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„Wir reagieren auf die Klimaveränderungen“

Nach Unwettern: Wie ein Naturdeich den Medical Park in Bad Feilnbach vor Hochwasser schützen soll

11000 Kubikmeter Erde werden bewegt, um das Areal des Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark mit einem Deich vor Hochwasser zu schützen.
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11000 Kubikmeter Erde werden bewegt, um das Areal des Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark mit einem Deich vor Hochwasser zu schützen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Der Reithofpark Bad Feilnbach wappnet sich für ein hundertjährliches Hochwasser. Derzeit werden circa 11000 Kubikmeter Erde bewegt, um das Klinikareal mit einem Hochwasserdeich und Entwässerungsgräben zu schützen.

Bad Feilnbach – Der Jenbach hat in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, mit welch zerstörerischer Kraft er sich vom Wendelstein nach Bad Feilnbach wälzen kann. Bei Starkregen stürzen etwa 70 000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem 13 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet hinab ins Tal. „Für ein HQ 100, also ein statistisch gesehen alle 100 Jahre auftretendes Jahrhunderthochwasser bieten die Hochwasserschutzanlagen am Oberen Jenbach für den Ort Bad Feilnbach einen Grundschutz“, informiert Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim.

Der Abschnitt im Süden ist schon fertig, wie Tectum-Geschäftsführer Michael Schürer (links) und Julian Schwaller, Geschäftsführer von Medical Park Bad Feilnbach, zeigen.

Vorbereitungen laufen seit drei Jahren

Doch die Erfahrung zeigt, dass flächige Sturzfluten aus Bergen, Bächen und Feldern als Folge heftiger Niederschläge zunehmen. „Würde sich über der Region eine stationäre Gewitterzelle ergießen, stünden auch an Campingplatz und Klinik etwa 20 Zentimeter Hochwasser“, schätzt Holderer ein.

Hochwasserschutzmaßnahmen am unteren Lauf des Wildbaches stehen aktuell nicht auf der Prioritätenliste des Freistaates Bayern. Daher investiert die Tectum Liegenschaftsverwaltung GmbH jetzt selbst einen Millionen-Betrag in den Schutz ihrer Bad Feilnbacher Immobilie. „Wir wollen den Standort langfristig sichern“, betont Geschäftsführer Michael Schürer. Nach Modellberechnungen würden die Klinikgebäude bei einem HQ 100 teilweise bis zu 70 Zentimeter unter Wasser stehen. „Selbst bei einem zwanzigjährlichen Hochwasser wären die Souterrainbereiche betroffen“, so Schürer.

Der Hochwasserdeich und ihn flankierende Entwässerungsgräben sollen das aus den Bergen über die Felder strömende Wasser vor dem Klinikareal stoppen, östlich vorbeiführen und im Norden wieder in die natürliche Fließrichtung einleiten.

Seit 2019 laufen die Vorbereitungen für die Maßnahme. Der geänderte Bebauungsplan wurde vom Gemeinderat befürwortet, die erforderliche Gelände-Neumodellierung mit dem Wasserwirtschaftsamt und den Nachbarn abgestimmt. Im Februar begannen die Arbeiten. „Wir bewegen etwa 11 000 Kubikmeter Boden, arbeiten vor allem mit dem Material vor Ort, schaffen eine naturbelassene Hochwasserschutzanlage und versuchen, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen“, erklärt Schürer. So wird beispielsweise die Erde, die für die Entwässerungsgräben ausgehoben wird, direkt für den Deichbau verwendet.

Standort langfristig sichern und ausbauen

Der erste Abschnitt des Deiches ist bereits modelliert. Perspektivisch wird er das Areal im Norden und Osten begrenzen und von Abflussmulden flankiert sein. Die Zufahrt zur Klinik wird durch ein Brückenbauwerk erhöht. An der Reithalle entsteht eine Hochwassermauer. Der Parkplatz ganz im Norden des Grundstücks wird ebenfalls von einem Deich geschützt.

„Ziel ist es, das Wasser, das aus den Bergen über die Felder gen Klinik fließt, am Deich zu stoppen, östlich am Areal der Klinik vorbeizuführen und im Norden wieder in seinen natürlich Abfluss einzuleiten“, erläutert Schürer. Durch eine Aufweitung des Grabens am nördlichen Grundstücksende werde die Fließgeschwindigkeit reduziert, ehe das Wasser weiter über die angrenzende Pferdekoppel abfließen könne. Mit dem Projekt wird nicht nur die Klinik geschützt. „Der Deich verbessert auch die Situation der Nachbarn“, betont der Tectum-Geschäftsführer.

Bei einem hundertjährlichen Hochwasser wäre das Areal der Klinik (grau) überflutet (dunkelblau).

Zwar war die Neurologische Fachklinik am Reithofpar k noch nie von Überflutungen betroffen, doch: „Wir reagieren auf Klimaveränderungen und sorgen vor, damit sich unsere Patienten und Mitarbeiter auch bei Hochwasserlagen sicher fühlen und wir den Standort perspektivisch erweitern können“, betont Julian Schwaller, Geschäftsführer von Medical Park Bad Feilnbach.

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