WOHNRAUM FÜR BÜRGER NEU GEDACHT

Bad Feilnbacher Gemeinderat holt sich Denkanstöße für das Bauen der Zukunft

Der Geschosswohnungsbau im Wohnprojekt „Dahom im Inntal“ könnte auch für Bad Feilnbach Vorbild sein.
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Der Geschosswohnungsbau im Wohnprojekt „Dahom im Inntal“ könnte auch für Bad Feilnbach Vorbild sein.
  • vonJosef Mayr
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Können die Ideen bei der Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes in Brannenburg auch Impulse für die Gemeinde Bad Feilnbach geben? Zu dieser Frage hatte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Geschäftsführer der Firma InnZeit GmbH & Co. KG, Rupert Voß, geladen.

Bad Feilnbach – Diese Firma habe – wie Bürgermeister Anton Wallner (CSU) zu Beginn hervorhob – mit dem Mehrgenerationenwohnprojekt „Dahoam im Inntal“ schon entsprechende Erfahrungen vorzuweisen.

Der Referent stellte eingangs auch gleich drei mögliche Ziele für Bad Feilnbach in den Mittelpunkt seines Vortrags: Einheimische Bürger, bezahlbarer Wohnraum und sparsamer Flächenverbrauch. Mit diesen Fragen habe sich die InnZeit auch bei der Entwicklung des Projekts in Brannenburg intensiv auseinandergesetzt. Dabei sei es notwendig gewesen, nicht in der üblichen Größenordnung „Wohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmeter“, sondern in anderen Kategorien zu denken.

Lösungen für viele Lebenslagen

Herausgekommen seien Lösungen für viele Lebenslagen: bezahlbarer Wohnraum für jedermann, betreutes Wohnen und Pflege sowie Betreuungseinrichtungen für Kinder. Auf insgesamt 16 Hektar Konversionsfläche sei das Projekt ausgelegt für rund 1000 Bewohner, 440 Arbeitsplätze, 148 KiTa-Plätze zuzüglich aktuell 25 Erweiterungsplätzen, 122 Pflegebetten und 34 Mitarbeiterwohnungen.

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Um Wohnraum für jedermann zu schaffen, habe man im Rahmen eines Geschosswohnungsbaus Rabatte für Familien mit Kindern vorgesehen. Auch seien viele Mietwohnungen zu bezahlbaren Mieten geschaffen worden. Außerdem sei das gesamte Gebiet mit einer Nahwärmeversorgung versehen.

Vision und Motivation der InnZeit habe Landtagspräsidentin Ilse Aigner beim Richtfest treffend so beschrieben: „Das Generationenwohnprojekt ,Dahoam im Inntal‘ ist ein einzigartiges Gesamtkonzept, weil es hochmodernen und nachhaltigen Wohnraum mit sozialen Werten verbindet und wichtige Antworten auf die Fragen unserer in vielerlei Hinsicht anonymen Gesellschaft gibt.“

Umdenken aufgrund der Immobilienpreise

Heutzutage – so Voß – seien die explodierenden Immobilienpreise das Hauptproblem für Bauwillige und Kommunen. Voß hält deshalb ein Umdenken für notwendig. Anstatt relativ aufwändiger Einfamilienhäuser könnten Geschosswohnungen oder sogenannte Kettenhäuser für viele Einheimische Lösungsansätze sein.

Er selbst – so Voß – habe sich schon vor Jahren für eine Geschosswohnung entschieden. So konnte er für rund 250 000 Euro zu Wohneigentum kommen, während seinerzeit für ein Einfamilienhaus rund 400 000 Euro aufgewendet werden mussten.

Geringerer Flächenverbrauch

Wie beim Geschosswohnungsbau sei der Flächenbedarf auch bei Kettenhäusern relativ gering. Er könne sich deshalb für Bad Feilnbach durchaus solche Einheimischenmodelle vorstellen. Mietwohnungen könnten im Rahmen des Förderprogramms für den Mietwohnungsbau (so genanntes EOF-Modell) geschaffen werden. Je nach Einkommen der Mieter seien so äußerst günstige Mietpreise von 4,50 oder 5,50 oder 6,50 Euro pro Quadratmeter Mietfläche möglich.

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Die sichtlich beeindruckten Gemeinderäte dankten Voß für den – wie Wallner betonte – leidenschaftlichen Vortrag. Sieglinde Angermaier (Grüne) zollte ebenfalls Respekt: „Hut ab vor diesem sozialen Denken!“

Erste Ideen für Haus am Naturpark?

Zweiter Bürgermeister Sepp Rauscher (CSU) griff die Idee des Flächensparens auf: Dieser Gedanke sei zwar in aller Munde, aber der Wunsch nach einem Einfamilienhaus noch sehr stark verankert. Er warf deshalb die Frage auf, wie man hier ein Umdenken erreichen könne. Voß räumte ein, dass noch viel Überzeugungsarbeit nötig sei. Hilfreich könne das erwähnte Rechenbeispiel sein, das ihn selbst vom Geschosswohnungsbau überzeugt habe.

Laut Bürgermeister Wallner sollten die Denkanstöße aus der Sitzung beim anstehenden Bau eines Mehrfamilienhauses am Naturpark von Bad Feilnbach mit eingebracht werden.

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