Aus dem Gemeinderat

Tannenhof-Quartier: Ein Raum als Bad Feilnbacher Wohnzimmer

So stellt sich die Quest AG das Bad Feilnbacher Wohnzimmer in ihrem Entwurf vor: Hochwertige Ausstattung und zum Platz hin geöffnet. Quest AG
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So stellt sich die Quest AG das Bad Feilnbacher Wohnzimmer in ihrem Entwurf vor: Hochwertige Ausstattung und zum Platz hin geöffnet. Quest AG
  • vonKonrad Kriechbaumer
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Bad Feilnbachs Bürger bekommen ein „Wohnzimmer“ im Tannenhof-Quartier. Damit setzt der Gemeinderat den Wunsch der Einwohner aus der gemeinsamen Architektenwerkstatt um und schafft einen Aufenthaltsort ohne Konsumzwang in der Mitte des Ortes.

Bad Feilnbach – Nachdem der Gemeinderat den Erwerb der Räumlichkeiten im Oktober 2020 noch abgelehnt hatte, ist die Firma Quest nun mit verbesserten Konditionen auf die Gemeinde zugegangen. Daraufhin sprach sich das Gremium mehrheitlich für den Kauf aus.

Michael Sandbichler von der Quest AG, die das Tannenhofareal bebaut, stellte das Konzept im Gemeinderat nochmals vor. „Das Bad Feilnbacher Wohnzimmer ist ein Versprechen aus der Bürgerbeteiligung, aus der als ein zentraler und wichtiger Wunsch ein gemeinsamer Aufenthaltsort formuliert wurde“, so Sandbichler.

Ein Ort ohne Konsumzwang

Sehr viele Jugendliche hätten sich einen Ort ohne Konsumzwang gewünscht. Auch für Vereine und Parteien wie die AWO oder der Nachbarschaftshilfe und die offene Jugendarbeit stünde das Wohnzimmer zur Verfügung.

Im „Haus B“ des Tannenhofquartiers, das sich zur Kufsteiner Straße hin orientiert, sollen kleinere, bezahlbare Wohnungen angeboten werden. „Damit die künftigen Eigentümer auch Geburtstage feiern und Freunde treffen können, ist dieses gemeinsames Wohnzimmer gedacht“, schildert Sandbichler.

100 Quadratmeter Platz plus Terrasse

Das Bad Feilnbacher Wohnzimmer ist rund 100 Quadratmeter groß, hinzu kommt eine 55 Quadratmeter große Terrasse, die ebenfalls mitgenutzt werden könne. In den Räumen soll die Geschichte des Tannenhofes dargestellt werden, eine hochwertige Ausstattung ist geplant. „Privat wohnen – gemeinsam leben“, fasste Sandbichler die Idee zusammen.

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Da der Quest AG das Projekt sehr am Herzen liege, wolle man nun mit verbesserten Konditionen an die Gemeinde herantreten, um die Umsetzung zu ermöglichen. So könne die Gemeinde nun Alleineigentümer des Wohnzimmers werden. Darüber hinaus sie nach zwei Jahren die Fläche an die Quest AG zurückgeben, sollte sich das Konzept nicht bewähren. „Wir übernehmen mittels einer 450-Euro-Kraft den Betrieb des Wohnzimmers dauerhaft“, bot Sandbichler an.

Geteilte Meinungen im Gemeinderat

Im Gemeinderat war man geteilter Meinung bezüglich des Kaufs. Eine Abfrage habe ergeben, dass das Seniorennetzwerk und der VdK-Ortsverband bereits Interesse bekundet hätten, die AWO dagegen sah ihre „Heimat“ im kürzlich neu errichteten Sportheim in Au. Bedenken äußerte Sieglinde Angermaier (Grüne): Sie möchte die Entscheidung zurückstellen, bis für 2021 ein Haushaltsplan vorliege und der Gemeinderat sich in die geplante Klausur begeben hätte. „Außerdem stehen im Heimgarten ein großer Saal sowie die Ludwigstube zur Verfügung, alles auch barrierefrei“, stellte Angermaier fest. „Wir sollten hier nicht noch mehr Geld in die Hand nehmen, weil die Räume schon vorhanden sind.“

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Auch Manfred Büttner (SPD/Parteifreie) sah das Vorhaben kritisch: „Solche Gemeinschaftsräume gehören an die Käufer der Wohnungen verkauft und nicht an die Gemeinde.“ Sie seien ausschließlich durch die Eigentümer zu nutzen. Als „kritisch“ und „nicht händelbar“ empfand er dieses Konzept, „wenn Gott und die Welt da reingeht“. Sandbichler entgegnete, dass es durch die notwendige Teilungserklärung eine Gemeinschaftsordnung gebe und die Benutzungsregeln in der Hausordnung festgeschrieben werden können. Zudem seien eine 450-Euro-Kraft und ein Quartierbetreuer für die Einhaltung der Regeln und die Instandhaltung zuständig.

Wer vergibt Termine und wer hält sauber?

Einen großen Aufwand bei der Terminvergabe und bei der Sauberkeit der Räume sah indes auch Katharina Angermaier (ÜW). Sie schlug vor, die Idee im künftigen Rathaus umzusetzen und dort Räume zu schaffen. Für den Kauf des Wohnzimmers sprachen sich mehrere Gemeinderäte aus der CSU-Fraktion aus. Sepp Rauscher sah hier die Umsetzung eines zentralen Wunsches aus der Bürgerbeteiligung. Nachdem Sebastian Obermaier nach dem ersten Angebot der Quest AG noch nicht vollends überzeugt war, konnte er sich nun für die neuen Konditionen begeistern. In der Umsetzung sah auch Martin Huber den Bürgerwunsch umgesetzt, regte aber an, mehr Toiletten und insbesondere Urinale einzubauen.

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Thomas Forster (Grüne) frage nach, ob es für ein solches Projekt Zuschüsse gebe. Bürgermeister und Geschäftsleitung versicherten, eventuelle Fördermöglichkeiten zu prüfen und gegebenenfalls in Anspruch zu nehmen.

Dr. Balthasar Spann (CSU) stellte abschließend fest, dass das erste Angebot aus zwei Gründen abgelehnt wurde: Zum einen war der Kaufpreis zu teuer und der Betreiber des Wohnzimmers anders geregelt. „Mit den neuen Konditionen sind unsere damaligen Bedenken ausgeräumt.“

Details nicht öffentlich behandelt

In der öffentlichen Sitzung wurde kein Beschluss gefasst, da im folgenden, nicht öffentlichen Teil über weitere Details wie den Kaufpreis beraten wurde. Bürgermeister Anton Wallner teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass der Gemeinderat dem Kauf des Bad Feilnbacher Wohnzimmers mit 16:5 Stimmen zugestimmt habe.

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