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Martin Hagen will für frischen Wind sorgen

Bayerns neuer FDP-Chef kommt aus Feldkirchen-Westerham – und bastelt an der Ampelkoalition mit

Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf: Martin Hagen beriet bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin mit. Am vergangenen Wochenende wurde er zum Landesvorsitzenden der FDP.
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Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf: Martin Hagen beriet bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin mit. Am vergangenen Wochenende wurde er zum Landesvorsitzenden der FDP.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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2023 will er in Bayern mitregieren: Martin Hagen (40) aus Feldkirchen-Westerham rüstet für die FDP zum Angriff auf die Freien Wähler und auf Markus Söder. Derweil schraubt der neue Bayern-Chef der Liberalen, dessen Vater SPD-Mitglied ist, an der Ampelkoalition für die nächste Bundesregierung mit.

Rosenheim/Feldkirchen-Westerham Martin Hagen pendelt gerade zwischen Oberbayern und Berlin. Er arbeitet mit an der neuen Bundesregierung, die so bald wie möglich die aktuelle, geschäftsführend arbeitende Mannschaft unter Angela Merkel ablösen soll.

Aufgewachsen im Mangfalltal

Hagen, aufgewachsen in Feldkirchen-Westerham, Abitur in Bad Aibling, ist dabei bei den Runden, in denen schon Details für die künftige Regierungsarbeit geklärt werden. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag sitzt in der Arbeitsgruppe, die sich noch in dieser Woche mit „Vielfalt und Gleichstellung“ befasst.

Ab nächster Woche geht es dann in der sogenannten Dachgruppe mit den Spitzen der drei Koalitionsparteien weiter. „Es geht gut voran“, sagt Hagen. „Ich rechne damit, dass der Zeitplan eingehalten wird.“ Heißt: Ende November könnte der Koalitionsvertrag vorliegen. Und Olaf Scholz könnte in der Woche ab 6. Dezember zum Bundeskanzler gewählt werden.

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Dass die FDP bei der Kanzlerkür mit von der Partie ist, liegt auch an Leuten wie Martin Hagen. Auch politische Gegner loben die rhetorischen Qualitäten und die Schlagfertigkeit des 40-Jährigen. Hagen steht für frischen Wind in der Partei.

2018 feierte die Partei die Rückkehr in den Landtag, Hagen zog mit einem Ergebnis knapp über fünf Prozent für den Stimmkreis Rosenheim-Ost ins Maximilianeum ein. Bei der Bundestagswahl erreichte die FDP in der Region 12,1 Prozent der Stimmen. „Das hat sich gut für uns entwickelt“, sagt Hagen. „Wir haben in Rosenheim einen sehr aktiven Kreisverband und hatten mit Michael Linderer einen guten Kandidaten.“

Das nächste Rennen ist inoffiziell eröffnet

Inoffiziell ist das nächste Rennen freilich auch für ihn bereits eröffnet. Es geht 2023 um den erneuten Einzug in den Landtag. Und da wolle die FDP regieren, sagt Hagen. Voraussichtlich wird sie das im Verbund mit der CSU tun müssen. Was Hagen aber nicht von Kritik an Markus Söder abhält. Der habe im Bundestagswahlkampf den Unionskandidaten Armin Laschet „sabotiert“, sagt Hagen, und der bayerische Regierungschef habe das Projekt einer Jamaika-Koalition „beerdigt“ – um sich effektiver für die Wahlen in Bayern in Stellung bringen zu können.

Das mit dem in Stellung bringen ist freilich auch Hagen nicht fremd. Schon beim Parteitag in Bayreuth, bei dem er bevorzugt gegen Söder und die CSU und auf Hubert Aiwangers Freie Wähler schoss. Mit den Vorwürfen, dass die Regierung ihre Hausaufgaben nicht erledige.

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„Bayern steht wirtschaftlich gut da“, sagt Hagen. „So wie Nokia bis zur Erfindung des iPhones auch.“ Weil der finnische Kommunikationsriese aber nicht mit der Zeit gegangen sei, habe ihn die Konkurrenz abgehängt.

Hagens Themen sind denn auch Infrastruktur, Bekämpfung des Fachkräftemangels, Digitalisierung. Aber auch Chancengerechtigkeit: Wie können auch Kinder ärmerer Herkunft das Beste aus ihren Talenten machen?

Will Martin Hagen sein Ergebnis von 2018 ausbauen, wird er sich öfter in seinem Bürgerbüro in Rosenheim blicken lassen müssen. „Die vergangenen eineinhalb Jahren war ich da seltener“, sagt er, Corona habe auch den Veranstaltungskalender ausgedünnt. Bis auf Weiteres könnte sich daran auch nichts fundamental ändern, „wir werden bis zum Frühjahr eine schwere Zeit haben“, das ahnt er auch selber. Den Kontakt zum Landkreis seiner Kindheit und Jugend halte er aber dennoch, sagt Hagen. „Ich bin oft dort“, sagt er, „weil ich meine Eltern in Feldkirchen-Westerham besuche.“ Dort sammelt er auch persönliche Ampelerfahrungen. Der Vater ist seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, „ein kritischer Genosse“, wie Hagen sagt, „da wird schon öfter diskutiert“.

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Die Pandemie könnte derweil die Karten in der Politik neu mischen. „Es ist kein Geheimnis, dass wir mit der Corona-Politik der Staatsregierung nicht so einverstanden waren“, sagt er. Und das könnte sich auszahlen. Rosenheim sei eine Region mit vielen klugen und fleißigen Leuten, sagt er, „mit traditionell starken Ergebnissen für die CSU“. Diese enge Bindung aber habe sich „ein bisschen aufgelöst“.

„An Söder gibt es viel zu kritisieren“

Für viele Mittelständler, gerade in der Gastronomie und Hotellerie sei etwas „zerbrochen“. Und gerade in der Region Rosenheim gebe es viele CSU-Mitglieder, die sich vieles vorstellen könnten. Auch einen anderen Ministerpräsidenten als Markus Söder. Schonung für eventuelle künftige Partner jedenfalls soll es nicht geben. „Wir nehmen keine Rücksicht auf künftige Koalitionen. Wo es was zu kritisieren gibt, da kritisieren wir. Und an Söder gibt es viel zu kritisieren.“

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