Bestehende Häuser gefährdet?

Bauen auf der „Ellmosener Wies“ in Bad Aibling: Wohin mit Niederschlagswasser geplanter Siedlung?

Wohin mit dem Wasser, wenn der Regen zu stark und die Niederschlagsmenge zu groß wird? Diese Frage muss noch ganz genau gelöst werden, bevor im neuen Baugebiet „Ellmosener Wies“ die Bagger anrollen können.
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Wohin mit dem Wasser, wenn der Regen zu stark und die Niederschlagsmenge zu groß wird? Diese Frage muss noch ganz genau gelöst werden, bevor im neuen Baugebiet „Ellmosener Wies“ die Bagger anrollen können.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Im neuen Bad Aiblinger Baugebiet „Ellmosener Wies“ soll auch bezahlbarer Wohnraum für Einheimische entstehen. Bevor dort die Bagger anrollen, gilt es allerdings noch eine wichtige Problematik zu lösen, um die bestehende Bebauung bestmöglich zu sichern.

Bad Aibling – Das sprichwörtliche Scharren mit den Hufen ist förmlich zu hören, wenn es darum geht, wann im neuen Baugebiet „Ellmosener Wies“ endlich angepackt werden kann. Das dafür erforderliche Bebauungsplanverfahren befindet sich mittlerweile auf der Zielgeraden. Doch eine wichtige Problematik gilt es noch zu lösen, nämlich: „Wie wird das Thema Entwässerung auf dem Areal so gelöst, dass sich die Situation für die bestehende Bebauung im Westen nicht verschlechtert?“

Die gute Nachricht: Umstrittener Erdwall entfällt

Mehrfach schon waren die Planungen ausgelegen, damit die Träger der öffentlichen Belange und Bürger ihre Stellungnahmen dazu abgeben konnten. Sorgen habe, so Verwaltung und Planer Denis Weisser vor allem der im Norden geplante Erdwall bereitet: Hier war befürchtet worden, dass durch diesen bei Starkregenereignissen das Wasser in Richtung Westen auf die Bestandsbebauung zulaufen könnte. Wie die Verwaltung mitteilte, komme dieser in den Plänen aber nun nicht mehr vor.

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Die Anwohner im Westen fordern nach wie vor, dass die Niederschlagswasserbeseitigung für das gesamte neue Baugebiet genauestens ermittelt und geklärt werden muss, um Schäden von den bestehenden Grundstücken und Häusern abzuwenden. Auch befürchten sie, dass die Pläne Auswirkungen auf das Grundwasser haben, das bei Starkregen nach oben gedrückt würde. Wasser in Kellern und Überschwemmungen wären die Folge. Sie wiesen darauf hin, dass sich bei lang anhaltendem Regen und Starkregenereignissen bereits jetzt auf den Wiesen des neuen Baugebietes Seen bildeten und Hangwasser teilweise auf die Fläche des Baugebietes laufe. Die Kreisstraße RO 19 sei in diesem Bereich deswegen bei Starkregen überflutet und teilweise gesperrt.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim betonte in seiner Stellungnahme, das durch die geplanten Maßnahmen keine Verschlechterung der Grundwassersituation bei den Anliegern erfolgen darf.

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In der Zwischenzeit haben das Büro Weisser eine Ergänzungsplanung und das Büro Ohin eine hydrogeologische Stellungnahme erstellt. Beide gehen laut Verwaltung davon aus, dass mit den nun geplanten Maßnahmen den Anliegen der Anwohner und der Behörde Rechnung getragen wird. Durch Barrieren und Spundwände könne erreicht werden, dass der Grundwasserspiegel sinke und sich die Situation für die Anwohner verbessere. Das Problem der Versickerung versuche man mittels Kanal zu lösen. Auch das Anlegen von Mulden werde untersucht. „Entscheidend ist zum Schluss, was das Wasserwirtschaftsamt dazu sagt“, verwies Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) auf die Aussage des Juristen der die Stadt.

„Weitere Pirouette sehr ungut für Bürger, die bauen wollen“

Richard Lechner (SPD) merkte an, dass die Anlieger schon seit Juni 2018 wegen des Oberflächen- und Grundwassers schreiben und reichlich rechtliche Beratungen stattgefunden hätten. Dass deswegen nun im Verfahren eine weitere „Pirouette gedreht“ werden müsse, sei „sehr ungut für die Leute, die günstige Wohnungen suchen und weiter warten müssen“.

„Bürger haben Planung von Anfang an mitgeschrieben“

Den Verdacht von Grünen-Rat Richard Lindl, dass man bei der Planung aufgrund von „wirtschaftlichen Interessen von Anfang an nicht den Bürgerwillen einbezogen“ habe, widersprach Schlier vehement: „Selten hat man sich bei einem Vorhaben so sehr mit dem Bürgerwillen beschäftigt. Die Bürger waren von Anfang an eingebunden und haben die Planung massiv mitgeschrieben. Deshalb kam es ja zu vielen Umplanungen, die zu der Vielzahl an Offenlegungen geführt haben.“

Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) erklärte, selten ein Verfahren erlebt zu haben, das „so viel mit Wasser zu tun hat. Selbst einem Laien erschließt sich, dass wir hier ein Problem haben“. Es sei begrüßenswert, hier so viel wie möglich zu unternehmen, um das zu lösen.

„Die Aiblinger brauchen Wohnraum“

Dieter Bräunlich (ÜWG) bat, die Angelegenheit zu forcieren: „Die Aiblinger brauchen Wohnraum.“ Anita Fuchs (Grüne) sorgte sich, dass zusätzliche Regenkanäle das System der Stadt belasten könnten und sich das Hochwasserproblem auf Mühlbach und Glonn verlagere.

Mit 24:1 Stimmen beschloss das Gremium letztlich die erneute Auslegung. Doch zuvor müssen die von der Bürgerinitiative geforderten Punkte bezüglich der Wasserthematik in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt geklärt werden.

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