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Ein Leben für die Kunst

Bad Feilnbach: Pepp Füss (88) zeigt zum letzten Mal seine Werke

Pepp Füss lebte 31 Jahre im historischen Trogerhaus. Mittlerweile wohnt er bei Familie Pauls. Er wird von Steffi Pauls betreut. Foto: Strim
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Pepp Füss lebte 31 Jahre im historischen Trogerhaus. Mittlerweile wohnt er bei Familie Pauls. Er wird von Steffi Pauls betreut.
  • VonPeter Strim
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Auf Pepp Füss! Drei Tage drehte sich alles um Pepp Füss. Der 88-jährige Künstler, der 31 Jahre im Trogerhaus lebte, zeigte seine Werke. Daneben gab es ein buntes rahmenprogramm.

Au – Das Wochenende stand ganz im Zeichen des Künstlers Pepp Füss (88). Zum einen wurde im Trogerhau s seine letzte Ausstellung „Ein Lebenswerk – eine Lebenswelt“ gezeigt. Zum anderen fand das Wochenende über in und um das historische Gebäude ein buntes Rahmenprogramm statt. Im Trogerhaus lebte Füss 31 Jahre lang, dort malte und zeichnete er. Sein Leben galt der Kunst. „Dieser habe ich mich immer untergeordnet“, sagt der Künstler, der gesundheitlich angeschlagen ist, und mittlerweile bei Familie Pauls lebt.

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Zur Ausstellungseröffnung am Freitag kamen viele Freunde, aber auch der Kulturreferent des Landkreises Christoph Maier-Gehring sowie Bürgermeister Anton Wallner. Bei der Realisierung der Schau halfen die Familien Poschauko und Kalkusch sowie viele Freunde. Sein langjähriger Freund Martin Impler hielt eine Laudation auf Pepp Füss und trug Stationen seines Lebens vor (siehe Kasten).

Bilder von Almen und Alltagsszenen

Die Besucher waren begeistert von der Ausstellung. Zu sehen waren Selbstporträts, Szenen aus seinem Familienleben sowie Darstellungen von Almen, Werke am Stammtisch des ehemaligen Gasthauses Beckenlehner oder Burschen beim Aufwecken. Eines der Meisterwerke ist das Bild „Troger Usch (Ursula)“, das 1990 entstand. Viele Bürger schätzen Pepp Füss als Mittelpunkt der Auer Gemeinschaft – und sie kamen in Scharen. Oft zeigte sich vor dem Haus eine lange Schlange, da coronabedingt nur zehn Personen gleichzeitig ins Haus durften.

Zu Pepp Füss’ Meisterwerken gehört das Gemälde der „Troger Usch“, von dem sich (von links) Bürgermeister Anton Wallner und seine Ehefrau Elisabeth und Thomas Poschauko, Mitorganisator der Ausstellung, inspirieren ließen.

Mit dem Radl auf Motivsuche

Am Samstag und Sonntag folgte dann ein buntes Rahmenprogramm: Im Mittelpunkt stand das alte Trogeranwesen, wo sich zahlreiche Freunde des Künstlers trafen. Zum einen galt das Interesse seinen Bildern im Inneren des Hauses. Aber auch im Garten war viel geboten: Dort wurden Werke des Steinbildhauers Karl Ressmann gezeigt und beispielsweise Füss‘ Holzskulptur „Eva“. Gezeigt wurde auch das Fahrrad des Malers. Damit ware er unterwegs und suchte nach Motiven.

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Die Tradition zur künstlerischen Betätigung wurde am Samstag und Sonntag sichtbar: Dazu gehörte das Hämmern von Georg Huber, der als Holzbildhauer arbeitet und eine Figur aus einem Lindenholzblock zauberte. Musikalisch war auch vieles geboten: Dazu gehörten überwiegend aus Au und aus der Region stammend Gruppen wie „Konnexion Balkon“, Antonia und Wolfe, Staxi-Band, Jezzda sowie „Da Ding“.

Musikalische Umrahmung

Am Sonntag konnten die Gäste den Klängen von örtlichen Jugendmusikgruppen und einem Ensemble der Auer Musi lauschen. Besondere Freude bereitete der erste öffentliche Auftritt des Männergesangsverein „Liederkranz“ Au, nach mehr als eineinhalb Jahren corona-bedingter Zwangspause.

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Das alte Trogeranwesenbot das an Kultur und Kunst was sich die Auer wünschen und den Holzbildhauer, Maler und Zeichner sowie Auer mit Herz und Seele, Pepp Füss, am Eröffnungsabend für einen Eintrag in sein Gästebuch veranlasste. Er schrieb unter anderem hinein, dass ihm das Trogerhaus 31 Jahre lang ein einmaliges Obdach geboten habe und „ich darin uralt geworden bin“. Trotzdem habe er große Sorge um die Zukunft des alten Hauses. Sein schöner Traum sei es, dass „der Geist dieses Hauses Segen und Erleuchtung einbringt, die Geister der kommenden Träger zu beflügeln“. Er sehe eine große Chance darin, dass „das wunderbare Anwesen ein Kulturmittelpunkt werden kann, wo Mitglieder der Großgemeinde sich einbringen, zum Glück und Segen aller“.

Aus einem Lindenholzblock zaubert Holzbildhauer Georg Huber eine Holzskulptur.Foto: Strim

Laudatio von Martin Impler: Im Trogerhaus hatte er seine kreativste Zeit

In seiner Laudatio auf Pepp Füss am Freitagabend, blickte sein Freund Martin Impler zurück auf das Leben des Malers, Zeichners und Holzbildhauers zurück: Füss wurde am 16. Mai 1933 in Unterföhring geboren. Nach Ende der Volksschulzeit begann er eine Lehre als Holzbildhauer, die mit einer erfolgreichen Gesellenprüfung an der Luisenschule in München endete. Dort traf er mit Helmut Mayr, ehemaliger Diakon in Au, zusammen, der dort Bildhauerei studierte. Die künstlerische Gemeinschaft wurde erweitert durch Karl Ressmann, ein Nachbar von Füss, der an der Akademie der bildenden Künste in München studierte.

Studienreisen unternommen

Pepp Füss war noch einige Jahre auf der Akademie und hat sich bei Professor Hermann Kaspar und Max Delefant weitergebildet. Das Trio untermahm gemeinsame Studienreisen nach Frankreich und Italien. Um Geld zu verdienen, schnitzte Pepp Füss bei einem Bildhauer vorgefräste Holzfiguren nach.

1977 zog er nach Au

1977 kam er nach Au, wo ihm Helmut Mayr ein Zuhause beim „Hoarn“ in Willharting vermittelte. Den ersten Sommer verbrachte er auf der Riesenkopf Alm. Dort entstanden Berg- und Naturbilder. Der Hang und die Liebe zu Natur, Landschaft und Menschen führte ihn in den darauffolgenden Jahren vor allem in den Sommermonaten in die Berge und auf Almen. „Durch seine Gabe und den Blick für das Feinsinnige entstanden Malereien und Zeichnungen, die an Fotos ähneln“, so Impler. Als bald kam für ihn die Zeit, in der er die umliegenden Bauernhöfe und die darin wohnenden „Charakterköpfe“, so Impler, als seine künstlerische Herausforderung sah und bildhaft umsetzte und die Ausstellungsbesucher an Auer Persönlichkeiten und Typen erinnerten.

1984 fand er im Trogerhaus ein Zhause

1984 ermöglichte ihm Steinbildhauer Karl Ressmann den Einzug ins alte Trogeranwesen. Dort erlebte er seine kreativste und arbeitsreichste Schaffensphase. Dort griff er auch die Aktmalerei wieder auf.

Weihnachten 1988 gesellte sich Yvonne Wasmann hinzu, die er 1991 in der Taxakapelle heiratete. Zwei Jahre später kam Tochter Loni zur Welt. 1995 gestalteten sie eine gemeinsame Ausstellung im Riederhaus an der Gottschallinger Straße. In der Zeit der Zweisamkeit entstanden Werke wie der „Geigenbauer Rudi Ebersberger“, „Bruder Konrad“ und die „Troger Usch“. Als 80-Jähriger hat er die Skulptur „Eva“ aus Lindenholz geschaffen.

Feinschmecker und Genießer

1998 scheiterte die Ehe und ab da lebte er wieder alleine in seinem Atelier im Trogerhaus. Zu den weiteren Werken zählen „Die Jünger am Ölberg“ am Evangelium an der Auer Kirchenfriedhofsmauer, der Stier „Sixtl“ vom „Oacher Xare (Xaver Schlemmer, Eckersberg). Füss war den Angaben Martin Implers zur Folge ein Feinschmecker und Genießer, der genau wusste, wo es zu bestimmten Jahreszeiten Leckereien gab und viele Anekdoten hinterließ. Ansonsten lebte der Künstler Pepp Füss eher spartanisch und auf die Frage nach dem Warum kam die Antwort: „Ich habe mein Leben der Kunst untergeordnet.“

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