Buchungen bei Aiblinger Hotellerie laufen nach dem Lockdown sehr langsam an

„Grüß Gott“ heißt es nun endlich wieder im „Schmelmerhof“,wo Inhaberin Karola Lindinger – wie auch die anderen Bad Aiblinger Hoteliers – auf Gästebuchungen wartet. Baumann

Nach der Wiederöffnung der gastronomischen Betriebe hat nun auch der Lockdown für die Hotellerie ein Ende. Ab Samstag,30. Mai, dürfen – wie bei der Gastronomie mit umfangreichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen – auch die Hotels wieder öffnen. Allerdings lassen Detailregelungen auf sich warten.

Bad Aibling– Die Bad Aiblinger Beherbergungsbetriebe vermelden übereinstimmend erhebliche Umsatzeinbußen, wenngleich mit unterschiedlicher Ausprägung und Auswirkung. Hinzu kommt, dass in der Gastronomie die Gäste sozusagen von heute auf morgen wieder erschienen, während die Hotels jetzt sehnsüchtig und händeringend auf neue Gästebuchungen warten.

Umsatzausfall von 100.000 Euro

„Bis jetzt haben wir den Lockdown ganz gut überstanden“, erklärt Max Lindner, Inhaber des Hotels „Johannisbad“. Das Haus mit seinen 60 Betten sei ursprünglich von März bis Mai fast vollständig ausgebucht gewesen und diese Buchungen sind alle entfallen. „Wir konnten inzwischen etwas Umsatz machen mit Geschäftsreisenden, aber der Umsatzausfall für die Monate März und April beträgt rund 100 000 Euro“, beklagt der Hotelier.

„Es ist alles gerichtet“:Hotelier Max Lindner im „Johannisbad“-Biergarten“.

Die meisten sind in Kurzarbeit

Von seinen 20 Mitarbeitern habe er zwei entlassen müssen, fast alle anderen befinden sich in Kurzarbeit. „Die Neubuchungen halten sich bisher sehr in Grenzen, die Leute sind noch überaus vorsichtig“, bedauert er. Wie seine Kollegen Jost C. Deitmar („Das Lindner“) und Johann Reif („St. Georg“) nimmt er an, dass die in vielen Medien undifferenzierte Berichterstattung über den Corona-Hotspot Rosenheim eine Rolle spielt.

„Wir liegen – gerechnet auf die kommenden Monate – bei einer Auslastung von 15 bis 20 Prozent“, sagt Deitmar. Da das Thema „Tagungen“ immer noch nicht geklärt sei, fokussiere sich „Das Lindner“ im Moment sehr auf Urlaubsgäste.

Für Reif ist die Buchungssituation im Hotel St. Georg „eine Katastrophe: Wir stornieren jeden Tag. Allein für Juli haben wir schon 600 stornierte Übernachtungen, 1000 sind noch mit Fragezeichen versehen. Manche Tagungsveranstalter warten noch ab. Aber normalerweise haben wir im Juli 5500 Übernachtungen.“

Reif zeigt sich „total enttäuscht von unserer Regierung. Man lässt uns hängen. Wir können ja dem Gast nicht sagen einmal sagen, wann Tagungen wieder möglich sind oder der Wellnessbereich öffnen darf“.

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Stark betroffen von der Schließung ist das Hotel „Schmelmerhof“, das über 180 Betten verfügt. „Unser Umsatzrückgang beträgt 98 Prozent und wir müssen kämpfen“, bekennt Inhaberin Karola Lindinger. Rund die Hälfte ihrer 60 Mitarbeiter haben die Kündigung erhalten, der Rest ist auf Kurzarbeit. Derzeit gebe es, abgesehen von vereinzelten Firmengästen, kaum Buchungen für das unter andrem auch wegen seines Wellness-Bereichs („Wellness auf Bayerisch“) beliebten Hotels. „Unser größtes Problem ist, dass der Wellness- und Beauty-Bereich noch immer nicht geöffnet werden darf“, bemängelt die Hotel-Chefin.

Ein Umstand, den auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga gerade vor dem Gleichheitsgrundsatz nicht nachvollziehen kann: „Warum dürfen beispielsweise Fitnessstudios öffnen, Wellness- und Spa-Bereiche, aber nicht? Oder warum sind Tagungen in Bildungseinrichtungen erlaubt, nicht aber in Hotels?“, fragt Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert.

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Gerade bei Letzterem steht auch das „B&O Parkhotel“ vor erschwerten Bedingungen, weil derzeit keine Veranstaltungen genehmigt sind. „Unser Hotel mit 189 Betten ist auf Veranstaltungen spezialisiert und kann ohne diese nicht wirtschaftlich arbeiten“, betont Hoteldirektorin Verena Lüdicke und ergänzt: „In den Monaten April und Mai hatten wir in den Vorjahren regelmäßig etwa eine Million Euro Umsatz gemacht. In diesem Jahr ist unser Haus in den beiden Monaten komplett geschlossen, wir wären in dieser Zeit zu 75 Prozent ausgebucht gewesen. Da wir ein Veranstaltungshotel sind, rechnen wir auch für den Rest des Jahres mit Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent.“

Betriebsvielfalt erschwet Richtlinien

Der Dehoga-Verband tue sein Bestes und sei wirklich eine perfekte Unterstützung. Die größte Schwierigkeit bereite jedoch, dass vieles nur vage formuliert sei. „Die vagen Formulierungen sind der Vielfalt der Betriebe geschuldet und können für diese aufgrund individuellerer Möglichkeiten bei der Umsetzung auch ein Vorteil sein. Schließlich betreffen die Vorgaben das kleine Café genauso wie das große Hotel“, sagt Dr. Geppert.

„Setzen jetzt auf Urlaubsgäste“

Für Lüdicke ist es aber vor allem wichtig, zu wissen, „wann und in welchem Umfang wir wieder Veranstaltungen durchführen können“. Da keine Tagungen und Seminare möglich sind, versuche man nun, auch Urlaubsgäste für das Hotel zu gewinnen. Bei den wenigen Buchungsanfragen erkundigen sich die Gäste meist, mit welchen Einschränkungen sie rechnen müssten.

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„Zum Glück haben wir eine starke ,Mutter‘“, erläutertdie Managerin, „unser Gesellschafter hat zunächst auf Mieten und Pachten verzichtet und dann durch ein Darlehen für ausreichend Liquidität gesorgt“. So habe man keinen der 78 Mitarbeiter entlassen müssen, sechs davon befinden sich nicht in Kurzarbeit. Das „B&O Parkhotel“ und seine Gastronomie (zunächst nur für Hotelgäste) öffnet am 4. Juni wieder seine Pforten und hofft, in naher Zukunft wieder wie gewohnt viele Tagungs- und Seminargäste begrüßen zu können.

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