DEBATTE IM STADTRAT

Berblinger kämpfen für ihr Dorfgemeinschaftshaus: „Sind keine Bürger dritter Klasse“

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  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Die Berblinger wehren sich gegen die von Bündnis90/Die Grünen beantragte Verschiebung ihres Dorfgemeinschafthausprojekts auf „frühestens 2023“. Stadtrat Johann Schweiger in seinem emotionalen Plädoyer: „Wir wollen keine Bürger dritter Klasse sein.“

Bad Aibling – Zwar sehen auch einige Bewohner der Ortschaft das Vorhaben nicht unkritisch, doch brachte der Stadtrat das Vorhaben nach eingehender Debatte mit 19:3 Stimmen letztlich doch auf den Weg.

Eigentlich ist die Planung soweit in trockenen Tüchern. Der Siegerentwurf aus vier eingereichten Arbeiten renommierter Architekturbüros für das Vorhaben auf dem Gelände der alten Schule (wir berichteten) musste nur noch vom Stadtrat und der Teilnehmergemeinschaft zur Dorferneuerung (TG) bestätigt werden; die Mittel für Planung (50 000 Euro) und Bau (eine Million Euro, abzüglich 50 bis 60 Prozent Förderung) sind in den Haushalten 2021 und 2022 eingestellt.

Bürger schreiben an den Stadtrat

Doch aufgrund der sehr angespannten Haushaltslage (Bericht) hatte die Grünen-Fraktion unter anderem einen Aufschub dieser freiwilligen Leistung der Stadt verlangt. Zudem hatten sich sieben Berblinger mit einem Schreiben an die Stadträte gewendet, in dem sie beklagen, von der „so weit fortgeschrittenen Planung ... auf einer der letzten kleinen Streuobstwiesen im Innenbereich des Dorfes“ erst aus der Zeitung erfahren zu haben.

„Wer braucht dieses Gemeinschtshaus wirklich?“

Ob der Standort in der Ortsmitte der Richtige für das Dorfgemeinschaftshaus sei oder eine Lösung im Außenbereich, bei der ein Feuerwehrhaus mitgebaut werden könne sinnvoller sei, ist für die sieben Berblinger, ebenso die Frage wie die, wer dieses Gemeinschaftshaus wirklich braucht. Ihnen liege nicht daran, das Projekt zu verhindern. Jedoch wolle man gehört und gefragt werden, um gemeinsam einen Beschluss zum Wohle der Dorfgemeinschaft treffen zu können.

„Bei uns kennt doch jeder jeden“

Dazu sei in der Vergangenheit genügend Gelegenheit gewesen, betonte der Berblinger CSU-Stadtrat Johann Schweiger. Nicht nur, dass in dem kleinen Dorf jeder jeden kenne und man sich jederzeit bei den Ansprechpartnern informieren könne: Jedem sei es freigestanden, sich an der Bürgerbefragung sowie der daraus resultierenden Klausur zu beteiligen. Die Vorgaben für die Planungen habe man eng mit den Denkmalbehörden und dem Amt für ländliche Entwicklung abgestimmt und auch andere Gemeinschaftshäuser besichtigt. Gegen eine Bebauung im Außenbereich sprächen nicht nur die Auflagen, sondern auch der Wunsch, in der Dorfmitte wieder eine Einheit aus Kirche, Maibaum und Treffpunkt für alle zu haben.

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Stadtbaumeister Andreas Krämer stellte dem Rat den Siegerentwurf des Büros Benno Bauer vor und versicherte, dass heuer außer der Planung diesbezüglich noch nicht passieren werde. „Startschuss ist frühestens im Frühjahr 2022.“

Richard Lindl (Grüne) zollte seinem Ratskollegen Johann Schweiger (CSU) Hochachtung für sein Engagement für das Vorhaben. Auch er sei nicht gegen das Projekt. Aber: „Es ist einfach zu teuer für die jetzige Zeit und es gibt in Berbling bestimmt wichtigere Dinge, beispielsweise Straßensanierungen oder Renaturierung des Weiherbachs.“ Für ihn seien außerdem noch zu viele Fragen offen, sei es zu dem geplanten Schießstand im Untergeschoss, den Stellplätzen, der Bedarfsanalyse oder dem Bewirtschaftungskonzept.

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„Die Frage des Bedarfs beantwortet sich allein schon durch die zahlreichen Berblinger Besucher heute Abend“, meinte Bürgermeister Stephan Schlier (CSU). Richard Lechner (SPD) war der Ansicht, dass sich die in der Diskussion entbrannte Aufregung wohl in Grenzen halten würde, wenn der Stadtrat schon früher in seiner Gesamtheit und nicht nur durch Johann Schweiger eingebunden gewesen wäre. Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) bekräftigte die Berblinger Argumente, dass in den vorhandenen Räumlichkeiten (Feuerwehrstüberl und Kindergarten) zu wenig Platz für die vielfältigen Veranstaltungen sei. Dennoch fühle auch sie sich „nicht mitgenommen“.

„Denkprozess ohne den Stadtrat“

„Der Denkprozess fand ohne uns statt und bei dieser Größenordnung hätten die Kosten sicher auch anderen Räte interessiert.“ Ihr Ansinnen, das komplette Projekt und die Planung um die Schaffung von zusätzlichen Kindergartenplätzen zu erweitern, auch wenn dazu ein fremdes Grundstück erworben werden müsste, erklärte Schlier für abwegig – die ganze Planung sei exakt auf dieses stadteigene Areal abgestimmt. Mit 20:2 Stimmen lehnte der Rat den Antrag ab.

Rudi Hofschneider (SPD) meinte kurz und knapp: „So ein Treffpunkt gehört einfach her in Berbling. Machen wir es.“ Auch Michael Krimplstötter (CSU) sprang den Berblingern bei: „Jeder, der auf dem Dorf lebt, weiß, wie wichtig so ein Treffpunkt ist. Ich bin mir sicher, dass bei diesem Projekt jeder Zentimeter durchdacht ist, wenn die Berblinger mitgeplant haben.“

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Erwin Kühnel (CSU) wies darauf hin, dass es in allen anderen Ortsteilen jeweils einen Treffpunkt für die Bewohner und Vereine gebe. „Warum soll Berbling da hinten anstehen?“ Solch eine Lösung vermisst Anita Fuchs (Grüne) allerdings auch für „Zentral-Aibling“. In ihren Augen könne es mit der viel zitierten Dorfgemeinschaft in Berbling auch nicht so weit her sein, wenn sich laut dem besagten Schreiben etliche nicht mitgenommen fühlten.

„Ein Spalt im Dorf Bebrling“

„Es ist bedauerlich, dass nach solch einem langen Prozess so eine Spaltung, ja, ein Riss, im Dorf herrscht. Man hätte alle mit einbinden müssen. Es sind ja nur 249.“

Schweiger indes schloss mit den Worten: „Auch wir möchten ein lebendiges, liebenswürdiges Dorf haben. Aber das gesellschaftliche Leben liegt am Boden. Das Vereinsleben geht ohne einen Treffpunkt unter. Wir bitten darum, das Projekt nicht auf ,frühestens 2023‘ schieben. Wir wollen keine Bürger dritter Klasse sein.“

Was war und wie es weiter geht

Vor sieben Jahren schloss das Café Staber, vor vier Jahren der Oberwirt. Bemühungen der TG, eine Lösung im Wirtsgebäude zu finden, scheiterten nach Angaben von TG-Sprecher Andreas Schmelcher. 150 Umfragebögen habe man danach im Dorf verteilt. Von den 68 Rückmeldern hätten sich 60 für das Gemeinschaftshaus ausgesprochen, vier dagegen, vieren war es egal. 27 sprachen sich für den Standort Kindergarten aus, je neun für das Feuerwehr- und das Pfarrhaus. Um die Ideen zu vertiefen, wurde die Klausur in Thierhaupten anberaumt, die Architektenbüros beauftragt, der Siegerentwurf gewählt. Mit dabei: Vertreter von Stadt, Kreisheimatpflege, Kindergarten, Amt für ländliche Entwicklung, Teilnehmergemeinschaft und Dorfgemeinschaft.

Pläne werden am kommenden Wochenende gezeigt

Nachdem der Stadtrat zugestimmt hat, werden die Planungen aus der Mehrfachbeauftragung nun am kommenden Samstag und Sonntag, 6. und 7. Februar, jeweils von 13 bis 15 Uhr, am Vorplatz des alten Schulhauses vorgestellt und erklärt. Interessierte können Fragen stellen und Anregungen einbringen.

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