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Vom Aussterben bedroht

Seltener Gast in Bayern: Eine Bekassine in Bruckmühl

Diesen seltenen Vogel entdeckte Leserreporterin Verena Zingerling in ihrem Garten. Die Bekassine suchte am Ufer des Goldbaches nach Nahrung.
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Diesen seltenen Vogel entdeckte Leserreporterin Verena Zingerling in ihrem Garten. Die Bekassine suchte am Ufer des Goldbaches nach Nahrung.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Einen noch nie dagewesenen Gast hat Leserreporterin Verena Zingerling aus Bruckmühl in ihrem Garten entdeckt: „Ich glaube, es ist eine Bekassine“, vermutet sie. Eine Nachfrage im Tierkundemuseum Markt Bruckmühl bringt Klarheit.

Bruckmühl – „Es ist tatsächlich eine Bekassine. Sie wird auch Moorvogel genannt und ist ein in Bayern eher seltener Gast, denn sie ist vom Aussterben bedroht“, bestätigt Biologe Harry Klottig. Ihr Bestand ging in den letzten Jahren massiv zurück: Während das Bayerische Landesamt für Umwelt Anfang der 90er-Jahre noch 900 Brutpaare kartierte, konnten 2016 nur noch 326 gezählt werden.

Zerstörung der Lebensräume

„Ursache dafür ist der Verlust von Mooren und Feuchtwiesen, den natürlichen Brutgebieten dieser Vögel“, erklärt der Leiter des Tierkundemuseums. Mehr als 90 Prozent dieser Lebensräume wurden in den letzten 100 Jahren in Europa zerstört. Nach Informationen des Landesamtes für Umwelt sei dies durch Nutzungsänderung bislang extensiv bewirtschafteten Feuchtgrünlands bedingt – also beispielsweise durch Melioration, häufigere Mahd, Düngung, Biozideinsatz oder höhere Viehbesatzdichten.

Leserreporter

Durchreise und keine Ansiedlung

Dass sich die Bekassine nun an den Bachläufen von Bruckmühl niederlässt, glaubt der Biologe Klottig nicht. „Sie war sicher nur auf der Durchreise und hat eine Rast eingelegt, denn in der näheren Region bietet sich als Lebensraum für diese Art eigentlich vor allem die Sterntaler Filze an.“ Doch, so schränkt er ein: „Man weiß nie, was in der Natur alles möglich ist.“ Zwei Besonderheiten weisen die Bekassinen auf. So sind die Flugkünstler bei Jägern für ihre Zickzackflüge fast schon berüchtigt.

Imposante Sturzflüge

„Während ihrer Balz- und Revierflüge von Februar bis Mai kommt es zu eindrucksvollen Sturzflügen des Männchens, bei denen sein abgespreiztes Schwanzgefieder ein lautes wummerndes beziehungsweise meckerndes Geräusch erzeugt. Das hat ihnen den Namen Himmelsziege eingebracht.“ Auch Sagen ranken sich um diese Sturzflüge: Eine davon erzählt, dass in der Bekassine die Seele einer alten Jungfer wohne, die zu Gott kommen möchte. Der aber stoße sie jedes Mal zurück, sodass sie auf die Erde fällt. Und das eben aus Protest laut meckernd.

Vögel beherrschen Kükentransport

Die zweite Besonderheit ist der „Kükentransport“, und der ist nach Informationen des bayerischen Landesbundes für Vogelschutz nur bei etwa 25 Vogelarten bekannt. „Bekassinen können ihren Nachwuchs auf der Flucht mitnehmen“, beschreibt Klottig. „Sie klemmen sich die Jungtiere mit Schnabel und Beinen an den Bauch und fliegen mit ihnen davon.“

Bekassinen sind vom Aussterben bedroht – Jetzt brüten sie ihre Jungen aus

• Insekten, Weich- und Krebstiere sowie Würmer sind die bevorzugte Nahrung der Bekassinen, die sie oft im flachen Wasser oder auf feuchten Wiesen finden, wobei sie als Allesfresser auch Sämereien, Beeren und vieles mehr nicht verschmähen.

• Die Spitze ihres Schnabels ist sensibel und beweglich, was beim Finden, Festhalten und Schlucken der Nahrung unter Wasser oder im Schlamm von Vorteil ist.

• Bekassinen sind etwa so groß wie eine Drossel – also etwa 30 Zentimeter von der Schnabel – bis zur Schwanzspitze. Das Besondere: Der gerade Schnabel ist dabei mehr als doppelt so lang wie der Kopf und eines der Hauptmerkmale dieser Art.

• Typisch für den Vogel sind auch die parallelen Streifen im Kopfgefieder. Zudem sind Bekassinen in ihrem braun gemusterten Gefieder sehr gut getarnt und bewegen sich unauffällig in der Vegetation.

• Als Bodenbrüter sind die seltenen Vögel gerade im April und Mai sehr anfällig für frei laufende Hunde oder auch landwirtschaftliche Geräte. Da hilft es oft nicht viel, wenn das Wache haltende Männchen Störenfriede verleitet, also versucht, sie vom brütenden Weibchen abzulenken, indem es bei seiner Flucht eine Verletzung simuliert und so den Feind vom Nest weglocken will.

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