Bauen in Thal – Verfahren für sieben Parzellen auf 1,5 Hektar auf der Zielgeraden

Sieben Bauparzellen sollen in Thal ausgewiesen werden. Seit 16 Monaten versucht der Gemeinderat, dafür die Weichen zu stellen.
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Sieben Bauparzellen sollen in Thal ausgewiesen werden. Seit 16 Monaten versucht der Gemeinderat, dafür die Weichen zu stellen.

Mit dem Flächennutzungsplan der Gemeinde und dem Bebauungsplan „Thal“ befasste sich der Tuntenhausener Gemeinderat. Ziel ist es, im Weiler Thal Baurecht für ein etwa 1,5 Hektar großes Wohngebiet mit sieben Parzellen für Einzel- und Doppelhäuser zu schaffen.

Tuntenhausen – Das Baugebiet befindet sich derzeit baurechtlich gesehen noch im Außenbereich. Schon im Februar 2019 hat der Gemeinderat beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Jetzt ging es um die Abwägung der Einwände von Trägern öffentlicher Belange. Diese wurden dem Gemeinderat vom Bauamt vorgestellt und allesamt in einstimmigen Beschlüssen abgewogen.

Weiler soll nicht „zersiedelt“ werden

Die Regierung von Oberbayern stimmte den geplanten Erweiterungsflächen in Thal zu, empfahl der Gemeinde aber, „die Entwicklung der Wohnnutzung über das aktuell geplante Maß hinaus nicht weiter zu fördern“, um den „schützenwerten Weiler Thal“ vor einer Zersiedlung zu schützen, wie es im Regionalplan Südostoberbayern vorgesehen ist.

Hinweis auf Bodenfunde

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege macht darauf aufmerksam, dass sich im Planungsgebiet zwei Bodendenkmale befinden. Zum einem „untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Funde im Bereich der Kirche St. Georg und dem dazugehörigen Friedhof. Zum anderen würden Teile des Planungsgebietes die mittelalterliche Sargermühle überlagern. „In diesem Bereich sind mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bauliche Reste der Sargermühle zu vermuten“, betont das Amt in seiner Stellungnahme. Bodeneingriffe dürften daher nur mit Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde erfolgen. Funde müssen gemeldet werden.

Es wird empfohlen, vor der Verwirklichung von Bebauungsplänen und vor der Parzellierung die gesamte Planungsfläche archäologisch untersuchen zu lassen, um die Kosten für „den einzelnen Bauwerber“ zu reduzieren. Die Gemeinde folgt diesen Einwänden nicht. Sie betont, dass „innerhalb des räumlichen Geltungsbereichs des Bebauungsplanes keine der aufgeführten Bau- oder Bodendenkmäler vorhanden sind“. Kirche und Friedhof seien viel zu weit weg.

DasLandratsamt Rosenheimmacht im Rahmen der Anhörung von Trägern öffentlicher Belange auf den erforderlichen Schallschutz aufmerksam, um die Geräusche der Verbindungsstraße nach Niclasreuth und dem Kreisverkehr an der Staatsstraße 2089 einzudämmen.

Das konkrete Maß an Verkehrslärm ermittelte die Gemeinde daraufhin durch die Beauftragung einer schalltechnischen Untersuchung. Die Ergebnisse sind in die Planung bereits eingeflossen.

Die Weichen dafür, dass sich Wohnbebauung und Landwirtschaft auch in Zukunft nicht in die Quere kommen, haben die Gemeinde und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gestellt. Etwa 60 Meter vom geplanten Baugebiet entfernt befindet sich ein Hof mit Milchkühen, Jungrindern, Schafen und Legehennen. „Die von diesem Betrieb ausgehende Geruchs- und Geräuschemissionen müssen ohne Einschränkungen geduldet werden“, sind sich beide Ämter einig.

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Der Hinweis des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim wird im Bebauungsplan ergänzt. Aufgrund der Hanglage des Baugebietes wird vor Starkniederschlägen und wild abfließendem Wasser gewarnt. Deshalb sollen Gebäude, die ins Gelände einschneiden, so gestaltet werden, dass abfließender Starkregen nicht eindringen kann.

Damit das neue Wohngebiet entstehen kann, muss auch eine Hauptleitung des Wasserbeschaffungsverbandes Antersberg-Voglried verlegt werden. Die Neuverlegung soll im öffentlichen Grund erfolgen. Dafür erforderliche Vereinbarungen werden im Zuge der Erschließungsplanungen und -maßnahmen privatrechtlich getroffen.

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Auch Einwohner aus Thal meldeten öffentliche Belange an. Einer gab zu bedenken, dass bei einer Bebauung des Kurvenbereichs der Verkehr an der T-Kreuzung nicht mehr überschaubar sei und die Straße nach rechts uneinsehbar werde. Die Gemeinde hat die Bedenken geprüft und abgewogen, dass das geplante Gebäude „das freizuhaltende Sichtfeld nicht beeinträchtigt“. Zudem seien auch von den beteiligten Fachstellen diesbezüglich keine Bedenken geäußert worden.

Die Zufahrt zur südlichen Parzelle wurde mit den Anliegern schon vor Ort diskutiert und spiegelte sich in den Einwänden wider. „Zu enge Zufahrten“, eine „starke Steigung“ der Straße und eine zu erwartende „weitere Entwicklung des Baugebietes“ werden als Argumente dafür angebracht, die Zufahrt vom Süden her zu organisieren.

Zufahrt sollte vom Süden her erfolgen

Das ist nach Abwägung des Gemeinderats aber nicht möglich. „Diese Schneiße kann nicht versiegelt werden, da sie eine wichtige Funktion für den Abfluss des Oberflächenwassers hat“, so die Begründung. Die bereits vorhandene Zufahrtsmöglichkeit werde ertüchtigt. Die Angst der Anwohner, dass sich das Baugebiet weiter entwickeln könnte, nimmt die Gemeinde mit dem Verweis auf die Stellungnahme der Regierung Oberbayerns: „Es wird empfohlen, die Entwicklung von Wohnnutzung in Thal nicht weiter zu fördern.“

Plan wird erneut ausgelegt

Der Bebauungsplan für Thal liegt noch bis zum 4. August öffentlich aus. Damit haben Bürger und Träger öffentlicher Belange noch einmal die Möglichkeit, ihre Anregungen einzubringen, die dann erneut im Gemeinderat abgewogen beahndelt werden..

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