Beispielhafte Hilfsaktion: Griechische Kameraden bekommen Ostermünchener Feuerwehrfahrzeug

Videobotschaft von den Kameraden aus Griechenland. Aufmerksam hören Georg Weigl, Uli Murnauer, Michael Marx und Josef Nieder (von links) zu. Stache
+
Videobotschaft von den Kameraden aus Griechenland. Aufmerksam hören Georg Weigl, Uli Murnauer, Michael Marx und Josef Nieder (von links) zu. Stache
  • vonWerner Stache
    schließen

Mehr als 30 Jahre leistete das Löschgruppenfahrzeug LF16 der Ostermünchner Feuerwehr gute Dienste. Im Februar wurde es durch ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug ersetzt. Aber das alte ausrangieren? Nein. Das kommt nicht in Frage: Es wird künftig in Griechenland seinen Dienst tun.

Ostermünchen – Schon seit vielen Jahren bestehen Kontakte der Ostermünchner Kameraden nach Griechenland, genauer gesagt zur Feuerwehr Neos Voutsas in Nea Makri, einem Küstenrot im Osten Attikas, nordöstlich von Athen. Dort leistet Manfred Pavlos Westermeier seinen Dienst. Er ist vor Jahren aus Deutschland ausgewandert.

Hilfe für Nea Makri

Westermeier, einst Einsatzleiter der örtlichen Feuerwehr, war früher aktives Mitglied der Wehren von Aisingerwies und Schlossberg.

Auch Kreisbrandrat Richard Schrank kennt ihn, und so konnte die Fahrzeugvermittlung ihren Lauf nehmen, zumal auch Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl sofort von der Sache angetan war.

Georg Weigl übergibt die Papiere und ein Geschenk der Gemeinde an Richard Schrank.

Kameraden verlieren ihr Hab und Gut

Nea Makri und die Menschen im Osten Athens erlebten 2018 ein wahres Inferno: Waldbrände zerstörten ganze Stadtviertel der Ferienstädte Rafina, Mati und Nea Makri.

Lesen Sie dazu auch: Feuerwehr im Großeinsatz: Waldbrand bei Nea Makri bei Athen

Das Feuer verschlang nicht nur den Wald, sondern auch viele Ferienhäuser und Wohnungen, die zwischen den Pinien stehen. Viele Kameraden der dortigen Feuerwehren verloren dadurch ihr Hab und Gut und übernachten seitdem auf der „Wache“.

Einsatz an der griechischen Küste

„Wir haben auch unsere Katastrophen hier in Deutschland, aber wir sind weitaus besser ausgerüstet als unsere griechischen Kameraden“, meinte Schrank und begründete so die Hilfsaktion, die im Übrigen mittlerweile in ganz Deutschland beispielhaft ist. So auch im Bereich der Kreisbrandinspektion Rosenheim. Deshalb sollen künftig mit dem alten Ostermünchner Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahr 1989 Brände an Griechenlands Küste gelöscht werden.

Abfahrtbereit ist Markus Behnke. Vor ihm liegt ein langer Weg über Venedig bis nach Griechenland.

Fahrzeug wurde aufgemöbelt

In den Wochen vor der jetzt erfolgten „Übergabe“ brachten die bayerischen Floriansjünger das Fahrzeug auf Vordermann. Allen voran Josef Nieder. Das Urgestein der örtlichen Feuerwehr ist bekannt für seine technischen Fähigkeiten, Fahrzeuge zu reparieren, herzurichten und zu pflegen. Kein Fahrzeug der Ostermünchner Wehr, dessen Innenleben Nieder nicht schon in- und auswendig kennt. „Alle Fahrzeuge hegt und pflegt er wie sein eigenes“, berichtet Michael Marx, stellvertretender Kommandant.

Das könnte Sie auch interessieren: Rehkitzrettung Mangfalltal bringt 15 Reh-Babys in Sicherheit

Alte Auspuffbleche erneuerte Nieder noch vor dem Abschied, sämtliche Technik prüfte er auf Herz und Nieren, bevor auch er Abschied nehmen musste: „Stolze 1216 Einsätze sind wir mit ihm gefahren“, erinnert er sich, 87 000 Kilometer hat der Einsatzwagen auf dem Buckel. Und bis heute keinen Millimeter Rost. „Hoffentlich erwischt ihn nicht der nächste Waldbrand“, sorgt sich Nieder.

Fahrzeug zusätzlich ausgestattet

Der Wagen wurde nicht nur flottgemacht, es kam noch einiges andere „Notwendige“ mit dazu. Dank der Unterstützung durch die Feuerwehren aus Bad Feilnbach, Aschau und Prutting sowie das örtliche MHW finden sich nun im Inneren des Gefährts Kabeltrommel, Waldbrandpumpen, Stromaggregate, Sicherheitsgurte, Pressluftatemgeräte und vieles mehr.

Lesen Sie auch: GEPLANTE WERKSSCHLIESSUNG: 24 Stunden Streik bei Danone in Rosenheim: Druck auf die Geschäftsführung erhöhen

Bei bestem Sonnenschein und unter lautem Sirenengeheul aller Ostermünchner Fahrzeuge begab sich das LF 16 dann auf seine 1986 Kilometer lange Reise nach Griechenland. Kreisbrandrat Richard Schrank höchstpersönlich und Markus Behnke holten das Fahrzeug in Ostermünchen ab und fuhren es nach Venedig. Dort geht es auf eine Fähre, die übrigens das Fahrzeug ebenfalls fast kostenfrei transportiert. In Patras/Griechenland wird es dann von der dortigen Feuerwehr in Empfang genommen.

Westermeier bedankte sich am Tag der Abfahrt noch mit einem Whats-App-Video persönlich bei den Ostermünchnern beziehungsweise Rosenheimern. „Euer Fahrzeug bekommt nun ein zweites Leben“, betonte der Deutschgrieche und prognostizierte für das Fahrzeug noch viele, viele Jahre Einsatz dort.

Ostermünchens Kommandant Uli Murnauer wünschte den dortigen Feuerwehrkameraden viel Glück. Murnauer und ein Teil seiner Mannschaft möchten im kommenden Jahr, so es Corona erlaubt, die dortigen Floriansjünger besuchen.

Kommentare