60 Jahre beim DAV

Bertl Weinhart aus Bad Feilnbach kennt die Berge von der Haidwand bis zum Kilimandscharo

Auf geht‘s zum Kilimandscharo zur Jahreswende 1970/71: Bertl Weinhart und seine Bergkameraden Dieter Linnemann, Herbert Holzmair und Clemens Steffel (von links).
+
Auf geht‘s zum Kilimandscharo zur Jahreswende 1970/71: Bertl Weinhart und seine Bergkameraden Dieter Linnemann, Herbert Holzmair und Clemens Steffel (von links).
  • vonPeter Strim
    schließen

Bertl Weinhart ist von Kindesbeinen an am Berg daheim. Jetzt wurde der 77-Jährige aus Bad Feilnbach für seine 60-jährige Treue zur DAV-Sektion Bad Aibling geehrt. Wir blicken mit ihm auf die Zeit zurück.

Bad Aibling/Bad Feilnbach – Mit seinem Engagement ist er aus der DAV-Sektion Bad Aibling nicht wegzudenken. Seit 60 Jahren ist Adalbert Weinhart (77) aus Bad Feilnbach Mitglied – und nach wie vor sehr aktiv. Seine Liebe zu den Bergen reicht aber noch länger zurück. Sie wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Vater Sebastian nahm den Filius schon in jungen Jahren mit in die heimische Bergwelt.

Harte Schicksalsschläge in jungen Jahren

Erste Ziele waren damals schon die Aiblinger Hütte, zu der er bis heute eine sehr enge Bindung hat, die Schloßalm oder die Reindl-alm. Doch in jungen Jahren trafen ihn zwei harte Schicksalsschläge. Die Mutter verstarb, als Bertl, wie er allerorts genannt wird, elf Jahre alt war. Drei Jahre später verlor er auch seinen Vater.

Für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Sektion Bad Aibling bekam Bertl Weinhart das Ehrenzeichen des DAV..

Bagger und Berge sind seine Leidenschaften

Nach seinem Abschluss an der Feilnbacher Hauptschule erlernte er den Beruf des Mechanikers. Am Ende seiner Wehrdienstzeit in der vierten Kompanie 236 in Bad Reichenhall und nach dem Erwerb des einstigen Zweier-Führerscheins entschied er sich für den Beruf des Baggerführers, den er von 1965 über viele Jahre hinweg und auch als (Un-) Ruheständler ausübte.

Tour aufs Stripsenjoch war der Auslöser

Der Auslöser, sich dem Alpenverein anzuschließen, war 1961 eine Tour mit einigen Spezln im Wilden Kaiser, erinnert er sich. Fasziniert vom Bergleuchten am Stripsenjoch und dem mächtigen Klang des Trentiner Bergsteigerchors fiel die Entscheidung. Um in den DAV eintreten zu dürfen, brauchte ein Bewerber damals einen Bürgen. Den fand der junge Bertl in seinem Freund Sepp Steher.

Lesen Sie auch:

80 Jahre beim DAV Bad Aibling: Der Dengler Wast und seine Berge

1973 wurde er zum Wegewart gewählt – und bis heute kümmert er sich um Erhalt und Sicherheit von Wegen und Steigen. Sein Aktionsradius reichte bis Birkenstein, Bayrischzell, zum Sudelfeld und bis nach Brannenburg. Die unzähligen Pfade in der Bad Feilnbacher Region, etwa die Steige im Jenbachtal, zum Gipfel der Farrenpoint oder entlang des Osterbachs zur Tregler Alm, liegen seit jeher ihm besonders am Herzen. Seit 1987 ist er außerdem Hüttenwart auf der Aiblinger Hütte – ein Amt, das ihm bis heute viel Freude macht, wie er betont. All das halte ihn – zusammen mit der vielen Bewegung in der Natur – entsprechend jung.

Das könnte Sie auch interessieren:

Karl Stolle: Ein Leben für den Alpenverein und die Aiblinger Hütte

Skitouren im Winter sowie Wander- und Klettertouren in den schneefreien Monaten prägen sein Leben. Wie oft er auf der Farrenpoint, der Tregleralm und der Haidwand war, kann er nach all den Jahrzehnten nicht mehr zählen. Aber auch die Ötztaler Alpen oder der Großvenediger haben ihm bleibende Erinnerungen verschafft. Technische Ausrüstung wie Lawinensonden und -piepser oder Airbag-Rucksäcke gab es in früheren Jahren nicht oder waren nicht erschwinglich. Die Touren in schneereichen Gefilden wählt und plant Weinhart bis heute stets mit großer Sorgfalt und Bedacht.

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite +++

Doch auch die Abenteuer kamen nie zu kurz: Zum Jahreswechsel 1970/71 führte ihn der Weg zusammen mit Dieter Linneberg, Herbert Holzmair und Clemens Steffel unter anderem nach Kenia. Ziel: der Kilimandscharo. Im Winter 1972 begab er sich mit vier Kameraden und zwei VW-Käfern auf eine Reise, die zum Kloster „Montserrat“ und weiter über Granada und Malaga nach Marokko führte. Nicht nur die historischen Königsstädte waren das Ziel, sondern natürlich auch die Gipfel des Atlasgebirges. Sechs Viertausender bewältigten die Bergsteiger aus Bayern. Auch einen Schneefall in der nördlichen Sahara erlebten sie (in der Regel liegt die Schneefallgrenze zur Jahreswende in Marokko bei circa 2400 Metern).

Jedes Wochenende zog es ihn in die Berge

Als Lediger begab sich Bertl Weinhart jedes Wochenende in Richtung Berge. 1977 heiratete er seine Katharina in Böbing bei Schongau. Es folgten der Hausbau und die Geburt der Söhne Adalbert und Franz sowie Tochter Rosemarie. Beim Nachwuchs gilt auch bei den Weinharts: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Beide Söhne lieben die Bergwelt und sind anerkannte Bergführer. Tochter Rosemarie verdingt sich als Agraringenieurin.

Engagiert in der Ortsgemeinschaft

Die Familie engagiert sich auch in der örtlichen Gemeinschaft in Bad Feilnbach, sei es im kirchlichen Leben oder in den Vereinen, etwa beim SV Bad Feilnbach oder im Krieger- und Veteranenverein, wo Bertl Weinhart von 1975 bis 2018 als Fähnrich tätig war.

Für seine 60-jährige Zugehörigkeit zum DAV Bad Aibling zeichnete ihn die Vorsitzende Sylvia Klimesch nun persönlich aus, nachdem die Mitgliedehrungen dieses Mal, wie berichtet, nicht wie sonst im Rahmen einer gemeinsamen Feier stattfinden konnten.

Auch vom Garten aus hat Bertl Weinhart seine Berge im Blick – allen voran den Wendelstein.

Kommentare