeinde eine Umfrage: 409 Familien beteiligten sich daran. Im September wurde das Ergebnis präsentiert: 95 Prozent wollen regionale Produkte lieber im Dorfladen als im Discounter einkaufen. Die Ostermünchener würden sich dafür auch persönlich oder finanziell engagieren.

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