Bad Feilnbach meldet Super-Sommer nach Corona-Tiefschlag im März

Bad Feilnbach hofft auch noch im Herbst auf eine gute Urlaubssaison. Nicht nur beim Picknicken am Jenbach – fernab von Corona – lässt es sich in der Gemeinde am Fuße des Wendelsteins noch gut aushalten.
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Bad Feilnbach hofft auch noch im Herbst auf eine gute Urlaubssaison. Nicht nur beim Picknicken am Jenbach – fernab von Corona – lässt es sich in der Gemeinde am Fuße des Wendelsteins noch gut aushalten.

Vom Corona-Hotspot zum Urlauber-Top-Wunschziel hat sich Bad Feilnbach innerhalb nur weniger Monate zurückentwickelt. Viele Urlauber entdecken die Gemeinde ganz neu.

Von Eva Lagler

Bad Feilnbach – „Die Delle, die wir im Tourismussektor ab Beginn der Krise im März verkraften mussten, haben wir weitgehend wieder ausgeglichen“, zieht Kur- und Tourismuschefin Ute Preibisch eine erste Bilanz. Die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsvorschriften habe gut gegriffen. War der Juni anfangs noch etwas verhalten, seien vor allem die Ferienwohnungen, Urlaub auf dem Bauernhof und Campingplatz seither enorm gut gebucht. „Auch die Gastronomie wird gut besucht“, freut sich Ute Preibisch.

Ob Wandern, Mountain- oder E-Biken, Schwimmen, Naturschönheiten entdecken oder einfach die Ruhe genießen – dazu gibt es in der Gemeinde jede Menge Gelegenheit. Von den Anfang des Lockdowns vielfach beobachteten Anstürmen rücksichtloser Wanderer und Biker sei in den letzten Monaten nichts mehr zu hören gewesen.

Bauernhof statt „all inclusiv“-Club

Neben vielen Stammgästen, die seit Beginn der Lockerungen wieder in das „bayerische Meran“ reisen, mache sich auch bei jenen, die Bayern bisher noch nicht kannten, der Trend von „all inclusiv zu Urlaub auf dem Bauernhof“ bemerkbar. Viele Urlauber entdecken die Kommune am Fuße des Wendelsteins neu.

Diese Erfahrung macht auch Josef Rappl. Ihm gehören in Bad Feilnbach die Hotels Bayerisch Meran und Maximilian. Dank staatlicher Hilfen und der Möglichkeit der Kurzarbeit habe man es geschafft, durch den Lockdown zu kommen. „Und dann ist es eigentlich vom ersten Tag an wieder losgegangen – von null auf hundert.“

Die Besuchergruppen aus China fehlen

Ihm fehlen zwar vor allem die Busreisegäste und Besucher aus Fernost: „Normalerweise haben wir rund 100 Urlaubergruppen aus China pro Jahr.“ Doch auch dies könne man heuer auffangen: „Wir haben dafür viel mehr Besucher, die für einen längeren Zeitraum als sonst buchen.“ Auffallend sei, dass auch gehobeneres Publikum als sonst den Weg in die Häuser finde und mehr Geld hier lasse, stellt Rappl fest. Darin sieht er auf Dauer auch eine Chance, die es zu nutzen gelte. „Das bedeutet aber, dass man noch mehr in Qualität investieren muss.“

„Hoffen, die Saison noch hinausziehen zu können“

Als stärksten Monat hat die Kur- und Gästetinformation den August verzeichnet. „Die Zahlen sind absolut vergleichbar mit dem vergangenen Jahr“, betont Ute Preibisch mit Blick auf die Besucher- und Übernachtungsstatistik. „Der Sommer hat wirklich einen sehr guten Schub gebracht und wir hoffen, dass wir die Saison auch noch ein bisschen hinausziehen können.“

Die Prognosen für die Monate September und Oktober seien gut. Zumindest was die Hotels und privaten Anbieter angeht. Sorgen bereitet indes noch der Gesundheitstourismus, für den Bad Feilnbach ebenfalls steht.

„Dem Moor wieder mehr Bedeutung beimessen“

Hier sieht Ute Preibisch dringenden Handlungsbedarf. Nicht zuletzt, weil im Jahr 2022 die Rezertifizierung ansteht, bei der es darum geht, dass die Gemeinde ihren Titel „Bad“ behalten darf. Doch seien die Moorbadeabteilungen in den örtlichen Kliniken für ambulante Patienten noch geschlossen. Die Physiotherapiepraxen böten Mooranwendungen an, aber eben keine Moorbäder.

Der Kurbetrieb laufe nur langsam wieder an. „Zum Glück haben bei uns die meisten Ärzte noch den Badearzttitel“, ist Preibisch froh. Sie selbst steht voll hinter dem Naturheilmittel und hofft, dass es gelingt, diesem künftig wieder mehr Bedeutung zuzumessen.

Angebote werden gut gebucht

Gut laufen ihr zufolge hingegen die Gesundheitsangebote, die die Gemeinde zusammen mit der Volkshochschule anbieten. Auf große Resonanz seien auch Veranstaltungen wie die Lichterserenade, die Abschiedsvorstellungen der „Scheinheiligen“, eine Freilicht-Filmvorführung und vor allem der Jazz-Frühschoppen mit bis zu 180 Besuchern gestoßen.

Für das kommende Jahr plane man die Veranstaltungen und Feste erst einmal wie jedes Jahr – „wenn es schlecht läuft, müssen wir es wieder umschmeißen. Aber es andersherum anzugehen, wäre der schlechteste Weg.

Camping und Urlaub auf dem Bauernhof boomen

Urlaub auf dem Bauernhof ist in der Gemeinde Bad Feilnbach auch heuer der Renner. „Wir waren schon vor Corona ausgebucht“, sagt beispielsweise Christa Höfer vom Unterulpointhof in Litzldorf. Selbst die Lücke, die es sonst meist vor den Sommerferien gebe, sei überraschend gut gebucht gewesen. „Neben Stammgästen haben wir heuer auch Urlauber, die ansonsten zum Beispiel eine Kreuzfahrt unternommen hätten.“ Das habe vereinzelte Stornierungen wieder aufgefangen.

Ähnlich gut läuft es für Kaiser-Camping. Der Schwung seit dem guten Start in die Saison – „ich glaube, viele saßen schon drei Tage im Wohnmobil und konnten es gar nicht erwarten, den Zündschlüssel umzudrehen“ – hält bis heute an. „Es hat sich prima entwickelt“, freut sich Geschäftsführer René Scherff. „Die Konzepte haben gegriffen, das zeigen auch die Bewertungen im Internet. Die Gäste haben super mitgemacht bei der Umsetzung der Hygienevorschriften, alles war tiefenentspannt.“ Zwar habe man durch den Lockdown Umsatzeinbußen im sechsstelligen Bereich und im Vergleich zu den Vorjahren auch mehr Stornierungen verzeichnet – „sonst lag es im Promillebereich, heuer bei zwei bis drei Prozent“ –, aber in den Monaten Juni, Juli und August habe man Vorjahresniveau erreicht.

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