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Ortschef im Gespräch

Warum in diesem Jahr in Bad Feilnbach vieles anders ist als zuletzt: Bürgermeister Anton Wallner klärt auf

Bürgermeister Anton Wallner steht vor seinem Rathaus und blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2022.
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Bürgermeister Anton Wallner steht vor seinem Rathaus und blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2022.
  • VonNicolas Bettinger
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Tourismus, neues Rathaus, Moorheilbäder, 5G. In Bad Feilnbach stehen zahlreiche Themen auf dem Programm für 2022. Warum in diesem Jahr vieles anders ist als zuletzt und worüber sich Bürgermeister Anton Wallner „narrisch freut“, erzählt er im Interview.

Bad Feilnbach – Tourismus, neues Rathaus, Moorheilbäder, 5G. Diese und viele weitere Themen bewegen die Gemeinde Bad Feilnbach. Bürgermeister Anton Wallner (56) spricht im Interview über die wichtigsten Projekte in diesem Jahr und erklärt, warum die Gemeinde mehr zu bieten hat, als einen Olympia-Medaillen-Gewinner.

Herr Wallner, wie optimistisch blicken Sie auf 2022?

Anton Wallner: Ich blicke sehr optimistisch in dieses Jahr. Es deutet einiges darauf hin, dass wir in vielen Bereichen wieder mehr Freiheiten erleben werden. Deshalb habe ich auch die Hoffnung, dass einige Feste wieder stattfinden, dass wir uns in der Gemeinde wieder mehr begegnen können.

Glauben Sie, dass etwa der Apfelmarkt wieder stattfinden kann?

Wallner: Der bayerische Sängerbund kündigte bereits an, dass es heuer wieder eine Chorwoche gibt. Ich gehe also auch davon aus, dass wir den Apfelmarkt veranstalten können, genau wie den Waldadvent. Ich bin voller Optimismus, da Corona nicht mehr die Bedrohung ausstrahlt, wie noch im vergangenen Jahr.

Wie ist der aktuelle Stand beim Mobilfunkkonzept?

Wallner: Mit dem Mobilfunkkonzept wollen wir im ersten Halbjahr fertig werden.

Was den 5G-Ausbau angeht, herrscht in der Bevölkerung zuweilen die Meinung, die Gemeinde bestimme darüber. Das stimmt jedoch nicht. Auf Bundeseben wurde entschieden, den Mobilfunk flächendeckend aufzustellen, die weißen Flecken sollen also verschwinden. Was das für uns bedeutet, haben wir durch die Firma Techcom untersuchen lassen. Die Gemeinde Bad Feilnbach hat wie kaum eine Kommune, eine flächendeckende Untersuchung der Mobilfunkversorgung und der Mobilfunkemissionen in Auftrag gegeben. Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist, dass wir in unserer Gemeinde eine äußerst geringe Strahlenbelastung haben. Gleichzeitig ist die Versorgung meist ausreichend und nur in einigen Gemeindeteilen verbesserungswürdig. Dem Gemeinderat wird demnächst das Mobilfunkkonzept vorgestellt. Eine Abstimmung erfolgt anschließend mit unserem Mobilfunkbeauftragten Stephan Oberprieler und unserer Bürgerinitiative. Die Fürsorge für unsere Bürgerinnen und Bürger ist dem Gemeinderat und mir sehr wichtig.

Was steht in Sachen Tourismus in diesem Jahr an?

Wallner: Wir freuen uns, dass wir demnächst wieder viele Gäste begrüßen können. Mit unserem neuen Kneippbecken können wir unseren Gästen eine schöne Anlage bieten. Wir wollen ein Parkplatzkonzept erstellen und die Besucherlenkung vorantreiben. Mit unserer Besucherlenkung sind wir in einem guten Kontakt zu unseren Gästen. Getreu dem Motto: Schön dass ihr da seid, geht bitte führsorglich mit unserem Wohnzimmer um. Heißt konkret: Wir haben uns ein paar Spielregeln erarbeitet. Dazu zählt etwa, dass Radfahrer nicht auf jedem Weg und jedem Steig unterwegs sein sollen. Auch Wanderer sollen zum Beispiel keine Abkürzungen gehen, sie sollen nicht einfach über hochstehendes Gras laufen. Selbstverständlichkeiten also, die man in der Kindheit erlernt hat. Manchem Besucher fehlt jedoch womöglich dieses Grundwissen, was wir ihm deshalb näherbringen möchten. Mit Freude auf die neue Saison, begrüßen wir sehr herzlich unsere Gäste.

Wie wollen Sie diese Spielregeln durchsetzen?

Wallner: Im vergangenen Jahr startete eine Plakat-Kampagne. Damit wollten wir mit netten kleinen Anekdoten das Bewusstsein für die Natur schärfen. Diesen wichtigen Ansatz wollen wir nun noch etwas verfeinern. Der Landkreis Rosenheim hat eine Naturkulissenbetreuerin ingestellt. Bei einem Bürgermeistertreffen wollen wir demnächst erörtern, ob wir so etwas auch auf lokaler Ebene verstärkt vorantreiben können. Etwa auf ehrenamtlicher oder bezahlter Basis, indem wir Menschen finden, die sich mit der Natur gut auskennen und die an Parkplätzen oder an stark frequentierte Orten mit unseren Besuchern ins Gespräch kommen.

Corona wirkt sich spürbare auf Besucherzahlen aus. Wie schätzen Sie dieses Jahr ein?

Wallner: Natürlich wünschen wir uns, dass die Besucher wieder mehr werden. Willkommen sind dabei nicht nur Gäste, die hier nächtigen – auch wenn uns das natürlich am liebsten ist. Wir freuen uns ebenso über Tagesausflügler. Ziel ist, dass sie den Ausflug mit einem Besuch unserer Gastronomie verbinden. Denn bezogen auf unsere Einwohnerzahl haben wir mit den 20 gastronomischen Betrieben eine tolle Auswahl. Und die Betriebe sind natürlich auf Gäste angewiesen.

Hier am Rathausplatz, direkt hinter der Hecke, zeigt Anton Wallner den Standort des neuen Rathauses.

Wie laufen die Pläne für das neue Rathaus?

Wallner: Wir sind mittendrin. Das neue Rathaus wird direkt nebenan am Rathausplatz errichtet. Unser Rathaus ist fast 50 Jahre alt, zu Beginn hatten wir gerade einmal vier Arbeitsplätze, zuständig damals für 1800 Einwohner. Heute, mit achteinhalbtausend Einwohnern und der dreifachen zu betreuenden Fläche, ist das natürlich nicht mehr zeitgemäß. Mittlerweile zählen wir 40 Mitarbeiter rund um das Rathaus. Die Verwaltungsräume entsprechen nicht mehr dem, was etwa in Sachen Brandschutz oder Barrierefreiheit vorgeschrieben ist. Deshalb freuen wir uns über den Neubau. Der Architektenwettbewerb ist abgeschlossen und wir wollen das Jahr 2022 intensiv für die Planungen nutzen. Wenn alles gut läuft, können wir 2023 oder 2024 mit dem Bau beginnen. Sollten wir tatsächlich im Sommer 2023 starten können, dürfte der Bau nach eineinhalb Jahren fertig sein.

Im kommenden Jahr steht die Rezertifizierung an und damit die Frage, ob die Gemeinde das Prädikat „Bad“ behalten darf. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Wallner: Das Thema bewegt uns natürlich sehr stark. Der Erhalt des Titels hängt letztlich von unseren Moorbädern ab. 1996 hat uns ein Strukturwandel in den Heilbädern sehr stark getroffen hat, sodass die Übernachtungszahlen rapide gesunken sind. Vor der Pandemie hat sich die Zahl der Nächtigungen auf 370.000 stabilisiert. Jedoch ist im Prinzip alles, was unser örtliches Heilmittel ausgemacht hat, komplett verschwunden. Die meisten Kurhäuser mit ihren Moorbädern gehören der Vergangenheit an. Umso dankbarer bin ich natürlich, dass der Reithof, sobald es die Pandemie zulässt, die Moorbadewannen wieder öffnen will. Zwar ist es ein schwieriger Weg aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Prädikatisierung mit unserem örtlichen Heilmittel wieder schaffen. Schließlich feiern wir im kommenden Jahr „50 Jahre Bad“.

Welche Rolle spielt dabei das geplante Hotel am Brandfeld?

Wallner: Eine ganz wichtige. Dies ist eines der bedeutendsten Projekte. Für die Hotelansiedelung wollen wir die Bauleitplanung voranbringen, sodass wir in diesem Jahr bereits über das Datum des Baubeginns sprechen können. Was das Moorbadehaus angeht, haben wir eine Arbeitsgruppe mit vielen Fachkundigen eingesetzt. Sie haben den Auftrag, ein neues Moorbadehaus zu entwickeln und hierfür auch verschiedene Standorte zu erarbeiten. Einer der möglichen Standorte ist das neue Hotel, was ich ganz klar favorisiere. Es hat schließlich nur Vorteile, wenn Beherbergungsbetrieb und Moorbadehaus unter einem Dach vereint sind. Ende des Jahres wollen wir eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen treffen.

Wie sieht es mit dem kommunalen Wohnbau aus?

Wallner: Wir haben vier Wohnungen am Tannenhof gekauft, wollen am Naturpark im Laufe des Jahres die Planungen soweit vorantreiben, dass auch dort nochmal fünf oder sechs Wohnungen entstehen können. Bezahlbarer Wohnraum heißt für mich, dass ich eine Miete am unteren Rand des Marktgefüges bezahle und dass ich einen Vermieter habe, der mir die Wohnung verlässlich lange vermietet und nicht nach zwei Jahren wegen Eigenbedarfs kündigt. Das Thema Verlässlichkeit wollen wir grundsätzlich vorantreiben.

Wie wollen Sie seitens der Politik hierbei eingreifen?

Wallner: Die Überlegung ist, eine ‚Liste der fairen Vermieter‘ zu erstellen. Wer darauf steht, weiß, dass er seiner sozialen Verantwortung gerecht wird. Entsprechende Vermieter sichern dann etwa zu, den Mietpreis im mittleren Preissegment fest zu legen. Ich denke, es gibt viele Vermieter, die ihre Verantwortung erkannt haben und die Mietraum zu fairen Preisen anbieten wollen. Und so eine Liste hilft natürlich vor allem den Menschen, die bezahlbaren Wohnraum suchen.

Factbox: Was in Bad Feilnbach noch ansteht und wie der Bürgermeister Olympia verfolgt

Weitere wichtige Themen sind laut Wallner etwa der Bau der Hackschnitzelheizung sowie die Schwimmbadsanierung. Die Schule Au ist saniert, dort müsse noch etwas an der Außenanlagen gemacht werden. „Zudem wollen wir eine Photovoltaikanlage auf das Schuldach in Bad Feilnbach bauen“, so Wallner. Man sei in den Feinabstimmungen mit dem Inverstor, was den Kindergarten am Tannenhof angeht. Derzeit werden intensive Gespräche über die Art der Möblierung und der Außenanlage geführt. Hier soll im September 2023 eröffnet werden. Ebenso soll in diesem Jahr in Au die Straße „Am Breindlbach“ saniert werden, womit demnächst begonnen wird. Auch mit dem Gewerbegebiet an der Eulenau soll es in diesem Jahr vorangehen.

Auch das Thema Umwelt werde die Gemeinde in diesem Jahr sehr stark beschäftigen. „Mit unserem Arbeitskreis ‚Klima und Umwelt‘ planen wir etwa einen E-Mobilitätstag, bei dem hoffentlich viele tolle Projekte vorangetrieben werden. In den Arbeitskreis können Projekte eingebracht werden, die wir dann in die breite Öffentlichkeit tragen wollen. Denn wichtig ist, dass nicht die Mentalität vorherrscht: ‚Da sollte man, da könnte man, das hätte längst gemacht gehört‘. Denn Klima betrifft uns alle, jeder kann etwas tun, in kleinen und großen Schritten.“

Zu guter letzt die Frage nach Olympia. Wie hat der Bürgermeister den Medaillen-Gewinner Christof Hafer verfolgt? „Wir haben hier alle zugeschaut, Daumen gedrückt, und im Sitzungssaal richtig großes Kino gemacht. Wir freuen uns narrisch. Er ist einfach ein sehr sympathischer, ruhiger, toller Typ. Die Planungen für eine Feier laufen. Wir wollen Christoph Hafer einen ordentlichen Empfang bereiten. Denn welche Gemeinde kann schon von sich behaupten, dass einer ihrer Bürger zu den Olympischen Spielen fahren darf und dann auch noch etwas gewinnt?“

Für sein Moor ist Bad Feilnbach seit jeher bekannt.

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